Kohlendioxid sollte in großen Schritten gespart werden
Es sei wichtig, den effektiven Einsparpotenzialen nachzugehen, so Michael Bilharz
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Michael Bilharz vom Umweltbundesamt in Dessau unterscheidet "Big Points" und "Key Points", wenn es darum geht, Kohlendioxid zu sparen. "Big Points" bringen zwar große Einsparungen, doch "Key Points" sind darüber hinaus auch massentauglich. Es gebe "Big Points" um das Klimagas Kohlendioxid zu sparen, die Spaß machen und andere auf die keiner verzichten möchte, "auf Flugreisen möchte niemand verzichten, in kleine Wohnungen möchte niemand einziehen", sagt Bilharz.
Erst aus einem Trend wie der Solarenergie, dem viele folgten, werde ein "Key Point". Der Forscher hat umweltbewusste Mitarbeiter einer Umweltorganisation befragt, wie sie Kohlendioxid sparen. Sie vermuteten, durch kleine Schritte 30 Prozent einzusparen. "Das sind alles Personen, die vieles im Alltag umsetzten, wenn man aber die Gesamtbilanz anschaut, muss man leider feststellen, sie sind Durchschnitt", sagt Bilharz. Die meisten fahren fast genauso viel Auto wie andere, die gar nicht sparen.
"Viele Menschen hängen ganz arg emotional und mit Herzblut in der Sache, machen seit vielen Jahren wichtige Aufklärungsarbeit", meint Bilharz. "Wenn ich jetzt komme mit meinen 'Key Points', verstehen sie das oft als Kritik. Doch Vergangenes ist vergangen, das war gut und wichtig. Wir müssen aber noch mehr erreichen, deswegen brauchen wir neue Wege und müssen noch einen Zahn zulegen. Wir müssen wirklich in die Vollen gehen und können uns nicht weiter um 'Peanuts' kümmern."
Grundsätzlich sei es bei den Kohlendioxid-Einsparungen vor allem wichtig, langfristig zu wirken und anderen Menschen ein positives Beispiel zu geben, sagt Bilharz. Schließlich ließen sich Gewohnheiten nicht so einfach von heute auf morgen ändern. "Sie glauben recht schnell, dass sie besser leben und konsumieren. De facto passiert aber mit Ihrem CO2-Ausstoß wenig", so Bilharz.
Carsharing könnte viel Kohlendioxid einsparen
Bilharz sieht Einsparpotenzial durch Carsharing
Den Vorsatz, weniger Auto zu fahren, hält Bilharz für viele schwer durchzuhalten: "Wer nicht mehr mit dem Auto zum Bäcker fährt, fühlt sich toll. Aber der nächste Besuch bei der 500 Kilometer entfernt lebenden Verwandtschaft macht alle Einsparungen sofort wieder zunichte". Effektiver sei es, ein Drei-Liter-Auto zu fahren oder ganz auf das eigene Auto zu verzichten. Eine probate Alternative sei das Carsharing. Bei einer durchschnittlichen Jahresleitung pro Wagen von 15.000 Kilometern ließe sich die eine Tonne Kohlendioxid einsparen, führe man nur halb so oft mit dem Auto. "Um das mit Energiesparbirnen einzusparen, müsste Ihr ganzes Haus aus Lampen bestehen - das schaffen Sie nicht."
Großes Einsparpotenzial birgt laut Bilharz aber auch der Umstieg auf biologisch produzierte Lebensmittel. Zwar spare noch mehr, wer weniger Fleisch isst. Aber das sei eine "genussfeindliche Fastenregel", die zudem schwer kontrollierbar sei. "Wenn Leute auf die Bioschiene umgestiegen sind, essen sie automatisch weniger Fleisch, weil es zu teuer ist", so der Forscher, der sich in mehreren Veröffentlichungen mit nachhaltigem Konsum beschäftigt hat.
Sinnvoll und lohnend könne es dagegen sein, in erneuerbare Energien zu investieren: "Wer einmal.10 000 Euro in Windkraft investiert, ist auf einen Schlag kohlendioxidneutral." Man neutralisiere den Kohlendioxid-Ausstoß von zwölf Tonnen pro Jahr. "Sie haben eine gute Geldanlage, und Sie unterstützen Unternehmen, die dann wiederum erneut Werbung für den weiteren Ausbau von erneuerbaren Energien machen", so Bilharz. "Das ist strategischer Konsum wie ich ihn verstehe, das sind 'Key Points'". Auch Mieter könnten sich an Solaranlagen oder Windrädern beteiligen. Wer seinen persönlichen Kohlendioxd-Ausstoß senken will, sollte vor allem die Wärmedämmung seines Hauses verbessern. Die Gebäudeisolierung habe dabei herausragende Bedeutung, sagte Bilharz.


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18.03.2009 / jus mit Material der dpa
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