Bauklötzchen in Schalen Video
Mt dem Spiegel lassen sich Bewegungen üben
Die gesunde Hirnhälfte arbeitet mehr
Das Gehirn lernt mit der Spiegeltherapie um
Nach einem Schlaganfall kann das Gehirn umlernen und die gesunde Hirnhälfte übernimmt Aufgaben der kranken: Schlaganfallpatienten der Uni-Klinik Freiburg trainieren vor einem Spiegel und betrachten die Bewegungen ihrer gesunden Hand. "Man koppelt gewissermaßen die kranke Hand an die gesunde Hirnhälfte", erklärt Prof. Cornelius Weiller von der Neurologischen Universitätsklinik.
Das sei besonders geeignet für Patienten, bei denen das Ausmaß der Schädigung groß ist. Leiden die Schlaganfallspatienten unter schweren Armlähmungen, können sie viele alltägliche Dinge nicht mehr oder nur beschwerlich mit dem noch gesunden Arm meistern. Solche Armlähmungen werden in der Regel physiotherapeutisch behandelt.

Ausgangspunkt für die Spiegeltherapie ist die Tatsache, dass das Gehirn in der Lage ist, sich auch nach schweren Verletzungen wie einem Schlaganfall zu reorganisieren. Dass heißt, dass die Aufgaben, der durch den Schlaganfall abgestorbenen Zellen, von anderen Nervenzellen übernommen werden kann.

Um dieses Potenzial optimal zu nutzen, werden in der neurologischen Rehabilitation verschiedene Therapien angewendet. "Es ist wichtig, schon früh zu wissen, welche Bereiche des Gehirns nach einem Schlaganfall verschont geblieben sind, damit man dem Patienten die optimale Therapie bieten kann", erklärt Weiller. "Das Gehirn heilt sich selbst. Wir wollen diese Selbstheilungsprozesse unterstützen und müssen herausfinden, was die bestmöglichen Selbstheilungsprozesse gerade für diese Patienten sind."

Durch eine optische Täuschung lernen die Patienten um
Lupe
Das neue Erlernen der Bewegung erfordert Geduld
Die Spiegeltherapie setzt auf eine starke visuelle Stimulation zur Bewegungsförderung: Der Patient erledigt mit dem gesunden Arm Aufgaben an einem Tisch, wie etwa Murmeln von einem Gefäß ins andere legen. Dabei betrachtet er sich in einem Spiegel, der direkt vor seinem Oberkörper steht. So entsteht eine optische Täuschung: Der Patient gewinnt den Eindruck, er bewege seinen gelähmten Arm. Diese Illusion scheint bestimmte Hirnareale zu aktivieren, die einen positiven Einfluss auf die Rehabilitation haben. Selbst zehn bis 15 Jahre nach einem Schlaganfall konnte in Untersuchungen gezeigt werden, dass sich Hirngebiete aktivieren lassen.

Eine wichtige Voraussetzung für die Therapie sei allerdings eine hohe Motivation der Patienten. Ein Problem sei, dass viele der Patienten zunächst in eine Depression verfielen. "Das ist verständlich und auch krankheitsspezifisch", so Weiller. "Sie brauchen sehr viel Zuwendung, um diese Hoffnung nicht aufzugeben."

Die Spiegelneurone haben eine wichtige Aufgabe
Im Rahmen einer Studie der Neurologischen Universitätsklinik Freiburg wurde die Wirksamkeit der Spiegeltherapie zunächst bei gesunden, rechtshändigen Probanden untersucht. Es zeigte sich im Vergleich zur Kontrollgruppe ein deutlich besseres Trainingsergebnis der linken nicht trainierten Hand, wenn das Training mit dem Spiegel durchgeführt wurde.

Dabei spielen spezialisierte Nervenzellen, so genannte Spiegelneurone eine wichtige Rolle. "Die Spiegelneurone dienen wahrscheinlich als Mittler, entscheidend ist dabei, dass die gelähmte Hand an die nicht geschädigte Hirnhälfte gekoppelt wird", so Weiller.

Die Spiegelneurone spielen eine Rolle bei der Wahrnehmung und Ausführung von Bewegungen: Sie verknüpfen Beobachtungen oder Geräusche mit der eigentlichen Durchführung von Aktionen. Bereits in den 1990er Jahren stellte der italienische Neurologe Vittorio Gallese fest, dass bestimmte Nervenzellen nicht nur Signale abgeben, wenn sie eine Bewegung veranlassen, sondern auch, wenn das Gehirn sich eine Bewegung nur vorstellt oder beobachtet.

Mit den Spiegelneuronen haben die Hirnforscher auch die physiologische Grundlage des Mitgefühls und der Intuition entdeckt. Die Zellen befinden sich nicht nur in einer Region, sie sind nach ihren Aufgaben im Gehirn verteilt.

Schwerpunkt
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25.05.2009 / jus mit Material desidw