In Budapest wächst das erste Nashornbaby aus dem Eis
"Ice, Frozen oder Cool" soll es heißen, wenn es November 2008 zur Welt kommt
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Im Budapester Zoo reift das erste Breitmaul-Nashornbaby aus dem Eis heran. Muttertier Lulu ist künstlich besamt worden mit aufgetautem Bullen-Sperma, das zuvor drei Jahre lang bei minus 196 Grad in flüssigem Stickstoff tiefgefroren gelagert worden war, berichtet ein Forscherteam des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Das bereits in Budapest lebende Nashornbaby Layla war ebenfalls als Ergebnis einer künstlichen Besamung von Mutter Lulu im Januar 2007 zur Welt gekommen.
Bei ihrem schwierigen Handwerk zur Rettung der extrem vom Aussterben bedrohten Art haben sich die Spezialisten Thomas Hildebrandt und Robert Hermes ihren Humor bewahrt: "Ice, Frozen oder Cool" soll das Nashornbaby heißen, wenn es im November 2008 zur Welt kommt.
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Dieser Erfolg war gelungen mit dem Einsatz von normalem, nicht tiefgefrorenem Sperma des ebenfalls im Budapester Zoo lebenden Bullen Easy Boy. "Wenn ein Spermium eingelagert ist, lebt es noch 3000 Jahre", sagt Tiermediziner Hildebrandt. "Wir können Tiere der freien Wildbahn nutzen, um Sperma zu gewinnen, das wir dann in Zoos und andere Institutionen weiter transportieren." Das Junge wälzt sich vor begeistertem Publikum vergnügt im Sand und Dreck und hat schon ein Gewicht von mehr als 400 Kilogramm. "Es ist so beliebt wie Eisbär Knut in Berlin", berichtete Hildebrandt von seinem jüngsten Ungarn-Besuch.
Die nun erneut mit menschlicher Hilfe erzeugte Trächtigkeit von Lulu gewinnt im Kampf um das Überleben der Art große Bedeutung, weil in diesem Fall der mit 38 Jahren hoch betagte Bulle Simba im Zoo des britischen Colchester gut 1740 Kilometer entfernt vom jetzigen Ort des Geschehens lebt. Erstmals könne nun neues Erbmaterial in die Nashornzucht eingebracht werden, ohne dass die Tiere dazu, unter ständiger Lebensgefahr, transportiert werden müssen, sagte Hildebrandt.
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Selbst nach dem Tod eines Bullen, etwa durch Wilderer, wäre es dann möglich, die Gefrierspermien für die weitere Nachzucht zu nutzen. "Nun steht fest, dass Spermien dieser seltenen Tiere in der Wildbahn entnommen und mit Erfolg tiefgefroren werden können", sagte Robert Hermes in Berlin. Lulu ist den Untersuchungen zufolge im vierten Monat trächtig. Der Nachwuchs sei gut entwickelt und habe bereits eine Länge von etwa 15 Zentimetern. Das Berliner Forscherteam hat schon seit einigen Jahren das komplizierte Verfahren zur Erhaltung der Breitmaulnashörner entwickelt.
Von den besonders bedrohten nördlichen Breitmaulnashörnern leben in Zoos nur noch acht Tiere, in der afrikanischen Wildnis gibt es ebenfalls nur noch sehr wenige Exemplare. Nashornmutter Lulu in Budapest gehört der Art der südlichen Breitmaulnashörner an, von denen es laut Hildebrandt noch etwa 12.000 Tiere gibt.
Ziel der Wissenschaftler ist es nun, von den wenigen überlebenden nördlichen Breitmaulnashörnern Sperma zu gewinnen. Dafür erfanden die Forscher eine schonende Form der Narkotisierung. Der Eingriff bei der Besamung ist besonders schwierig, da der Genitaltrakt der weiblichen Nashörner mit 1,5 Metern extrem lang ist. Zudem weist der Gebärmutterhals starke Falten auf. Auch für die Überwindung dieser Probleme haben die Berliner Leibniz-Forscher eine spezielle und weltweit einmalige Methode erfunden, hieß es vom Institut.

Zum Thema sprechen wir mit Siegfried Kämper vom Landestierschutzverband Hessen e.V.

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15.01.2008 / mp mit Material von dpa
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