"Optische Täuschungen sind ein Blick in die Zukunft"
Gehirn muss den Zeitverlust bei der Signalübertragung vom Auge kompensieren
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"Unser Gehirn stellt die ganze Zeit Vermutungen an, was im nächsten Moment passiert", sagt der Psychologe Prof. Mark Changizi vom Polytechnischen Institut Rensselaer (USA). "Dass das so ist, können wir bei optischen Täuschungen feststellen." Signale brauchen von den Augen zum Gehirn eine Zehntelsekunde. Das Gehirn muss extrapolieren, denn sonst könnte es keinen Ball fangen: Ein Ball, der einen Meter pro Sekunde fliegt, wäre sechs Grad von der Position entfernt, in der wir ihn gesehen haben.
Bei optischen Täuschungen führen wir das Gehirn bewusst in die Irre wie bei der Hering-Täuschung: "Wenn man vorwärts läuft, dehnt sich die Welt um uns herum. Unsere Netzhaut nimmt einzelne Objekte nicht als etwas Gleichbleibendes war: Die Objekte gleiten eher verschwommen an unserer Netzhaut entlang." Das Gehirn vermutet, dass wir uns in die Bildmitte bewegen und verzerrt darum die Linien für uns und versetzt sie eine Zehntelsekunde in die Zukunft.
Die Hering-Täuschung: scheinbare Bewegung auf die Mitte  © Rensselaer, Changizi
Das könne beim Golfspiel zu einer optischen Täuschung führen, meint Changizi: "Manchmal erwartet unser Gehirn, dass der Golfball das Loch nicht trifft. Wir nehmen den Ball auf der gegenüberliegenden Seite wahr, obwohl er ins Loch fällt. Das passiert, weil unser Gehirn diese Situation nicht erwartet hat. Es entwarf ein anderes Bild von der Zukunft - basierend auf der gegenwärtigen Bewegung des Balles." Changizi hat 28 verschiedene Klassen optischer Täuschungen ausgearbeitet, die sich in vier Gruppen einteilen lassen: Größe, Geschwindigkeit, Helligkeit und Abstand.
M. C. Escher nutzte optische Täuschung für seine Kunst
Die Orbison-Täuschung: Quadrate nahe der Mitte erscheinen größer  © Rensselaer, Changizi
Im 19. Jahrhundert entdeckte man, dass man das Gehirn mit falschen Perspektiven verwirren kann. Der holländische Maler M. C. Escher nutzte dies als Grundlage für seine berühmten unmöglichen Gebäude. Auch Bilder verwirren uns, bei denen die Linien zwar parallel angeordnet sind, die starken Helligkeitskontraste die Linien aber gekrümmt erscheinen lassen. Von einer Straße auf den Philippinen behaupten die Einheimischen, dass auf dem "magnetischen" Hügel geheimnisvolle Kräfte das Wasser nach oben fließen lassen. Auch ein Auto, das man ohne Handbremse abstellt, scheint bergauf zu rollen. Tatsächlich handelt es sich nur um eine optische Täuschung durch die Landschaft.


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02.07.2001, zuletzt aktualisiert am 28.10.2008 / mp
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