Roman und die Quantenphysik kennen Paralleluniversen
Die "Science" in der "Fiction": der Roman "Weltengänger" von Sergej Lukianienko
In Sergej Lukianienkos Roman "Weltengänger" stellt der Protagonist Kyrill fest, dass er von einer Parallelwelt verdrängt wird. Physiker schließen parallele Welten nicht aus. "Die Viele-Welten-Theorie ist eine Interpretation der Standard-Quantentheorie", sagt Prof. Gerhard Remke vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik. Je nachdem, wie sich ein Quantenteilchen "entscheide", geht die Welt unterschiedliche Wege. Quanten verhalten sich nicht, wie wir es von Gegenständen in unserer normalen Welt kennen.
Sie nehmen verschiedene Zustände gleichzeitig ein - bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie beobachtet werden. Dann springen die Teilchen in einen bestimmten Zustand. Die Wellenfunktion kollabiert sagen Physiker. Dass sich auch Elektronen als Wellen oder Teilchen verhalten können - je nach Beobachtung -, wird oft in der Weise erläutert, dass beim Beobachten die Wellenfunktion zusammenbricht.
Die Quantenphysik hat keinen Bobachter sondern etwas ganz Verrücktes: Den Kollaps der Wellenfunktion. "Ein System entscheidet sich plötzlich für eine von ganz vielen Möglichkeiten", schildert Rempe. "Wenn das kleine mikroskopische System viele Möglichkeiten hat, stehen auch dem Beobachter viele Möglichkeiten offen, und der Beobachter verschränkt sich jetzt quasi mit dem mikroskopischen System." Andererseits kann das auch einfach dadurch erklärt werden, dass ein Elektron keines von beidem ist, sondern das Paradoxon nur dadurch entsteht, dass wir es "mit Gewalt" in ein uns bekanntes Konzept zwingen wollen.
Diese Paradoxien wurden besonders bekannt durch "Schrödingers Katze", einem Gedankenexperiment. Hierbei sperrt man eine Katze in einen Käfig, in der sich eine Probe giftigen Gases befindet. Das wird freigesetzt, wenn in einer Uranprobe ein Atomkern zerfällt. Das ist ein quantenmechanisches Ereignis - so lange man also nicht in den Kasten sieht, ist der Atomkern weder zerfallen noch intakt, sondern in einem seltsamen Zwischending.
Zerfallen oder nicht ist der Atomkern erst in dem Augenblick, in dem man hinsieht, und somit die Wellenfunktion zusammenbricht, das quantenmechanische Etwas sich also "entscheiden muss". Die Konsequenz dieses Gedankenexperiments ist, dass damit auch die Katze in einem undefinierten Etwas zwischen Leben und Tod sein muss, bis man hinguckt. "Das Problem ist, dass die Quantenphysik sehr erfolgreich ist", so Rempe. "Sie beschreibt alle Vorgänge, die wir bisher beobachtet haben, es gibt keinen Widerspruch zwischen Experiment und Theorie."
Im Roman ist gar der Übergang von einer Parallelwelt in die nächste möglich. Kyrill wird eine Art Wächter zwischen den unterschiedlichen Welten. Auf seltsamen Pfaden erhält er Botschaften, die ihn zu einem mysteriösen Turm locken. Er folgt den Hinweisen, in der Hoffnung, eine Lösung für das Rätsel zu finden, das seine Existenz umgibt.
Im Turm findet Kyrill die Ursprünge dieser Kraft. Kyrill begegnet Wesen aus anderen Welten, die uns sehr ähnlich scheinen, die uns aber weit voraus sind. Kyrill erkennt am Ende, dass die Menschheit manipuliert wird. Er stellt sich den Bewohnern der Parallelwelt, die die Erde zu ihrem Labor gemacht hat.


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Die "Science" in der "Fiction" in Literatur und Film


Sergej Lukianenko
Weltengänger
Verlag: Heyne
ISBN 978-3-453-52349-4

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26.02.2008 / mp
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