Schulleiter und Manager sollen voneinander lernen
"Partners in Leadership" will den Austausch von Wirtschaft und Bildung fördern
"Wenn es darum geht, Fördermittel zu beschaffen, ein Budget zu verwalten oder auch konkret, ein bauliches Projekt mit Zwischenberichten, Kommunikation oder Einbindung der entsprechenden Behörden abzuwickeln, da kann man die Schulen gut unterstützen", sagt Nicolas Silbermann von der Herlitz PBS AG. Er steht im Rahmen des Programms "Partners in Leadership" der Alt-Lankwitzer Grundschule im Süden Berlins beim Umbau bei.
Schulleitungen müssen nicht nur Wissen vermitteln, sondern den Schülerinnen und Schülern Fähigkeiten und Kompetenzen beibringen, die den Ansprüchen der modernen Informationsgesellschaft standhalten. Auch Managementfähigkeiten, die bislang auf keiner Ausbildungsagenda von Lehrern und Schulleitern standen, sind gefragt. Das Programm "Partners in Leadership" des Berliner Vereins "BildungsCent e. V." will die ehrenamtliche Zusammenarbeit von Führungskräften aus der Wirtschaft und Schulleitern fördern.
Ein gegenseitiges Geben und Nehmen ist das Ziel
Voneinander und miteinander lernen und sich austauschen
"Schulen und insbesondere Schulleiter profitieren von Partnern, die sie bei den erforderlichen Veränderungsprozessen unterstützen", sagt Silke Ramelow, Vorstandsvorsitzende des Vereins. "Die Führungskräfte aus den Unternehmen hingegen erhalten einen tiefen Einblick in die schulische Praxis und entwickeln eine hohe Sensibilität für die tiefgreifenden Veränderungen, denen Schule heute ausgesetzt ist." Im Programm "Partners in Leadership" treffen Rektoren auf Führungskräfte des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG, der Deutschen Bank, Herlitz, Alba, Vodafone oder auch Galeria Kaufhof.
"Bei der Verbesserung des Bildungssystems ist auch die Wirtschaft gefordert", sagt Dr. Joachim Schindler, Vorstandsmitglied von KPMG. "Sie ist es doch, die den Mangel an qualifiziertem Nachwuchs beklagt. Meine persönliche Erfahrung beim 'Partners in Leadership'-Programm zeigt mir, dass Wirtschaft und Schule einander fordern und fördern können."
Mehr als 40 Schulen hatten sich im Sommer 2006 darum beworben, an "Partners in Leadership" teilzunehmen. 27 Berliner und Brandenburger Schulen arbeiten seitdem mit ihren Partnern aus der Wirtschaft an aktuellen schulrelevanten Themen. Für den Zeitraum eines Jahres treten die Führungskräfte aus Schule und Wirtschaft in den Dialog und profitieren dabei gegenseitig vom Know-how des anderen.
Schulleiterin und Bänker arbeiten an der Personalführung
Auch Personalführung will gelernt sein
Schulleiterin Birgit Vogel von der Merian Oberschule in Berlin will gemeinsam mit Andreas Hahne von der Deutschen Bank herausfinden, welche Methoden der Personalführung sich aus dem Wirtschaftsleben auf ihre Schule übertragen lassen. Sie fragt sich etwa wie man eine Kommunikationskultur entwickeln könne, ein Team führt oder Ergebnisse interner und externer Evaluation beurteilt. "Das sind Fragen, die uns nicht von vornherein mit unserer Ausbildung in die Wiege gelegt wurden."
Einmal den Lehrer damit zu konfrontieren, sich selbst zu beurteilen. sei interessant so Hahne. Paradoxerweise müsse ein Lehrer zwar ständig die Schüler beurteilen, doch sei es für ihn neu, sich selbst zu reflektieren. "Ich denke, das ist für diese Schule sehr neu."
Am Programm nehmen alle Schulformen teil: Von Förderschulen über Gymnasien hin zu Oberstufenzentren mit mehreren tausend Schülern. Auch die beteiligten Unternehmen reichen von global agierende Großfirmen hin zu regional verankerten Einzelunternehmern.
Ähnliche Ziel verfolgt die Stiftung "Partner für Schule NRW"
Auch in Nordrhein-Westfalen unterstützen Firmen Schulen
Die Stiftung "Partner für Schule NRW" entwickelt, organisiert, fördert und unterstützt seit ihrer Gründung im Jahre 2003 Projekte und Kooperationen zwischen nordrhein-westfälischen Schulen und Partnern aus der Wirtschaft. Knapp 30 Wirtschaftsunternehmen engagieren sich als Stifter, um die Schulen und Unterricht in Nordrhein-Westfalen voranzutreiben. Auch dabei reicht die Bandbreite der Stifter vom mittelständischen Betrieb bis hin zum weltweit agierenden Großkonzern. Ziel ist es, privatwirtschaftliche Ressourcen und Know-how für die 7000 Schulen des Bundeslandes nutzbar zu machen. Im Vordergrund steht dabei stets ein konkreter Beitrag um die Schul- und Unterrichtsentwicklung zu verbessern.
Seit ihrem Bestehen hat die Stiftung in Kooperation mit Unternehmen und weiteren Partnern 35 Projekte mit einem Gesamtumfang von rund acht Millionen Euro umgesetzt. 4000 nordrhein-westfälische Schulen wurden unterstützt. Schwerpunktthemen von Stiftungsprojekten sind die Förderung des Übergangs von der Schule in den Beruf, der Aufbau von Partnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen, die Lese- und Gesundheitsförderung sowie die Unterstützung des Lernens mit digitalen Medien.
