Plastikmüll
Umweltschützer und Forscher sehen immer wieder Vögel durch Plastik verenden
Abfall in der Nordsee gefährdet Vögel
Deutsche Bucht stark von Plastmiküll belastet
Eissturmvögel verletzen sich oft oder werden durch die enthaltenen Chemikalien geschwächt, wenn sie Plastikmüll schlucken.
Teilweise verhungern sie, weil ihr Magen mit Plastik gefüllt ist. Nicht selten sterben sie auch, weil sie sich im Abfall verfangen, wie Nils Guse vom Forschungs- und Technologie-Zentrum Westküste der Universität Kiel erklärt. Es trifft jedoch nicht nur die Vögel: Es sei davon auszugehen, dass alle Meeresbewohner unter dem Müll leiden, betont Guse.
Der Müll im Meer ist für den Meeresbiologen Thilo Maack von Greenpeace "nach wie vor ein riesengroßes Problem", das nicht adäquat angegangen wird. So müssten Schiffe weiterhin für die Müllentsorgung in den Häfen bezahlen. Das könne kein Anreiz für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Problem sein: "Da muss auf jeden Fall etwas getan werden." Erste Schritte für eine Lösung wären Maack zufolge neben der Möglichkeit der kostenfreien Müllentsorgung eine Reduzierung der Verpackungsmaterialien sowie härtere Strafen für Müllsünder. Aus seiner Sicht könnte sich ein Verbot von Plastiktüten als wirksam erweisen. Es liege aber auch an jedem, weniger Müll zu produzieren.
Trotz Schutzmaßnahmen ist die Nordsee immer noch stark mit Müll belastet - gerade im Bereich der deutschen Küste. "Nach unseren Untersuchungen gehört die Deutsche Bucht als Teil der südöstlichen Nordsee zu den am stärksten mit Müll belasteten Regionen in der Nordsee", erklärt Guse. Hochseevögel eigneten sich gut als Indikator für die Meeresverschmutzung, da sie häufig unter den Folgen des Mülls leiden.
Mehr als 180 tote Vögel haben die Forscher entlang der deutschen Nordseeküste seit 2002 gefunden. 93 Prozent hatten Plastikmüll im Magen. Statistisch waren es 29 Partikel pro Tier, 26 davon "Verbraucherplastik", wie etwa Reste von Verpackungsschnüren und Zahnbürsten.
80 Prozent der gefunden Müllteile auf der Insel Mellum waren aus Plastik, Styropor oder Schaumgummi, so die Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft dort. Der Großteil des Mülls ist den Wissenschaftlern zufolge der Schifffahrt und Fischerei zuzuordnen. Die hohe Müllbelastung im Bereich der niederländisch-deutschen Küste stehe im Zusammenhang mit der sehr hohen Intensität des Schiffsverkehrs, sagt Guse. Dabei ist die Nordsee seit 1991 Sondergebiet für Müll. Seitdem darf kein Müll aus dem Schiffsbetrieb eingeleitet werden. "Wir können noch keine große Verbesserung feststellen", sagt Guse, dessen niederländische Kollegen sich schon seit den 1980er Jahren mit dem Thema befassen.
Für die Tourismusbranche ist der angespülte Müll ein Kostenfaktor. "Mit Beginn der Saison setzen wir unser Strandreinigungsgerät ein", erklärt Marketingleiter Herbert Visser von der Insel Norderney. Hier werden die Strände kontinuierlich per Hand und mit dem Fahrzeug gereinigt. Übers Jahr gehe es "um Tonnen" Abfall, die Kosten für die Reinigung stellten "eine erhebliche finanzielle Belastung" dar.
Glossar
Kunststoff
Fast alle Alltagsgegenstände bestehen zumindest teilweise aus Kunststoffen. Der am häufigsten hergestellte Kunststoff ist Polythen, das in Plastiktüten oder Mülltonnen steckt.
Müll im Meer
Ozeane voller Plastik
Vor allem unvergängliches Plastik verschmutzt die Gewässer, wie ein Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep) und der Schutzorganisation "Ocean Conservancy" anklagt.
Ostsee
Atlantik
Pazifik