Ärzte beraten Lupe
Ärzte diskutieren, ob ein Stent wirklich Schlaganfällen vorbeugt
"Vorbeugend besser nicht operieren"
Mediziner bezweifelt Sinn der Carotisstents
"Für Patienten, deren Halsschlagader verengt ist, die aber noch nie eine neurologische Ausfallerscheinung hatten, ist die Operation an der Halsschlagader eine Maßnahme, die nur einen so geringen Vorteil bringt, dass man sich überlegen muss, ob es sinnvoll ist, eine Operation durchzuführen", sagt der Heidelberger Neurologe Prof. Werner Hacke. "Die Operation muss dann mit einer extremen Sicherheit durchgeführt werden, die so in fast keinem Zentrum zu erzielen ist."
In einer Studie untersucht er derzeit Vorbeugung: "Ich könnte mit vorstellen, dass wir herausbekommen, dass man gar nicht zu operieren braucht. Wir wissen nicht, ob eine gute Behandlung mit Medikamenten und eine Raucherentwöhnung für sich alleine genommen nicht genau so effektiv ist." Anders verhalte es sich bei Patienten, die bereits einen Schlaganfall hatten: "Die Patienten haben eine viel bessere Lebensqualität und sie bekommen viel seltener einen neuen Schlaganfall."

Zwei Therapien beugen erneutem Schlaganfall vor
Eingriff Lupe
Ärzte raten nach einen Schlag zum Stent
Nach einem Schlaganfall beugen eine Operation an der Halsschlagader oder eine Stützung dieses verengten Gefäßes mittels Stent einem erneuten Schlaganfall gleichermaßen vor - zumindest in den ersten zwei Jahren. Das ist das Ergebnis der Vergleichsstudie "Space", wie das Universitätsklinikum Heidelberg im September 2008 berichtete. Zwar sei das Risiko, in den ersten 30 Tagen einen weiteren Schlaganfall zu erleiden oder zu sterben, für Stent-Patienten geringfügig höher, sagte Peter Ringleb, Oberarzt an der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg. Jedoch nicht so stark, dass von der Stent-Behandlung generell abzuraten sei.

Ältere Patienten über 70 Jahren hatten der Studie zufolge ein etwas niedrigeres Risiko bei der operativen Behandlung. Patienten unter 70 Jahren hatten ein niedrigeres Risiko bei der Behandlung mit einem Stent. Die Studie zeigt auch, dass zwischen dem fünften Tag nach dem Eingriff und dem Ende des Beobachtungszeitraums von zwei Jahren etwa jeder 50. Patient erneut einen Schlaganfall erlitt - sowohl nach einer Operation als auch nach einer Stent-Behandlung.

Allerdings bildeten sich bei den Stent-Patienten häufiger neue Engstellen der Halsschlagader. Bei elf Prozent der Patienten mit Stent waren zwei Jahre nach dem Eingriff die Gefäße wieder verengt. Das sind doppelt so viele wie bei den operierten Patienten. "Die klinische Bedeutung dieser erneuten Verengungen ist jedoch noch nicht geklärt", sagte Ringleb.

Der Körper gibt Warnsignale bei einem Schlaganfall
  • Vorsicht bei plötzlichen Schwäche- oder Lähmungserscheinungen oder bei Taubheitsgefühlen auf einer Körperseite, meist in Armen oder Beinen.
  • Auch das ein deutlicher Hinweis: plötzlicher Verlust der Sprachfähigkeit oder Schwierigkeiten, den Sinn von Gehörtem zu verstehen.
  • Plötzliche Sehstörungen, vor allem wenn sie einseitig auftreten. Zum Beispiel Farbverlust für wenige Sekunden - oder sogar kurzzeitig völlige Verdunklung, die sich manchmal wie ein Vorhang über das Gesichtsfeld senkt.
  • Auch zur Liste der Warnzeichen gehören Doppelbilder.
  • Plötzlich auftretende heftigste Kopfschmerzen oder starker Drehschwindel und Schwierigkeiten beim Gehen bedeuten Alarmstufe Rot.

Schwerpunkt
Eingriff Schlaganfall: Störungen im Blutfluss des Gehirns
Literatur
Gurm HS et al (2008) Long-Term Results of Carotid Stenting versus Endarterectomy in High-Risk Patient. New Eng J Med 358: 1572 - 1579
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Literatur
Mas JL et al (2008) Endarterectomy Versus Angioplasty in Patients with Symptomatic Severe Carotid Stenosis (EVA-3S) trial: results up to 4 years from a randomised, multicentre trial. Lancet Neurol 7: 885 - 892
Literatur
Eckstein HH et al (2008) Results of the Stent-Protected Angioplasty versus Carotid Endarterectomy (SPACE) study to treat symptomatic stenoses at 2 years: a multinational, prospective, randomised trial. Lancet Neurol 7: 893 - 902
Info
Jährlich erleiden nach Angaben der Universitätsklinik 20,000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, der durch die Verengung einer Halsschlagader verursacht wurde. Ob für diese Patienten eine Gefäßstütze (Stent) oder eine Operation der Halsschlagader besser ist, haben die Mediziner aus 33 Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz an 1214 Patienten untersucht. Die "Space"-Studie (Stentgestützte Angioplastie der Carotis versus Endarteriektomie) startete 2001 und wurde mit 750.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert.
12.06.2009 / mp mit Material von dpa