99 Prozent der Europäer gelten als "lichtverschmutzt"
Hell erleuchtete Städte verleiden den Astronomen den Blick auf ferne Welteninseln
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Über den Städten Europas sind nur noch etwa zehn Prozent der Sterne zu sehen. Auch auf dem Land wird der Blick auf den Sternenhimmel durch Straßen- und Werbebeleuchtung oder die Lichtbeamer der Discotheken stark erschwert - mittlerweile hat die Lichtverschmutzung die Sternwarte "Hohe List" in der Eifel südlich von Bonn erreicht. Das Spiegelteleskop mit mehr als einem Meter Durchmesser und einer Brennweite von 14 Metern sieht keine fernen Galaxien mehr, sondern den Widerschein von Laternen.
Der "Atlas der Lichtverschmutzung" zeigt, dass 99 Prozent der Menschen in USA und Europa "lichtverschmutzt" sind. Die Hälfte aller Europäer sieht die Milchstraße mit bloßem Auge nicht mehr. "Eine dramatische Entwicklung", beklagt Dr. Andreas Hänel, Astronom und Leiter der Deutschen Fachgruppe der "Dark Sky Administration".
Getrübter Blick in den Himmel
Auch Österreichs größtes Teleskop am Leopold-Figl-Observatorium auf dem knapp 900 Meter hohen Mitterschöpfl 30 Kilometer südwestlich von Wien sieht kaum noch Sterne: Mittlerweile ist die Leistungsfähigkeit des Teleskops allein durch den Lichtschein aus dem Raum Wien um bis zu 70 Prozent reduziert. Licht ferner Galaxien, das moderne Teleskope registrieren, entspricht etwa jenem einer Taschenlampe auf dem Mond. Derart genaue Beobachtungen sind inzwischen nur noch weitab der Zivilisation möglich, etwa in den chilenischen Anden.
Ursachen für den helleren Himmel seien Lichtreklame und Skybeamer, starke Werbestrahler von Diskotheken. Zudem dehnten sich Wohnsiedlungen und Industriegebiete aus und sorgten für weitere Erleuchtung des Nachthimmels, etwa durch Streulicht von Straßenlaternen. Außerdem würden Lichtquellen immer effektiver. In Deutschland gebe die DIN-Norm für die Straßenbeleuchtung bislang nur Mindestwerte vor. Sinnvoll wären auch Maximalwerte, sagte Hänel. In der Tschechischen Republik gebe es mittlerweile das erste nationale Gesetz, wonach kein Licht mehr an den Himmel gestrahlt werden dürfe, sagte Hänel.
Augsburg hat die herkömmlichen Quecksilberlampen nach und nach durch neue Natriumdampflampen ersetzt. Sie sind wesentlich energiebewusster, locken weniger Insekten und Vögel an, schaffen besseres Licht und sind langlebiger. Die neuen Lampen sind zwar in der Anschaffung teurer, bringen aber besseres Licht. Skybeamer und Lichtlightshows sind in Augsburg nicht zugelassen und für Neubauten gibt es strenge lichttechnische Vorgaben. Die Stadt hat so 250.000 Euro gespart: Eine Natriumdampflampe verbraucht pro Tag eine Kilowattstunde weniger Energie.
Nabu: Beleuchtung von historischen Gebäuden einschränken
Nachts nicht mehr nachtschwarz
Der Naturschutzbund (Nabu) Hessen hat gefordert, die Beleuchtung von Kirchen, Burgen, Ruinen und anderen historischen Gebäuden einzuschränken. "Die Lichtquellen ziehen Insekten an, die dann zur leichten Beute von Fraßfeinden wie Vögeln und Fledermäusen werden", sagte der stellvertretende Nabu-Vorsitzende, Gerhard Eppler. "Auch andere Tiere, wie Schleiereulen, Mauersegler, Dohlen oder Turmfalken brauchen ihre Nachtphasen", meint Eppler. Diese Tiere nutzen die Gebäude als Brutplatz.
Der Nabu kritisiert die stetig zunehmende Illumination der Landschaft mit neuen Lichtquellen. "Da sind zum einen die Lampen selbst, die zu Todesfallen für unzählige Insekten wie Nachtfalter, Mücken oder Käfer werden", sagt der Biologe Eppler. Zwar sei noch nicht genau bekannt, warum die nachtaktiven Insekten von den Lichtern angezogen würden. Nicht wenige kämen jedoch beim Flug gegen die Lichtquellen um oder würden von ihren Feinden gefressen.
"Die Lichtverschmutzung ist problematisch, da sie lokal zum Aussterben seltener Arten führen kann", erklärt Eppler. Der Verlust von wichtigen Pflanzenbestäubern unter den Nachtfaltern habe Auswirkungen auf das sensible Netz der Natur. Auch bei Straßenbeleuchtungen sollen sich nach Auffassung des Nabu die Kommunen Gedanken machen. Die Lichtquellen auf Firmengebäuden in Gewerbegebieten sind dem Nabu ebenso ein Dorn im Auge. In der Regel lägen die Gewerbeflächen in direkter Nachbarschaft zur freien Landschaft. "Mit jeder Lichtquelle, die dort geschaffen wird, geht der Natur ein weiterer dunkler Rückzugsraum verloren", sagt Eppler.


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24.08.2001, zuletzt aktualisiert am 04.09.2008 / mp mit Material von dpa
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