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Im eigenen Garten kann der Eigenurin einen durchaus sinnvollen Zweck erfüllen
Getrennt gesammelter Urin wird zum Dünger
Vier von fünf Schweizern sind für No-Mix-Toiletten
Forscher der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung (Eawag) haben eine Toilette entwickelt, in der sich Urin nicht mit dem Kot mischt. Bonner Wissenschaftler machen daraus Dünger für die Landwirtschaft.
Was im hinteren Teil der Toilette anfällt, wird wie bisher mit Wasser in die Kanalisation gespült. Im vorderen Teil der Schüssel wird Urin aufgefangen und mit wenig oder ohne Spülwasser in einen lokalen Speichertank abgeleitet.

Bei einer Umfrage sagten mehr als 80 Prozent der befragten Schweizer, sie seien bereit, in eine Wohnung mit No-Mix-WC zu ziehen. Sie zeigten sich bereit, ihr Verhalten anzupassen. So müssten sich Männer auch für das "kleine Geschäft" setzen. Allerdings dürfe der Reinigungs- und Wartungsaufwand nicht höher sein als bei herkömmlichen Toiletten.

Die im Urin gelösten Salze können ausfallen und enge Leitungen verstopfen und der Urin muss dorthin gelangen, wo aus ihm Dünger gewonnen werden soll. Die Eawag rät, den Urin dezentral aufzubereiten, um diese Probleme zu umgehen. In einer Pressemitteilung räumt die Eawag ein: "Inwieweit sich der Aufwand für die Einführung der No-Mix-Technologie in der Schweiz oder in anderen Ländern lohnt, wo Kanalisation und Kläranlagen weitgehend ausgebaut sind, muss sich zeigen."

Bonner und Basler Forscher gewinnen Dünger
Senkgrube Lupe
Kein Chemieklo - Chemie macht den Dünger
Der Bonner Agrarwissenschaftler Dr. Joachim Clemens macht aus Urin Kunstdünger. Magnesium kann den Phosphor zu 98 Prozent aus dem Urin ausfällen; das entstehende Struvit (MgNH4PO4) ist ein Dünger ohne Pharmarückstände oder Hormone. Der Kanton Basel-Landschaft trennt Schadstoffe per Elektrodialyse und Ozon aus dem Urin; der so entstehende Dünger schnitt ähnlich gut wie Mineraldünger ab und besser als Gülle oder organischer Handelsdünger. Nährstoffe aus dem menschlichen Urin könnten in der Schweiz mindestens 37 Prozent des Stickstoff- und 20 Prozent des Phosphorbedarfs ersetzen, die heute durch importierten Kunstdünger gedeckt werden. Drei Viertel der Schweizer würden mit Urindünger produziertes Gemüse kaufen. Von den Landwirten halten 57 Prozent den Urindünger für eine gute Idee.

Obwohl Urin nur ein Prozent des Abwasservolumens in Industrienationen ausmacht, enthält er zwischen 50 und 80 Prozent der Nährstoffe im Abwasser. In Kläranlagen werden diese mühsam aufgefangen, da sie sonst Gewässer überdüngen könnten. Die Umweltbehörde der Vereinigten Nationen warnt: "Die Fischbestände werden in Zukunft durch Nährstoffe mehr bedroht als durch Überfischung." Gelangen zu viele Nährstoffe, vor allem Stickstoff und Phosphor, in die Gewässer, führt dies zu übermäßigem Algenwachstum und zu sauerstofffreien Zonen vor allen in küstennahen Meeren. Weltweit werden nur sechs Prozent des Stickstoffs aus dem menschlichen Stoffwechsel in Kläranlagen entfernt, was zudem sehr aufwändig ist. Zudem gelangen 60 bis 70 Prozent eines eingenommenen Medikaments über die Fäkalien ins Abwasser.

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27.02.2001, zuletzt aktualisiert am 19.11.2009 / mp mit Material der Eawag