Enge und Strömungen machen den Bosporus gefährlich
45.000 Schiffe passieren jährlich die Meerenge zwischen Europa und Kleinasien
Die Tunnelbaustelle durch den Bosporus ist eine besondere Herausforderung für die Verkehrslotsen der Region, sagt Lotse Cahit Istikbal vom "Vessel Traffic Service": "Der Bagger steht an einer Stelle, an der der Bosporus nur 400 Meter breit ist. Aufpassen ist der einzige Weg, den Bagger zu schützen - auf See gibt es keine andere Möglichkeit." Am Nordende der Meerenge drängen sich mehr als 100 Schiffe in einer Warteschlange. Sie alle wollen den Bosporus rasch passieren.
Der Bosporus in Istanbul ist eine der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt und wegen seiner Strömungen gefürchtet. Engstellen und ungewöhnliche wechselnde Wasserströmungen bringen selbst mächtige Ozeanriesen vom Kurs ab wie 2005 einen Tanker, wie sich Istikbal erinnert: "Damals wollte der Tanker den Kurs nach rechts in Richtung Steuerbordseite ändern. Aber das klappte nicht, denn starker Wind und die Strömung hinderten ihn daran."
So konnte das Schiff sich nicht in die Richtung eindrehen und den Kurs ändern. "Es fuhr einfach weiter geradeaus direkt auf die Küste zu. Erst als der Kapitän alle Anker warf, blieb das Schiff nur zehn Meter vom Ufer entfernt stehen." Am 28. November 2006 stieß ein 130 Meter langer Frachter mit dem Bagger zusammen. Zwar bemerkten die Lotsen, als er seinen Kurs verließ, und funkten ihn an, doch der Unfall war unvermeidlich.
Türkische dürfen Behörden den Schiffsverkehr je nach den Strömungsverhältnissen im Bosporus und den Dardanellen zeitweise ganz stoppen oder nur eine begrenzte Zahl von Schiffen passieren lassen. Außerdem kann jedes Schiff aus rechtlichen Gründen gestoppt oder die Beschäftigung einheimischer Lotsen angeordnet werden. Die Behörden können auch frühere und ausführlichere Informationen über die Fracht verlangen.
Jährlich passieren die Meerenge zwischen Europa und Kleinasien 45.000 Schiffe. Dabei kam es in den vergangenen 50 Jahren im Bosporus zu rund 500 Schiffsunfällen - mit Toten und der Verschmutzung der Gewässer, sagen Umweltschützer.

Sehen Sie die Hitec-Dokumentation "Gegen den Strom - der Bosporus-Tunnel" in der ZDF-Mediathek

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19.12.2007 / mp mit Material von dpa und ap
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