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Pollen in der Stadt geben andere substanzen ab als auf dem Land
Fettsäuren machen Pollen aggressiv
Nicht nur Proteine reizen das Immunsystem
"Pollen in der Stadt setzen viel mehr enzündungsfördernde Substanzen frei als Pollen von Bäumen auf dem Land", hat Dr. Claudia Traidl-Hoffmann vom Zentrum für Allergie und Umwelt der Technischen Universität München herausgefunden. "Das könnte eine Antwort sein, warum wir letztendlich mehr Allergien finden in den Städten."
Unter dem Einfluss von Rußpartikeln setzen Pollen mehr der Pollen assoziierten Lipidmediatoren (Palms) frei, die mit den dendritischen Zellen des Immunsystems interagieren. "Der Pollen kommt auf die Schleimhaut und versucht herauszufinden, ob er richtig ist", schildert Traidl-Hoffmann. Dazu setzt er die Fettäsäuren frei.

Zudem verstärken die Fettsäuren die klassische Immunreaktion über allergene Proteine. Die Allergene binden die IgE-Antikörper, die sich auf besonderen Immunzellen, den Mastzellen, befinden. Mastzellen setzen daraufhin Entzündungsstoffe, die Histamine, frei, die die Symptome auslösen. Bei Allergikern ist die Zahl der Mastzellen besonders hoch. Deshalb kommt es bei ihnen zu einer Überreaktion des Immunsystems.

Ein Mix aus Stickstoff-Dioxid und Ozon verändert zudem die Proteine der Pollen, die damit stärker vom Körper bekämpft werden. Das haben Chemiker der Technischen Universität München 2005 gezeigt.

Straßenverkehr erhöht bei Kindern das Allergie-Risiko
Kinder, die weniger als 50 Meter von einer viel befahrenen Hauptstraße entfernt wohnten, hatten im Vergleich zu abgeschiedener wohnenden Altersgenossen ein um bis zu 50 Prozent höheres Risiko für Erkrankungen. Das zeigte 2008 eine Studie des Helmholtz-Zentrums München mit mehr als 3000 Kindern, die vom Zeitpunkt der Geburt an sechs Jahre lang beobachtet wurden.

Mit steigendem Abstand zur Hauptstraße sei das Risiko gesunken, teilte das federführende Helmholtz-Zentrum mit. Ihrer Analyse legten die Wissenschaftler um Joachim Heinrich die jeweilige Entfernung der elterlichen Wohnung zu verkehrsreichen Straßen zugrunde, sowie auch die für die jeweiligen Wohnadressen der Kinder ausgerechneten Werte der Luftbelastung mit Feinstaub, Dieselruß und Stickstoffdioxid.

In die Analyse flossen die Ergebnisse medizinischer Untersuchungen und der regelmäßigen Elternbefragungen ein. Darüber hinaus wurde bei den Kindern im Alter von sechs Jahren das Auftreten spezifischer Antikörper gegen häufige Allergene im Blutserum getestet. Es zeigte sich, dass mit steigender Feinstaub-Belastung Erkrankungen wie asthmatische Bronchitis sowie Pollen-Allergien zunahmen. Aufgrund erhöhter Stickstoff-Belastung nahmen auch Ekzeme zu.

40 Prozent der Immunsysteme sind überempfindlich
In Deutschland leiden bis zu 40 Prozent der Bevölkerung an Allergien. Allergien sind Überempfindlichkeitsreaktionen des Körpers gegenüber körperfremden Substanzen wie Blütenpollen, Insektengiften oder Nahrungsbestandteilen. Diese Stoffe aus der Umwelt werden von Gesunden problemlos toleriert, lösen aber bei Allergikern typische Reaktionen wie verstärktes Niesen, eine verstopfte Nase, das Laufen der Nase, das Jucken der Augen und Bindehautentzündungen bis hin zu lebensbedrohenden Atemstörungen aus.

Das lässt sich mit Medikamenten verhindern, die Histamine blockieren. Wer auf Medikamente ganz verzichten will, muss den Kontakt mit den lästigen Pollen meiden. Eine, wenn auch wenig populäre, Maßnahme ist das Tragen von Schutzmasken. Ein Gebläse versorgt die empfindliche Allergikernase mit gefilterter, pollenfreier Luft. So hat der Heuschnupfen keine Chance.

Schwerpunkt
Wege gegen die Allergie: Therapien und Forschung
Literatur
Vennekens R et al (2008) Increased IgE-dependent mast cell activation and anaphylactic responses in mice lacking the calcium-activated nonselective cation channel TRPM4. Nature Immunol 8: 312 - 320
Links
"Neue Erkenntnisse über die Entstehung von Allergien: Kanert-Preis 2005 geht nach München" vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
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01.06.2001, zuletzt aktualisiert am 19.06.2009 / mp mit Material von dpa