Forscher
Immer weniger Gletscher am Gletscher: Der Klimawandel schlägt zu
Es wird trocken am Berg
Auf diese Trinkwasser-Reservoire sind sieben Prozent der Menschheit angewiesen
Der Klimawandel und direkte Eingriffe durch den Menschen lassen die Gebirgsketten mit ihren Gletschern weltweit austrocknen.

Besonders betroffen werden Menschen in trockenen Regionen sein, doch auch Länder wie Deutschland oder Holland dürften die Folgen zu spüren bekommen, sagen die 8000 Wissenschaftler und Pädagogen aus aller Welt. Angesichts der erwarteten klimatischen Veränderungen und des berechneten regionalen Bevölkerungswachstums könnte der Anteil der Menschen, die auf Gebirgswasser angewiesen sind, in den nächsten Jahrzehnten auf bis zu 37 Prozent steigen, erwartet der Schweizer Wissenschaftler Daniel Viviroli.


Gletscher häufen Schnee wie ein "Wasserturm" an
Schmelzwasser versorgt ganze Regionen mit Wasser
Besonders in den höheren Regionen der Gebirge gibt es gewöhnlich mehr Niederschläge als im Flachland. In der kalten Jahreszeit fallen sie als Schnee und wirken damit, so Viviroli, wie ein "natürlicher Wasserturm", der das Trinkwasser gleichmäßig wieder abgibt. Selbst während trockener Sommer wird durch die Gletscherschmelze ein Teil als Schmelzwasser abgegeben, die Flüsse bleiben so gefüllt und bewässern stromabwärts gelegene Gegenden. Doch der Klimawandel mit der zunehmenden Erwärmung bringt die Funktion der Gebirge ins Wanken. Nach verschiedenen, in Wien vorgestellten Studien nimmt der Abfluss aus Gebirgen bereits ab.



Österreichische Gletscher schmelzen schneller
Wasserleitung statt Gletscherwasser in den Hütten
Österreichs Gletscher schmelzen nach Untersuchungen des Alpenvereins immer schneller dahin. Der Gletscherschwund habe 2007 den höchsten Wert seit fünf Jahren erreicht, berichtete der österreichische Alpenverein. Alle 93 vermessenen Gletscher seien kleiner geworden, im Durchschnitt um 22,2 Meter. Am stärksten schmolz der Gletscher Weißsee Ferner in den Ötztaler Alpen dahin und zwar um 100 Meter. Nicht nur die Eiszungen der Gletscher ziehen sich zurück, auch die Dicke der Eisberge wird geringer.


Klimawandel ist in Alpen besonders spürbar
Bald sind die Alpen eisfrei
Der Klimawandel und das Abschmelzen der Gletscher gefährden nach Auffassung des deutschen Bundesumweltministeriums die Stabilität der Alpen. Nirgendwo sonst in Deutschland seien die Folgen der Erderwärmung schon heute so deutlich sichtbar wie im Gebirge, warnte Umwelt-Staatssekretär Michael Müller nach einer Informationsreise durch die Alpen. Dort nähmen die Temperaturen der Atmosphäre laut Klimaprognosen bis zum Ende des Jahrhunderts im Vergleich zu dessen Anfang um mehr als vier Grad Celsius zu. Dies sei viel mehr als die weltweit vorhergesagte Erwärmung um zwei bis drei Grad.



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27.10.2008, zuletzt aktualisiert am 16.02.2010 / mp mit Material von dpa