Am Kraftwerkssimulator in Essen die Katastrophe üben
Die Anlagen von Brokdorf oder Grafenrheinfeld sind aufgebaut und funktionsfähig
Training im weltweit größten Kraftwerk-Simulator-Zentrum sorgt für Sicherheit in deutschen Kernkraftwerken. In dem voll funktionsfähigen, gläsernen Reaktormodell erhitzen Tauchsieder das Wasser. Die hydraulisch-dynamischen Wärmevorgänge, die sich abspielen, wenn im Dampferzeuger aus Speisewasser Dampf entsteht, lassen sich so auch optisch nachvollziehen. Das Einzigartige ist, dass die Kraftwerkswarten von Brokdorf oder Grafenrheinfeld in Essen 1:1 aufgebaut und voll funktionsfähig sind.
Bis zu 25 Millionen Euro kostet jede einzelne dieser Anlagen. Ziel der Betreiber des Kraftwerks-Simulator-Zentrum in Essen ist es, das Personal auch in ungewohnten und gefährlichen Situationen handlungssicher zu machen. Weil die Anlagen der Atomkraftwerke (AKW) meist nur sehr wenig Störfälle haben, kann dort nur schlecht trainiert werden.
So sind die Techniker des Atomkraftwerks (AKW) Philippsburg davon überzeugt, dass ihr Reaktor sicheren und sauberen Strom erzeugt. Mit einem Stromausfall im Kernkraftwerk bringt der Schulungsleiter die Jungs mal so richtig ins Schwitzen. Durch die Reaktorschnellausschaltung wird die atomare Kettenreaktion im Reaktor gestoppt. Nachdem alles kontrolliert wurde, suchen die Ingenieure gemeinsam das entsprechende Kapitel aus dem Betriebshandbuch heraus. In den Betriebshandbüchern ist beschrieben, wie die Technik der Anlage reagiert, was sie macht, welche Teile zu kontrollieren und welche Tätigkeiten auszuführen sind.
Das Betriebshandbuch ist gewissermaßen die Bibel des Kraftwerks. Es liefert die Lösungen für auftretende Probleme gleich mit. Im Störfall steuert sich die Anlage zunächst einmal eine halbe Stunde selbst, so dass das menschliche Eingreifen nicht unmittelbar erforderlich ist. Die Leute können in Ruhe eine Diagnose stellen und dann überlegen, welche Schritte sie einleiten wollen.
Die Ingenieure sollen alle Möglichkeiten von vornherein einplanen können. Die Kernkraftwerker sind überzeugt davon, das in den deutschen Atomkraftwerk wirklich alles sicher ist. Ingenieur Peter Janzer ist sich sicher, dass eine Art Tschernobyl durch den anderen Aufbau und eine andere Auslegung der Anlage in Philippsburg nicht passieren kann. Unter der Betondecke erhitzt das atomare Feuer Wasser auf knapp 330 Grad Celsius. Eine gewaltige Betonkuppel schützt diesen innersten Bereich. Abgebrannte Brennelemente werden unter Wasser gelagert, weil das vor Strahlung schützt. Riesige Rohre bringen heißen Dampf zu den Strom-Turbinen oder Kühlmittel zum Reaktor.
Block 1 des Kernkraftwerks Philippsburg erzeugt schon seit über 35 Jahren Strom unter Hochsicherheitsbedingungen. 1984, zwei Jahre vor der Tschernobyl-Katastrophe, ging der modernere Block 2 ans Netz.

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26.04.2006, zuletzt aktualisiert am 05.06.2008 / mm
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