Das höchste Hochhaus der Welt entsteht in einer Wüste
3000 Männer arbeiten in Zehn-Stunden-Schichten in der Hitze am "Burj Dubai"
Sehen Sie diesen Beitrag in unserer Mediathek
In der Dubai Marina entstehen auf sieben Kilometern 140 Wolkenkratzer - jeder einzelne höher als 300 Meter. Das ist zwar nicht schön, dafür aber garantiert selten. Der Burj Dubai - immerhin als höchster Turm der Welt geplant - soll knapp 800 Meter hoch werden. Die 1,8 Milliarden Dollar Kosten des Projekts zahlt die köngliche Maktoum-Familie. Um den Turm entsteht das neue Stadtviertel "Downtown Dubai" mit 32.000 Luxusappartements, Büros, Parks und einem künstlichen See.
Sogar ein Altstadtviertel mit traditioneller arabischer Architektur soll dort errichtet werden. Das Ziel dieser größenwahnsinnigen Projekte besteht darin, zwanzig Millionen Touristen soll pro Jahr in die heiße Einöde zu locken. Man hofft darauf, dass die Stadt auf zehn Millionen Einwohner anwächst. Durch zahlreiche Attraktionen will man seitens der Königsfamilie den Rubel auch dann am Rollen halten, wenn das Öl schon lange versiegt ist.
So hoch wie Bauleiter David Bradford und sein Team vom Burj Dubai hat noch niemand einen Turm in den Himmel gebaut. 3000 Männer arbeiten in Zehn-Stunden-Schichten rund um die Uhr. Die Männer aus Pakistan, Indien und Bangladesch müssen beim Arbeiten Temperaturen von 48 Grad mit einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent ertragen. Die eher arroganten Dubaitis selbst würden sich nie zu einer solchen Arbeit herablassen. Auf dem gesamten Areal um den Burj Dubai, wo der neue Stadtteil "Downtown Dubai" entsteht, arbeiten derzeit insgesamt 25.000 Männer. Damit ist das Areal die größte Baustelle weltweit.
25 Prozent aller Kräne, die es auf der Erde gibt, befinden sich momentan in Dubai. Der Burj Dubai ist zu zwei Dritteln eine Stahlbetonkonstruktion. Noch nie zuvor wurden solche Mengen an Stahl auf so engem Raum verbaut wie bei diesem Gebäude. Das stellt die Männer täglich vor neue Herausforderungen.
Um die Stahlelemente vor Luft und Wasser zu schützen, müssen sie ringsum von genügend Beton umgeben sein. Aufgrund der Hitze wird nur nachts betoniert. Verwendet werden die größten Kräne der Welt, die zusammen mit dem Gebäude in die Höhe steigen. Mit drei Hochleistungspumpen wird der Spezial-Beton nach oben gepumpt. Ob sie den Beton bis in 800 Meter Höhe pumpen können, ist allerdings noch nicht ganz sicher. Bislang scheint es so, als würde diese technologische Superlative die Attraktivität des Landes auch nach dem Erdölzeitalter noch erhöhen können.
Wie lange das in einer Stadt, die über kein funktionierendes Verkehrsnetz verfügt und in der man sich von Stau zu Stau quälen muss, allerdings noch der Fall sein wird, scheint ausgesprochen fraglich. Die Wüstenstadt Dubai hat 1,2 Millionen Einwohner und ist die reichste Stadt der Welt. In der von Wolkenkratzern gesäumten Sheik Zayed Road gab es vor neun Jahren nur Wüste.
Lediglich das 140 Meter hohe World Trade Center Dubai existierte schon damals. Nun verbreiten die sechzig Wolkenkratzer entlang der mehrspurigen Staustraße eine eher beängstigende Stimmung. Der Trend zu immer mehr und immer höheren Gebäuden in der Einöde der Wüste scheint derzeit noch ungebrochen.


Sehen Sie diesen Beitrag in unserer Mediathek

"150 Stockwerke sind nicht billig" von "Spiegel online"

Wolkenkratzer lassen Shanghai absinken
Ein Hochhaus wie ein Bambusrohr
Hochhäuser in Zukunft
Schönheit der Architektur für Pilgerstädte der Moderne
Fein verzahntes Räderwerk für den Hochhausbau
Eine gläserne Gurke
Aus dem Salzwasser kommt das Süßwasser für Dubai
Magnetschwebebahn durch die Wüste

14.12.2006, zuletzt aktualisiert am 10.06.2008 / mm
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / nano [E-Mail]