"Gegen Doping helfen nur Aufklärung und Kontrolle"
Prof. Gerhard Treutlein vom Zentrum für Dopingprävention setzt auf Information
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Die Wissenschaftler um Prof. Gerhard Treutlein vom Heidelberger Zentrum für Dopingprävention setzen auf Aufklärung gegen Doping: "Am Anfang kommen Jugendliche ohne Kontakt mit Medizinern in den Sport", schildert er. "Nach und nach geraten sie in eine Karriere, die mit legalen Mitteln wie Kreatin, Vitaminen und Mineralstoffen beginnt. Dann kommt ein Punkt, an dem sie mental schwach sind wie nach einer Verletzung, wo die Versuchung groß wird, zu illegalen Mitteln und Methoden zu greifen."
Schließlich gebe es ein "negatives Anreizsystem": "Diejenigen, die effektiv etwas gegen Doping tun, sorgen gleichzeitig dafür, dass die bisherigen Leistungen so ohne weiteres nicht mehr erreicht werden - und wer weniger Leistung bringt, bekommt weniger Geld vom Staat und den Sponsoren. Wer für Sauberkeit sorgt, wird bestraft."
Doping-Aufklärung schon in der Schule gefordert
Die Prävention müsse schon in der Schule beginnen, forderte Dirk Clasing, Professor für Sportmedizin an der Universität Münster. Gegen Doping helfen auf Dauer nur Aufklärung und Kontrolle. Es gelte, bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig für eine Sportlerkarriere ohne Medikamente zu werben und sie stark zu machen, sich gegen Beeinflussung zu wehren. Clasing warnte vor einer "Kaskade" der Gewöhnung an vermeintlich leistungssteigernde Substanzen. Das beginne beim Zuckertäfelchen bei den Bundesjugendspielen, das wenig helfe, aber Leistungsfähigkeit suggeriere, gehe mit Energiedrinks weiter und reiche bis zur Einnahme anaboler Wirkstoffe mit 16 oder 17 Jahren.
"Die Eltern sind zum Teil auch nicht ganz unschuldig", sagte der Mediziner. In Deutschland sei das Problem noch nicht so gravierend, doch in Kanada und den USA komme es vor, dass Eltern ihren Kindern anabole Wirkstoffe zum Muskelaufbau verabreichten. Doping sei weitaus gefährlicher als allgemein angenommen.
"Erwachsene bedürfen auch restriktiver Maßnahmen"
So könnten Anabolika zur völligen Umgestaltung der Person führen, zu Unfruchtbarkeit, psychischen Störungen, Thrombosen oder gar Herzinfarkt oder plötzlichem Herztod, warnte Clasing. Lebensbedrohlich könne auch die Einnahme von Amphetaminen unter hoher Belastung bei Hitze, Dehydrierung oder Verletzung sein. Gesundheitliche Folgen seien auch bei Blutdoping mit Infusionen oder Epo-Gaben möglich. "Prävention muss früh anfangen", betonte Clasing. Damit sei aber den Aktiven noch nicht geholfen. Bei den Erwachsenen bedürfe es der Aufklärung und restriktiver Maßnahmen wie Dopingkontrollen.
Beim Test auf Epo sprach sich der Sportmediziner dafür aus, A- und B-Proben gleichzeitig zu analysieren und damit auszuschließen, dass die Substanz sich in der Urinprobe abbaut und möglicherweise nicht mehr nachzuweisen ist, wenn nach Monaten die B-Probe untersucht wird. "So könnte man erheblich mehr positive Fälle finden", vermutete er.
Clasing wies darauf hin, dass das Verschreiben von Arzneimitteln zu Dopingzwecken ein Straftatbestand ist und dass die Weltorganisation gegen Doping (WADA) sämtliche verbotenen Wirkstoffe und Methoden auflistet. "Für Ärztinnen und Ärzte, die Sportler behandeln und beraten, ist die Kenntnis des WADA-Codes, der jährlich herausgegebenen Liste sowie des Arzneimittelgesetzes unabdingbar."


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14.07.2008 / mp mit Material von ap
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