Der Bewerber ist schnell als Partylöwe ausgemacht
"Die wenigsten begreifen, was es heißt, in einer Informationsgesellschaft zu leben"
So hatte sich Karsten P. sein Vorstellungsgespräch nun wirklich nicht ausgemalt: Der Chef in spe projizierte Bilder von einer Party auf die Wand, auf der sich Karsten weniger mit Ruhm als mit anderem bekleckert hatte: Man sah, wie er Unmengen Bier trank und sich dann mit der Flasche in der Hand übergab - für Karsten eine Lektion in Sachen "persönliche Daten im Internet". "Deswegen ist jeder aufgerufen, sorgsam mit seinen Informationen umzugehen", so Datenschützer Peter Schaar.
"Die wenigsten begreifen, was es bedeutet, in einer Informationsgesellschaft zu leben. Information ist heute alles - Identität und Kapital. Informationen werden gesammelt, um zu kontrollieren und letztendlich auch zu manipulieren. Auf Vorrat gespeicherte Telefonverbindungsdaten dürfen seiner Meinung nach nur zur Verfolgung schwerer Straftaten genutzt werden. Deshalb sei möglicherweise eine Änderung der Strafprozessordnung notwendig, erklärte Schaar.
Das EU-Parlament hatte Mitte Dezember 2005 den Beschluss der EU-Justizminister gebilligt, Verbindungsdaten im E-Mail- und Telefonverkehr für sechs Monate bis maximal zwei Jahre ohne konkreten Verdacht zu speichern. Damit soll im Fall von Terroranschlägen die Aufklärung erleichtert werden. Schaar jedoch zweifelt an der Wirksamkeit: "Ich bin immer noch nicht davon überzeugt, dass das ein Instrument ist, das wirklich geeignet ist, die damit verfolgten Ziele zu erreichen. Es ist sehr undifferenziert. Es werden sehr viele Daten gespeichert - ganz überwiegend von Personen, die in keiner Weise verdächtig sind." Registriert werde, "wann wer mit wem, aber auch wo und gegebenenfalls unter welcher IP-Adresse Verbindung aufgenommen hat".
Die Speicherung erfolge zudem unabhängig von einem Anfangsverdacht oder einer konkreten Gefahr. "Das ist datenschutzrechtlich hoch problematisch." Noch mehr Bedenken hat er bei der Daten-Sammelwut privater Unternehmen. Unter dem Argument eines besseren Kundenservice haben die Flaggschiffe der Informationsgesellschaft, wie Microsoft, Google oder Yahoo persönliche Daten über Surf- und Kaufverhalten, über Interessen und finanzielle Aktionen von Millionen von Nutzern gespeichert.

Der bekannte Mensch: Formen der Überwachung


Zum Thema sprachen wir mit Markus Beckedahl vom Blog "netzpolitik.org"

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15.03.2006, zuletzt aktualisiert am 04.09.2008 / mp mit Material von ap
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