Gesetze gegen Biopiraterie sollen Bevölkerung helfen
Länder der "Ersten Welt" machen mit fremdem Wissen und Produkten Geschäfte
In Brasilien gibt es nun einen Gesetzesentwurf, der das lokale einheimische Wissen und die Natur schützt aber gleichzeitig dem Fortschritt und der Wissenschaft im Weg steht. Eine japanische Firma hat gegen das Biodiversitäts-Abkommen verstoßen, indem sie bereits vor Jahren den Frucht-Namen Cupuaçu patentieren ließ. Menschen aus dem Amazonasgebiet mussten damit für ihr heimisches Produkt Lizenzgebühren nach Japan überweisen, wenn sie es selbst verkaufen wollten.
Die mit dem Kakao verwandte Amazonas-Frucht Cupuaçu, die der Amazonasbevölkerung seit Jahrhunderten als Nahrungs- und Heilmittel dient, wurde plötzlich zu einem Produktnamen. Wegen seines hohen Mineral- und Vitamingehaltes ist Cupuaçu in der westlichen Welt besonders beliebt. Aus den Samen kann billige, aber qualitativ gute Schokoladenmasse herstellt werden.
Cupuaçu ist eine Amazonasfrucht, von der das Einkommen der Einheimischen abhängt. In einer Gegend, wo die sonst übliche Brandrodung das Überleben der Einwohner garantiert, ist die Cupuaçu-Verarbeitung auch ein lokaler Beitrag, den Wald und seine Artenvielfalt zu nutzen und gleichzeitig zu schützen. Doch weil es keine internationale Datenbank über Namen von Pflanzen und Tieren in allen indigenen Weltsprachen gibt, handelt der Biopirat nicht einmal ungesetzlich. Dabei basiert die Gewinnteilung mit der einheimischen Bevölkerung oft nur auf Freiwilligkeit. Eine diffuse Gesetzgebung hilft außerdem dabei, lokale Interessen zu negieren.
Das japanische Patentamt hat zwar die Registrierung von Cupuaçu auf lokalen und internationalen Druck hin zurückgezogen. Doch diese Entscheidung kann jederzeit wieder aufgehoben werden. Außerdem gibt es noch viele weitere Pflanzen, die patentiert wurden. Darunter sind auch Pflanzen, die seit Jahrtausenden von den Indianern als Nahrung und zur Herstellung von Heilmitteln benutzt wurden. Nicht selten ließ man sich den Namen von Pflanzen als Markennamen patentieren.
Ein komplexerer Teil der Biopiraterie ist das geistige Eigentum, das indigene Wissen. Bei der Beurteilung, ob es sich um Jahrtausende altes indigenes Wissen oder seit langem bekanntes öffentliches Wissen handelt, geht es oft um Milliardenwerte. Um diese vermeintlichen Werte zu sichern, erlässt nun der Staat härtere Gesetzgebungen. Limitierungen für biologische Forschung und erschwerter Zugang zu biologischen Ressourcen behindern jedoch die wissenschaftliche Forschung. Wissenschaftler wehren sich gegen den Generalverdacht der Ausbeutung und beschuldigen die Nichtregierungsorganisationen, die einheimischen Völker zu manipulieren.
Diese wiederum prangern die Wissenschaft mit dem Argument an, sie sei von der Industrie abhängig. Die Einheimischen werfen den Forschern vor, sie seien nur an der Vermarktung und weniger an der Erhaltung kulturellen Wissens interessiert. Die Forscher argumentieren damit, dass ein wissenschaftlicher Rückzug dem Land auch keine Mehreinnahmen bringen würde.
Esther Neuhaus von der Dachorganisation FBOMS kämpft im Namen von mehr als 500 regierungsunabhängigen Organisationen für härtere Umweltgesetze und sozialgerechtere Kontrollen. Um die Stellung der Einheimischen zu sichern, setzt sie sich dafür ein, dass die Indigenen eine bessere Ausbildung und besseren juristischen Beistand erhalten.
"Infos zur Biopiraterie im Amazonasgebiet" von Amazonlink

Bio-Piraten in der Kalahari
Kein Patentschutz für Neenbaum-Öl
Besserer Schutz für Regenwald
"Lebensqualität der Menschen muss erhalten werden"
Pierre Landolt wirtschaftet nachhaltig in Brasilien
Brasilien weist große Amazonas-Naturschutzgebiete aus
Der vergessene Regenwald
Brasilien bricht als erstes Land ein Aids-Patent
Die meisten Indianer Brasiliens leben jetzt in den Städten
Brasilien will fünf neue Amazonas-Naturschutzgebiete
Brasiliens Urwald stirbt wieder schneller

23.10.2006 / mm
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / nano [E-Mail]