Miguel Nicolelis will Brasiliens "Brain Drain" stoppen
"Harvesting Human Ressources" setzt in drei Stufen auf akademische Ausbildung
Der Neurowissenschaftler Prof. Miguel Nicolelis will in seinem Heimatland Brasilien durch das Projekt "Harvesting Human Ressources" den "Brain Drain" stoppen: Die meisten brasilianischen Wissenschaftler und Studenten studieren und arbeiten im Ausland, wenn sie auf internationaler Ebene mithalten wollen. Eine Million Studenten sollen an 354 neuen Hochschulen analog der deutschen Max-Planck-Gesellschaft wirken und dem Land sein akademisches Potenzial erhalten.
2006 hat er mit dem Internationalen Institut für Neurowissenschaften Natal (IINN) und einigen Schulen den Anfang in Rio Grande de Norte gemacht, dem unterentwickeltsten Staat Brasiliens. "Wissen zu produzieren ist die erste Ebene", erläutert Nicolelis das Projekt. "Wir bauen ein international vernetztes neurowissenschaftliches Institut auf, in dem wir Wissen und Technologien generieren, um in der weltweiten biomedizinischen Forschung mithalten zu können.
Seine Studenten unterrichten abends Kinder aus der Favela, die vor zwei Jahren kaum lesen und schreiben konnten. Sie besuchen die öffentliche Halbtagssschule, wo sie einen geregelten Tagesablauf lernen, aber im Unterricht ist Eigeninitiative nicht gefragt. In Nicolelis' beiden Wissensinseln der zweiten Ebene lernen sie dagegen spielerisch in Laboren und Werkstätten: "Sie lernen Geometrie, Physik und Mechanik, wenn sie ein Spielzeug bauen. Zum ersten Mal im Leben haben die Kinder sich in der Schule mit intelligenten Fragen gemeldet, die der Lehrer nicht mehr beantworten konnte."
Damit die Kinder ihr geistiges Potenzial entwickeln können, hat er ein Frauenspital eröffnet, in dem die Frauen vor und nach der Geburt intensiv betreut werden. "Zur zweiten Ebene gehört auch, die Mütter zurück in die Schule zu schicken und in ein Gesundheitswesen einzubinden, das den Müttern erlaubt, sogar für ihre Kinder zu sorgen, bevor sie überhaupt geboren sind", erläutert der Neurowissenschaftler.
"Nach der Geburt werden diese Babys sofort zusammen mit ihren Müttern in unsere Schule aufgenommen, um eine in Brasilien bislang ungekannte gesundheitliche Vorsorge und neurologische Entwicklung zu erlernen. Damit können wir der Gesellschaft die Idee vermitteln, dass Schulung sogar vor der Geburt beginnt!" In Nicolelis' "dritter Ebene" soll die Initiative sich selbst erhalten. Der Staat Brasilien hat Bauland und die Hälfte der Geldmittel dafür zugesichert.

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03.04.2008 / mp
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