Labor
An Medikamenten gegen seltene Krankheiten wird kaum geforscht
Medikamente fehlen
Vier Millionen Deutsche leiden an seltener Krankheit
An einem Leukozytenadhäsionsdefekt sind weltweit nur vier Kinder erkrankt. Normalerweise sterben sie bereits im Kleinkindalter an Infektionen.
Ihre Abwehrzellen im Blut funktionieren aufgrund eines Fehlers an der Oberfläche nicht richtig. Prof. Thorsten Marquardt vom Universitätsklinikum Münster hat herausgefunden, dass der Zuckerbaustein Fukose den Defekt der Blutzellen beheben und betroffene Kinder geheilt werden können.

Bislang sind 8000 seltene Krankheiten bekannt
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Vier Millionen Deutsche leiden an einer seltenen Krankheit
Eine Krankheit gilt als selten, wenn weniger als einer von 2000 Menschen von ihr betroffen ist. Allein in Deutschland leiden vier Millionen Menschen unter solch einer seltenen Krankheit. 8000 solcher Erkrankungen sind bislang bekannt. Deutschland will bei der Forschung über seltene Krankheiten stärker mit anderen Ländern zusammenarbeiten. Bei einigen Krankheiten gebe es pro Land nur wenige hundert Betroffene. Deshalb sei es hilfreich, wenn sich Mediziner länderübergreifend über Krankheitsverläufe und Behandlungserfolge austauschen könnten, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) bei der Vorstellung des Netzwerks "E-Rare" im November 2007. Die sechs beteiligten Länder hätten vereinbart, das Netzwerk drei Jahre lang mit insgesamt 12,8 Millionen Euro zu fördern.

Viele Patienten machten die Erfahrung, "dass ihre seltene Erkrankung noch nicht richtig erforscht ist und es keine Medikamente gibt", sagt Eva Luise Köhler, Schirmherrin der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen. Deshalb sei die internationale Kooperation von Forschern und Ärzten besonders wichtig. Zu dem Netzwerk gehören Deutschland, Frankreich, Israel, Italien, Spanien und die Türkei. Anfang 2008 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) angekündigt, in den folgenden zwölf Jahren Forschungsnetzwerke im Bereich der seltenen Krankheiten mit 80 Millionen Euro zu fördern.

Seltene Tumoren befallen 150 Kinder pro Jahr
Das BMBF und die deutsche Krebshilfe fördern seit 2001 die Untersuchung des Neuroblastoms, Tumoren, die das Gehirn von 150 Kindern in Deutschland pro Jahr befallen. "Das Problem beim Neuroblastom ist die Heterogenität des Tumors", schildert der Kölner Kinderonkologe Matthias Fischer. "Wir haben auf der einen Seite sehr aggressive Verläufe. Diese Kinder haben trotz intensivster Therapiebemühungen eine schlechte Prognose. Auf der anderen Seite haben wir Tumoren, die spontan verschwinden. Diese beiden Tumor-Subtypen muss man zum Zeitpunkt der Diagnose unterscheiden, um die richtige Therapie zu wählen." Im fortgeschrittenen Stadium lägen die Heilungschancen trotz Chemotherapie nur bei 20 bis 30 Prozent.




Einige seltene Krankheiten
Muskoviszidose Unter dem Gendefekt leidet einer von 8000 Menschen. Körpersekrete können nicht aufgelöst werden, zäher Schleim blockiert die Bronchien und die Lunge verschleimt immer weiter.
Morbus Whipple Ein seltenes Bakterium befällt den Körper, setzt den Dünndarm außer Gefecht und führt zu entzündeten Gelenken. Einer von 500.000 Menschen ist betroffen.
Kongenitaler Glykosylierungs-Defekt CDG Typ 1i Enzymdefekt, der zu entstellten Augen und schweren Sehstörungen führt. Bislang ist ein Mensch in Europa betroffen.

Gast
VideoZum Thema sprachen wir am 20. April 2010 mit dem Pharmakologen Dr. Andreas Reimann
Info
Informationen zu den Förderprogrammen für die Forschung zu seltenen Krankheiten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
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