Eine "grüne Mauer" aus Bäumen soll die Wüste aufhalten
Elf Staaten in Afrika haben sich zusammengeschlossen, um die Dürre zu bekämpfen
Bauer Fallou Kandji
Eine "grüne Mauer" soll das Vordringen der Wüste auf dem afrikanischen Kontinent bremsen. Ein 7000 Kilometer langer und fünf Kilometer breiter Baumstreifen von Dakar im Westen nach Djbouti im Osten soll der weiteren Ausbreitung der Sahara Einhalt gebieten. Sie soll durch die Länder Senegal, Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Tschad, Sudan, Erithrea, Äthiopien bis nach Djibouti führen. Das Projekt soll aber nicht nur die Wüste, sondern auch die Armut bekämpfen.
"Unser Präsident Abdoulaye Wade hat uns aufgefordert, Pflanzen auszuwählen, die sich gut an die Standortbedingungen anpassen und die der Bevölkerung eine Einkommenmöglichkeit bescheren, so dass sie für den Kampf gegen den Hunger nützlich sind", sagt Forstingenieur Capitaine Suleymane Ndoye.
Vier von fünf Setzlingen werden Senegalakazien (Acacia senegal) sein, aus deren Saft der Lebensmittelzusatz Gummi arabicum gewonnen wird. Die Früchte der Wüstendattel (Balanites aegyptiaca) kann man essen, das Öl der Purgiernuss (Jatropha curcas) wird zu Biodiesel verarbeitet. Diese Pflanzen wachsen auf sandigen Böden und brauchen wenig Wasser. Regenrückhaltebecken sollen dafür sorgen, dass die Senegalesen das ganze Jahr über Landwirtschaft treiben können. Bestehende Wälder und Plantagen sollen mit Neuanpflanzungen zu einem durchgängigen Band vernetzt werden. Ende 2008 sollen die ersten der Milliarden Bäume gepflanzt werden.
Ausbreitung von Wüsten bedroht zahlreiche Menschen
Die Ausbreitung von Wüsten bedroht nach Einschätzung von US-Forschern in großem Ausmaß die Lebensräume von Menschen. Besonders dramatisch seien die Verluste an bewohnbaren und landwirtschaftlich nutzbaren Flächen in China und Nigeria, berichteten Wissenschaftler des "Earth-Policy-Instituts". Als Hauptgründe nannten die Umweltforscher Überweidung und falsche Ackerbaumethoden sowie den Anstieg des Meeresspiegels infolge des Klimawandels.
In Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, hat sich den Forschern zufolge die Zahl der Einwohner seit 1950 von 33 Millionen auf 134 Millionen Menschen erhöht. Die Zahl der Nutztiere sei von 6 Millionen auf 66 Millionen gestiegen. Menschen und Tiere beanspruchten das Land viel zu stark, und die Wüstenbildung zerstöre in Nigeria jährlich mehr als 3000 Quadratkilometer Acker- und Weideland. In Nordafrika drängt die stetig wachsende Wüste Sahara immer mehr Menschen in Richtung Mittelmeer, so das Institut.
"Wir haben einen Rückgang der Niederschlagsmengen und ohnehin nur sehr schwache Niederschläge von etwa 200 Millimeter bis zu 600 Millimeter weiter südlich", weiß Prof. Abdoulaye Dia, Direktor des Instituts für Geowissenschaften. "Weil es weniger regnet, verschwindet die Grasnarbe, die die fruchtbare Humusschicht gehalten hat."
Auch China versucht sich an einer "grünen Mauer"
Auch China versucht sich mit einer "grünen Mauer" aus der Affaire zu ziehen: Der mit 1,3 Milliarden Menschen bevölkerungsreichste Staat der Welt, hat von 1950 bis 1975 durch Wüstenbildung pro Jahr durchschnittlich 1,56 Quadratkilometer Nutzfläche verloren. Seitdem haben sich die Wüsten noch schneller ausgebreitet. Die chinesischen Wüsten sind 2000 auf 3600 Quadratkilometer Nutzland vorgedrungen. Nach chinesischen Angaben wurden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Norden und Westen der Volksrepublik 24.000 Dörfer aufgegeben oder weitgehend verlassen.


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Der Begriff Desertifikation steht für das Veröden von Landstrichen durch zu intensive Nutzung durch den Menschen. Das kann bis zum völligen Verschwinden des Humus und jeglicher Vegetation reichen, also zum Entstehen von Wüsten. Weltweite Klimaveränderungen verstärken dieses Phänomen ...


Die Afrikanische Union fasste den Beschluss zur "grünen Mauer" im Juli 2005, lanciert von Nigerias Präsident Obasanjo in seiner Eigenschaft als deren Präsident.

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03.09.2007, zuletzt aktualisiert am 16.12.2008 / mp mit Material von dpa
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