Zum Beispiel unterstützt das Versorgungsunternehmen Gelsenwasser AG im Rahmen des Gelsenwasser-Schulprojekts Schulen in seinem Versorgungsgebiet jährlich mit einer Million Euro. So fördert das Projekt jährlich 400 Schulen in den Bereichen Integration, Selbstlernzentren, Schul- und Unterrichtsentwicklung und dem Übergang von der Schule in den Beruf.
52 Prozent der weiterführenden Schulen haben einen Partner
Netzwerke zwischen Wirtschaft und Schulen
Durch den Aufbau regionaler Strukturen und durch die enge Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren in den Bereichen Schule und Wirtschaft will die Stiftung auch kleinen und mittelständischen Betrieben die Chance geben, sich in Schulen ihres Umfeldes zu engagieren. Mit dem Projekt "Partnerbetriebe für jede Schule in NRW", soll jeder allgemeinbildenden weiterführenden Schule in Nordrhein-Westfalen eine Zusammenarbeit mit einem Partner aus der Wirtschaftswelt ermöglicht werden.
Schulen und Unternehmen erhalten Hilfen zum Aufbau und zur Weiterentwicklung von Partnerschaften. Dies sind außer regionalen Veranstaltungen auch Publikationen, Kontaktbörsen in den einzelnen Regionen sowie die Betreuung einer interaktiven Datenbank, dem Online-Portal "Partnerbetriebe.nrw" Seit das Projekt Ende 2004 gestartet ist, hat ich die Zahl der Schulen mit Partnerschaften von 34 auf 52 Prozent erhöht.
Ministerin Schavan hatte Unterricht von Ingenieuren gefordert
Annette Schavan forderte praxisnahen Unterricht
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte am 23. Februar 2009 gefordert, Unternehmen sollten ihre Top-Mitarbeiter für den Schulunterricht freistellen. Schüler sollten öfter bei echten Ingenieuren Physik oder Mathe pauken. Doch Lehrerverbände sowie die SPD kritisierten den Vorschlag. Auch CDU-Bildungspolitiker merkten an: Den viel beklagten Lehrermangel könnten Ingenieure ohne Pädagogik-Ausbildung wohl kaum reparieren. Dabei wird einem stärkeren Austausch zwischen Firmen und Schulen durchaus Nutzen zugeschrieben, wenn die Bedingungen stimmen.
Ausgerechnet in der Rezession hätten die Firmen genug andere Sorgen, halten Kritiker der CDU-Bildungsministerin entgegen. Und Schulen hätten mehr Schaden als Nutzen von noch so qualifizierten Leuten aus Betrieben, wenn diese nicht das nötige dicke Fell fürs Klassenzimmer mit all seinen Spannungen, Turbulenzen und Problemen mitbringen. Der Verband Bildung und Erziehung sorgt sich sogar um das Wohl von Gastarbeitern in der Schule: Top-Ingenieure könnten als Laien ins offene Messer rennen. Der gemeinsame Nenner der Wirtschafts- und Bildungsverbände: Zum Regelfall im Unterricht sollte der Einsatz von solchen Ersatzlehrern nicht werden.
Engagement der Wirtschaft gehöre längst zum Alltag dazu
Doch angesichts wachsenden Fachkräftemangels gehört das Engagement der Wirtschaft an Schulen längst zur Normalität. Berufsorientierung, Unternehmenspartnerschaften, Wirtschaftsplanspiele - die Formen sind vielfältig. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Firmen ihr Engagement in der Krise nachlassen", sagt Yvonne Kohlmann, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft "Schulewirtschaft", die viele Kontakte fördert. "Gute Leute zu bekommen, bleibt wichtig." Prognosen zufolge werden in den kommenden Jahren zwischen 200.000 und mehr als 400.000 Akademiker fehlen, vor allem Ingenieure und Naturwissenschaftler.
Manchmal werden Leute aus den Unternehmen aber auch dauerhaft Lehrer und stopfen an den Schulen Lücken. "Auch Seiteneinsteigern sollten wir den Weg ins Lehramt nicht verwehren", fordert Unionsbildungsexperte Michael Kretschmer (CDU). "Schüler profitieren davon, weil man mit der Erfahrung die Lehrpläne leicht mit Leben füllen kann", sagt eine 45 Jahre alte Lehrerin einer Münchner Wirtschaftsschule, die jahrelang im mittleren Management eines Mittelständlers war. Allerdings wolle das auch nicht jeder - und könne es schon gar nicht von selbst. "Bei den Formalia, der Didaktik und Pädagogik braucht man deutlich Hilfe", sagt sie.
Die Grenzen sind längst aufgebrochen. Doch Abhilfe für die Probleme der Schulen gibt es nach Expertenansicht viel zu zögerlich. In Einzelfällen bekommen Berufseinsteiger schon Zuschläge, damit sie überhaupt an die Schulen kommen. Problemfächer sind Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik sowie Fremdsprachen - "Tendenz steigend", wie es bei den Gewerkschaften heißt.
Forderungen gegen den Mangel qualifizierter junger Lehrer liegen auf dem Tisch: mehr Abstimmung zwischen den Ländern in der Ausbildung etwa, gezielteres Werben um wirklich lebhafte und an Jugendlichen interessierte Menschen, auch mehr Aufstiegschancen. Am angeblich ach so miesen Lehrer-Image allein kann der Lehrermangel nicht liegen - so schlecht ist der Ruf gar nicht durchgängig. So finden 82 Prozent der Bundesbürger Lehrer laut Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung vertrauenswürdig.

Zum Thema sprechen wir mit Prof. Hans-Günter Rolff vom Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund


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25.02.2009 / Mit Pressematerial des Vereins "Bilungscent e. V." und der Stiftung "Partner für Schule NRW" sowie Material der dpa / jus
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