"Mehr als 50 Prozent der Migranten bleiben in Afrika"
Die 50 ärmsten Länder leiden unter der Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte
"Heute noch spielt sich mehr als 50 Prozent der Migration innerhalb des afrikanischen Kontinents ab", sagt Migrationsforscher Papa Demba Fall von der Universität Dakar. "Die Migration in Richtung Europa ist ein marginales Problem, auch wenn dieses Thema am häufigsten auftaucht." "Man müsse begreifen, dass es nicht notwendig ist, nach Europa zu gehen, um Erfolg zu haben, sagt Abdoul Karim Kabele, Mitglied der Guineeischen Jugendorganisation für demokratischen Wandel und Wohlstand (AJGADEP).
"Dieses 'brain drain' ist nicht notwendig. Die Intellektuellen müssen in Afrika bleiben und für Afrika arbeiten, damit es hier vorangeht, denn die Europäer werden nicht kommen und Afrika für uns aufbauen", so Kabele. Die 50 ärmsten Länder leiden nach Angaben der Vereinten Nationen massiv unter der Abwanderung hoch qualifizierter Arbeitskräfte.
Allein 2004 habe rund eine Million Wissenschaftler, Ingenieure und Mediziner den ärmsten Staaten den Rücken gekehrt, teilte die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) mit. Damit seien rund 15 Prozent der Männer und Frauen mit höherer Bildung in reichere Nationen ausgewandert. Insgesamt verfügen den Angaben zufolge rund 6,6 Millionen Menschen in den 50 ärmsten Ländern über eine akademische Bildung. Die Staaten Haiti, Kap Verde, Samoa, Gambia und Somalia verloren in den vergangenen Jahren mehr als die Hälfte ihrer Spezialisten.
Die stärkste Abwanderung von hoch Qualifizierten wurde in politisch instabilen Staaten registriert. Viele Einwanderer gehen in den Senegal, weil er eine Demokratie ist. Die politische Situation ist relativ stabil, die verschiedenen Ethnien und Religionsgemeinschaften leben hier friedlich nebeneinander. Und der Staat kontrolliert die Einwanderung nicht.
Für die ärmsten Länder habe dieser Verlust an "Humankapital" verheerende Folgen, warnte die UNCTAD. Die Wirtschaft, das Bildungs- und das Gesundheitssystem könnten sich nicht richtig entwickeln. Andererseits seien die Geldsendungen der Migranten in die Heimat eine wichtige Einnahmequelle für ihre Familien. So seien die Devisenzuflüsse durch Überweisungen von Auswanderern in Bangladesch, Kap Verde, Lesotho, Samoa, Senegal und Uganda in den vergangenen Jahren höher ausgefallen als die Exporterlöse. Die Migranten suchen vor allem eine bessere Bezahlung.
Die Gehälter fallen laut UNCTAD in den reichen Ländern in einigen Berufen 20 Mal höher aus als in den ärmsten Staaten. Zudem lockten die Aufstiegsmöglichkeiten und die politische Stabilität der wohlhabenden Nationen. Die Industriestaaten rekrutierten aber auch aktiv Experten aus den ärmsten Ländern, um ihren Mangel an Fachkräften auszugleichen.
Zehntausende Afrikaner versuchen jedes Jahr, nach Europa zu kommen. In kaum seetauglichen Booten bemühen sie sich, vor allem die südlichen Inseln Spaniens im Atlantik oder Italiens im Mittelmeer zu erreichen. Schätzungen von Menschenrechtsgruppen zufolge kommen dabei jedes Jahr Tausende ums Leben. "Sie sagen sich: Man ist doch schon tot, sozial tot, weil man nichts hat", sagt Migrationsforscher Dr. Fall. "Wenn man keinen Status hat, keine Arbeit findet, dann existiert man nicht. Und wenn man nicht existiert, ist man sowieso schon tot." Gründe für die Abwanderung sind:
Die afrikanische Bevölkerung wächst schnell und die wirtschaftliche Entwicklung hält nicht Schritt damit. 1950 lebten 221 Millionen auf dem Kontinent, heute sind es rund 800 Millionen. Dies sind 13,5 Prozent der Weltbevölkerung.
2001 mussten 46 Prozent der Menschen südlich der Sahara mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen. In diesem Teil des Kontinents sind 44 Prozent der Bevölkerung jünger als 15 Jahre.
Der Kontinent leidet unter massiven Umweltproblemen, tödlichen Seuchen wie der Immunschwächekrankheit Aids, zahlreichen gewaltsam ausgetragenen Konflikten und Hungersnöten.


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"Migration in und aus Afrika" (PDF) vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

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11.09.2007 / mp mit Material von epd und reuters
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