"Öko- und konventionelles Fleisch sind vergleichbar"
Bioschweine haben jedoch einen höheren Fettgehalt für einen anderen Geschmack
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"Zwischen Öko- und konventionell erzeugten Schweinefleisch gibt es kaum Unterschiede in der Qualität", hat Prof. Horst Brandt vom Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der Universität Gießen in seiner Studie gezeigt. Aber "die Bioschweine haben einen höheren Fettgehalt, der sich positiv auf die Sensorik auswirken sollte." Laut einer Studie Schweizer Wissenschaftler enthalten sie zudem mehr Omega-3-Fettsäuren, die die Gesundheit vor allem des Herz-Kreislauf-Systems fördern sollen.
Obwohl Öko-Landwirte nur einmal Antibiotika geben dürfen, tragen die Tiere nicht mehr Krankheitskeime als konventionell gezogene, hat die Europäische Union ermittelt. "Im Biobereich ist mit weniger Rückständen durch Medikamente und Pestizide zu rechnen", sagt Brandt, "weil in den Futtermitteln weniger eingesetzt werden darf und Medikamente auch teilweise verboten sind."
"Qualitäts- beziehungsweise Haltbarkeitsprobleme" gefunden
Ältere Studien verweisen auf Qualitätsprobleme
"Wissenschaftliche Analysen zeigen, dass Öko-Produkte nicht von sich aus sicherer oder gesünder sind", sagte der Leiter des Instituts für Lebensmittelhygiene der Universität Leipzig, Karsten Fehlhaber. Er forderte, dass objektive Kriterien angelegt werden sollten, um dem Verbraucher sachliche Informationen für dessen Kaufentscheidung zu geben. So habe eine umfassende mikrobiologische, sensorische und chemische Untersuchung von 85 verschiedenen Fleisch- und Wursterzeugnissen bei Öko-Produkten 2005 überdurchschnittlich häufige Qualitäts- beziehungsweise Haltbarkeitsprobleme ergeben.
Festgestellt worden seien zu hohe Gesamtkeimzahlen und Defizite bei Geruch und Geschmack. "Vier Mal höhere Gesamtkeimzahlen bei Schweinefleisch deuten auf Probleme bei der hygienischen Gewinnung von Öko-Fleisch hin", sagte Fehlhaber. Bei Eiern unterschied sich die Gesamtkeimzahl dagegen nicht. Standardisierte Verfahren, fest gefügte Qualitätsstandards und jahrzehntelange Forschungserfahrung machten die konventionellen Lebensmittel äußerst sicher.
Als weiteren Nachteil ökologischer Produktion führte Fehlhaber den höheren Bedarf an Fläche, Futter und Trinkwasser an, da die Öko-Landwirtschaft weniger leistungsfähig sei. "Ein wirklicher ökologischer Effekt kommt nur dann zu Stande, wenn weniger produziert wird", sagte der Wissenschaftler. Nicht bestreiten wollte Fehlhaber aber, dass Öko-Produkte oft besser schmeckten.
Mit moderner Wissenschaft den Biofleisch-Markt erobern
"Biofleisch soll den Markt erobern"
Bis auf fünf Prozent soll der Anteil von Biofleisch am Fleischmarkt wachsen, wenn es nach der Forschungsanstalt für Landwirtschaft geht. Dazu müssten aber die Verbraucher ihr Kaufverhalten ändern: Biofleisch ist den meisten zu teuer, Argumente wie die Tierhaltung interessieren kaum jemanden, für den Käufer zählen Preis, Gesundheit und Geschmack. Genau will Prof. Albert Sundrum von der Uni Kassel ansetzen. "Es soll schmecken und ein Produkt für Gourmets sein."
Das erreiche er, "indem wir auf der einen Seite bestimmte Rassen einsetzen und diese Rassen nach einem bestimmten Plan füttern, so dass wir am Ende ein Produkt bekommen, das sich von der herkömmlichen Massenware absetzt und abhebt." Dazu müsse in den Muskeln auch genug Fett sein. "Für die herkömmliche Erzeugung wird auf einen hohen Muskelfleischanteil gesetzt. Dabei bleibt der Geschmack häufig auf der Strecke."
Der Verbraucher könne diesen Unterschied nicht herausschmecken, weil er ein einheitliches Fleisch mit einem geringen intramuskulären Fettgehalt vorgesetzt bekommet. "Könnte er beides gleichzeitig testen, entschiede er sich größtenteils für das Premiumprodukt und honorierte das sicherlich auch entsprechend."
Freie Haltung und Weidegang im Sommer für Biofleisch
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"Artgerechtes Fleisch heißt Haltung auf Stroh, wir binden die Tiere nicht an, wir erlauben den Weidegang im Sommer und machen die Hörner nicht ab", schildert Hermann Müller, der sich dem Verbund "Neuland" angeschlossen hat. Neuland fördert Betriebe mit höchstens 110 Rindern oder 650 Schweinen. Nur einheimische und gentechnikfreie Futtermittel sind erlaubt. "Wir haben wesentlich geringere Tierarztkosten - es gibt kaum Krankheiten und nur die normalen Impfungen fallen bei uns an."
Der Landwirt, der seine Tiere kennt, transportiert sie selbst oder ist zumindest beim Transport dabei. Dieser darf nicht länger als vier Stunden dauern. Die normalerweise stressanfälligen Tiere zeigen keine Aufregung, Panik oder gar Todesangst. Sie sind vor allem neugierig: Durch die Freilufthaltung sind sie vielen äußeren Einflüssen ausgesetzt und nicht so schreckhaft.
Zur Schlachtung werden die Tiere vereinzelt und müssen nicht den Tod ihrer Artgenossen miterleben. Die Elektrozange betäubt sie, so dass das Tier nichts wahrnimmt. "Bei der artgerechten Schlachtung ist die Betäubung wichtig", sagt Metzgermeister Erwin Heß", denn sie macht bis zu 30 Prozent der Fleischqualität aus." Das Fleisch kostet pro Kilo bis zu zwei Euro mehr.
"Wir gewinnen unser betriebseigenes Futter von unseren Wiesen, die wir im Sommer ernten und füttern jetzt unsere Kühe damit", schildert der Aalener Biobauer Manfred Schmid. "Den Dung bringen im Frühsommer wieder auf die Wiesen aus." Seine Tiere können selbst entscheiden, ob sie auf die Weide wollen.


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Richtige Ernährung ist eine Wissenschaft für sich



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Ab 2009 soll es ein neues EU-Bio-Siegel geben. Innerhalb der EU produzierte Güter und Importe dürfen das neue Zeichen dann tragen, wenn sie zu mindestens 95 Prozent biologisch erzeugt wurden. Die Nutzung gentechnisch veränderter Zutaten bleibt verboten. Es gibt aber eine Toleranzgrenze von 0,9 Prozent für Organismen, die unabsichtlich - etwa durch Pollenflug - genetisch modifiziert werden.


Laut Ökobarometer 2007 kaufen rund 55 Prozent aller Deutschen gelegentlich und jeder Fünfte häufig Lebensmittel, die aus ökologischem Anbau stammen. Mittlerweile macht Biofleisch 1,25 Prozent des Fleischgesamtumsatzes in Deutschland aus.



"Die Tiertransportregelungen reichen nicht weit genug"
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Hintergrund-Informationen

"New research documents high quality and safety of organic food" (PDF) von "Quality Low Input Food"
"Richtlinien - Haltung und Fütterung" von Neuland

07.11.2005, zuletzt aktualisiert am 08.01.2009 / mp mit Material von dpa
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