Tom Kaden baut das höchste Holzhaus der Welt in Berlin
Verbund aus Stahl, Holz und Beton macht große Räume ohne Stützpfeiler möglich
Im Berliner Prenzlauer Berg entsteht das höchste Holzhaus der Welt. Mit sieben Geschossen hast es zwei mehr, als die Berliner Bauverordnung im Grunde erlaubt, weiß Architekt und Bauherr Tom Kaden: "Da wir uns hier mit dem Gebäude außerhalb des Berliner Baurechts bewegen, mussten wir zwei Genehmigungen im Einzelfall erzielen", so Kaden. Zum einen waren die Holzaußenwände und -stützen mit feuerfesten Platten verpacken. Als zweites kamen die Decken als Mischkonstruktion aus Holz und Beton hinzu.
Der Verbund aus Stahl, Holz und Beton trägt so gut, dass im Gebäude große Räume ohne Stützpfeiler möglich sind. Doch der Statiker verlangt, dass die Stahlknotenverbindungen und Versteifungen bis auf 0,3 Millimeter passen. "Das kleinste Bauteil ist eine Stütze von 36 mal 36 Zentimetern, die man von Hand nicht bewegen kann", weiß Kaden. "Wenn man so eine Stütze mit einem Riegel verbinden will bei einer Toleranz von 0,3 Millimetern, flucht schon mal der, der es ausbaden muss."
Anders als früher bei Fachwerkhäusern dürfen die Balken sich nicht verbiegen. Das Holz ist in Schichten verleimt, um innere Spannungen auszugleichen. Jede Woche entsteht ein neues Stockwerk. "Die Montagezeiten haben sich immer weiter verkürzt", erinnert sich Architekt Tom Klingbeil. Am Ende merke auch die ausführende Firma: "Solche Pilotprojekte lassen sich auch realisieren!" Gebremst hat nur das Treppenhaus als doppelt sicherer Fluchtweg. Es ist vom Gebäude getrennt und nicht aus Holz. Das Bauwerk hat den Brandschutzpreis 2006 erhalten.
"Wir brauchen für dieses Haus nur noch relativ wenig Input an Heizung", schildert Kaden. "Das Haus wird über eine Fernwärmeleitung beheizt, die sich zu 80 Prozent aus Abwärme der Kraft-Wärme-Kopplung generiert, die restlichen 20 Prozent stammen aus regenerativen Energieformen." Kaden rechnet mit 300 Euro Heizkosten pro Jahr.
In Deutschland werden immer mehr Häuser aus Holz gebaut
Mit steigenden Energiepreisen gewinnt das Holzhaus in Deutschland immer mehr Anhänger: 2006 wurden von den 169.000 neuen Gebäuden bereits 23.000 und damit rund jedes siebte Haus überwiegend aus Holz gebaut, wie die Messe Hannover anlässlich der Ausstellung für Forst- und Holzwirtschaft mitteilen. Den größten Anteil hätten dabei Einfamilienhäuser, die meisten davon in Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz. Beim Bau von Werkshallen, Sportstätten oder Schulen dominiere Bayern vor Baden-Württemberg. Aber auch in Schleswig-Holstein werde mehr als jedes fünfte gewerbliche oder öffentliche Gebäude aus Holz errichtet.
Neben der schnellen Bauweise trügen vor allem die Möglichkeiten zur Energieeinsparung zum Holzhaus-Boom bei, hieß es. Der Rohstoff eigne sich besonders für Niedrigenergie- und Passivhäuser, da Holz weniger Wärme nach außen abgebe als andere Baustoffe. Für Deutschland nicht so bedeutsam, aber wichtig für den Export sei auch die Erdbebensicherheit von Holzhäusern.
Zum anderen hätten sich auch immer mehr Architekten mit der Materie beschäftigt, weshalb das Holzhaus sein Landhaus-Image abgelegt habe. Zudem sei es dank der höheren Tragfähigkeit inzwischen möglich, Häuser mit bis zu fünf oder sechs Wohnetagen aus dem nachwachsenden Rohstoff zu bauen. Noch vor wenigen Jahren seien Holzhäuser in dieser Größenordnung unvorstellbar gewesen.


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Das Projekt "Holzwende 2020plus" will Versuche fördern, das Potenzial unserer Wälder nachhaltig und vielfältig zu nutzen, indem dem uralten Material Holz vielseitige neue Anwendungsmöglichkeiten besonders beim Bauen eröffnet werden. Beteiligt sind das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH, Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung und das Steinbeis-Forschungs-Institut Nachwachsende Rohstoffe.

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08.01.2008 / mp mit Material von afp
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