Astrophysikalisch eine günstige Reise - politisch nicht
Die Vereinigten Staaten und Europa brechen mit ihren Missionen zum Mars auf
2003 starteten zwei US-amerikanische und erstmalig auch eine europäische Raumsonde zum Mars. Die Konstellation war günstig, denn der Mars kommt der Erde dann so nahe, 56 Millionen Kilometer, wie schon seit 1000 Jahren nicht mehr. Die politische Konstellation allerdings ist nicht ganz so günstig: Die Europäer treten in Wettlauf mit den Amerikanern und ziehen nicht an einen Strang; Italien und Frankreich gehören zur Esa, unterstützen aber zusätzlich auch die US-Amerikaner.
"Es gibt in Europa eine sehr große Gemeinde von Wissenschaftlern, die sich für Marsforschung interessieren", schildert Dr. Lutz Richter vom DLR-Institut für Raumsimulation, "und die Möglichkeiten, sich an amerikanischen Missionen zu beteiligen, sind begrenzt."
Man habe also in Europa für die Wissenschaft die Möglichkeit bieten wollen, eigene Missionen durchzuführen, um selbst die wichtigen Fragen beantworten zu können, "und nicht nur Mitflug-Gelegenheiten bei amerikanischen Flügen." Im April 2001 startete die US-amerikanische Sonde "Mars Odyssee 2001". Sie erreichte im Oktober den roten Planeten erreichen und erkundete ihn im Rundflug. 2003 folgte der europäische Mars-Express vom russischen Baikanur. Die Esa-Sonde hat die Umlaufbahn mit Hilfe einer deutschen Stereo-Kamera erforscht, Steine inspiziert und mit Radar nach Wasser gesucht.
Vorgesehen waren außerdem biologische Experimente mit Hilfe des "Beagles", eines kleinen Landegeräts, das mit Unterstützung eines deutschen Spezialbohrers Bodenproben auf dem Mars analysieren kann. Nach der Landung kommen keine Funksignale. Bei der europäischen Mission sollten Bodenproben gesammelt werden, die die Entstehung des Mars aufklären helfen sollen.
"Das ist ein sehr kompaktes System", erläutert Dr. Lutz Richter. "Es ist einem konventionellen Bohrer überlegen, weil es ein Mehrfaches seiner Eigenlänge an Tiefe in den Boden eindringen kann. Wenn man eine gewisse Bohrtiefe erreichen will, ist das vorzuziehen gegenüber einem konventionell drehenden Bohrer, bei dem man so viel Gestänge mitnehmen muss, wie man auf Tiefe gehen will." Landeplatz ist die Ebene Isidis Planitia unmittelbar nördlich des Äquators, wo das südliche Krater-Hochland an das flache Tiefland im Norden stößt.
Als erstes Landegerät seit den beiden Viking-Sonden der Nasa in den 1970er Jahren sucht Beagle 2 wieder ganz gezielt nach Spuren von organischem Leben. Der Aktionsradius der Bodensonde hätte vier Quadratmeter betragen, denn der Driftbohrer kann nicht in der Tiefe, sondern auch knapp unter der Oberfläche und sogar unter Steinen Sand aufnehmen. Noch auf dem Mars sollten die Proben mineralogisch analysiert und nach Mikroorganismen durchleuchtet werden.
Außerdem kommt beim Mars-Express 2003 auch noch eine Spezialkamera zum Einsatz, mit der man aus der Luft Objekte dreidimensional vermessen kann. Die hochauflösende Stereokamera haben Techniker vom DLR-Institut für Planetologie in Berlin entwickelt. Sie nimmt jeden Punkt am Boden aus drei verschiedenen Richtungen auf. Mit den Daten können die Forscher bis auf einem Meter genau die Geländestruktur am Boden rekonstruieren. Ursprünglich sollte die Kamera schon 1996 zum Einsatz kommen, bei der Missionen "Mars 96". Doch der erste Versuch der Europäer, den Mars in eigener Regie zu erkunden, scheiterte bereits beim Start.
Nach einer Fehlzündung im Antriebssystem stürzte die russische Rakete vor der chilenischen Küste ins Meer. Ein harter Schlag, nicht nur für die russische Weltraumbehörde, sondern auch für die beteiligten Wissenschaftler, wie sich Dr. Martin Pätzold von der Universität Köln erinnert: "Das ist natürlich ein Schlag, wenn man von einer Woche auf die andere keine Fördermittel mehr bekommt."
Jahre habe man investiert, der Start ist immer so eine Art Meilenstein. "Es ist schon eine große Erleichterung, wenn der Start glückt, wenn die Raumsonde auch dort ankommt. Davon hängen immer vier weitere, wenn nicht sogar sechs weitere Jahre wissenschaftliche Arbeit ab."


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12.06.2001, zuletzt aktualisiert am 19.05.2008 / mp
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