Kraftwerke verhindern die Rückkehr der Lachse
Wanderfische können sich aufgrund der Staustufen derzeit nicht wieder ansiedeln
Als 1995 wieder der erste Lachs aus dem Rhein gezogen wurde, sah man das als Beweis , dass der Rhein wieder sauber war und eine Wiederansiedlung der Lachse möglich sein könnte. Von dieser Hoffnung musste man sich verabschieden, denn den Lachsen, die immer an ihrem Geburtsort laichen wollen, war es aufgrund der Staustufen in den neun Kraftwerken nicht möglich, nach Hause zurückzukommen. Die für die Wiederansiedlung benötigten Fischtreppen sind den Betreibern zu teuer.
Weil man in der Schweiz aber die Rheinzuflüsse kosten- und zeitintensiv renaturiert hat und auf die Rückkehr der Lachse setzt, droht nun der Konflikt. Noch vor hundert Jahren waren Rheinlachse beliebte und preiswerte Nahrung für die angrenzende Bevölkerung. Der Fisch wurde auch als Brotfisch bezeichnet, weil es ihn in einer so großen Menge gab. Exemplare von bis zu 25 Kilo wurden aus dem Wasser gezogen. "Der Rhein war nicht nur irgendein Lachsgewässer sondern das Lachsgewässer in Europa!", so Gewässerkundler Jörg Lange.
"Bis zu 300.000 Lachse wurden im vergangenen Jahrhundert beobachtet, gefangen und auch verzehrt. Zum Teil war der Rhein das wichtigste Lachsgewässer in ganz Europa. Und deswegen fordern die Umweltverbände auch, dass er dort wieder heimisch wird", so Lange weiter. Mit dem selben Ziel vor Augen wurde vor zwanzig Jahren das Aktionsprogramm Lachs 2000 ins Leben gerufen. Weil man in der Schweiz bereits seine Hausaufgaben gemacht hat, kann man dort die Rückkehr der Lachse gar nicht mehr abwarten. Da die Tiere aber trotz allem ausbleiben, setzt man seit 1994 Lachse in der Sieg und in der Ahr Junglachse aus. Die Bemühungen griffen derart, dass die erwachsenen Lachse nach ihrer Wanderung wieder in ihre Heimat zurückkehren.
Das sieht für die anderen Heimkehrer aus dem Polarmeer anders aus. Sie haben beispielsweise das Haringsvliet in Holland zu überwinden und mussten an irischen und niederländischen Fischern vorbei. Derzeit ist der Weg für die Lachse so lange frei, bis das erste der französischen Staustufen-Kraftwerke am Oberrhein auftaucht. Bislang bieten nur Iffezheim und Gambsheim eine Fischtreppe an, die es den Fischen ermöglicht, das Kraftwerk zu umschwimmen. Bei den Staustufen südlich von Straßburg gibt es für die Lachse allerdings kein Durchkommen.
Zehn Millionen Euro kostete die Fischtreppe bei Gambsheim. Doch obwohl die Kosten von zehn Millionen Euro zwischen Frankreich und Deutschland aufgeteilt wurden, will man von Seiten der Kraftwerksbetreiber vorerst nicht mehr so gerne viel dafür ausgeben. "Für die Elektrizitätswerke,die schon seit Jahren Millionen Gewinne machen, sollte es möglich sein, auch was für den Lachs übrig zu haben“, meint Gewässekundler Jörg Lange. Doch die Kraftwerksbetreiber sehen die Wiederansiedlung des Lachses nicht als Kerngeschäft an. "Wir sind Kraftwerkbetreiber. Wir sind Betreiber von den Schleusen. Wir müssen Hochwasser abführen und wir müssen sauberen Strom produzieren, erneuerbaren Strom. Das ist unsere Hauptpflicht", meint Joseph Schittly, Projektleiter des französischen Stromkonzerns EDF.
Etwas mehr Engagement für den Lachs gerade oberhalb von Strassburg könnte aber von Vorteil sein, denn dort bieten die Altrheinarme jede Menge Komfort für den Fisch. Doch der Sprecher der EDF sieht die Verantwortung dafür eher bei den französischen und deutschen Behörden und verweist darauf, dass die Konzessionen für die meisten Kraftwerke erst in einigen Jahren auslaufend bis dahin nichts gemacht werden muss.
In der Schweiz aber gibt es genau für diese Fälle ein Gesetz, dass während einer Konzessionierung mit staatlichen Geldern unterstützt, damit Probleme vor Ablauf einer Konzession gelöst werden können. Momentan sollen bestenfalls zwei weitere Staustufen mit Fischtreppen versehen werden. Die Idee der französischen Kraftwerksbetreiber, die Lachse an den Staustufen einfach abzufischen und mit dem Lastwagen flussaufwärts zu transportieren, stößt bei den Naturschützern derzeit noch auf wenig Gegenliebe.
Lachse im Rhein beim WDR
Rheinlachse beim WDR
Programm für Wanderfische im Rheinsystem bei der Schweizerischen Eidgenossenschaft (PDFf)
Freie Bahn für Lachse bei der Tageszeitung

Lachs noch nicht heimisch im Rhein
Fischsterben durch Wasserkraft
Rhein soll für Lachse zugänglicher gemacht machen
Rhein hat sich nach Sandoz wieder belebt - aber anders
Lebensraum am Rhein
Der Wanderfisch Nordseeschnäpel ist wieder im Rhein
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Der Rhein ist (fast) sauber

mm
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