Die ersten sieben Gemeinschaftsschulen sind genehmigt
Schüler lernen nach skandinavischem Vorbild bis Ende der 10. Klasse gemeinsam
Mit Beginn des neuen Schuljahrs am 1. August 2007 nahmen in Schleswig-Holstein die ersten sieben Gemeinschaftsschulen mit zusammen 750 Schülern die Arbeit auf. "Das ist der Beginn einer neuen Ära im schleswig-holsteinischen Bildungssystem", sagte Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD). Der Kerngedanke der Gemeinschaftsschule besteht darin, dass die Schüler nach dem Vorbild aus Skandinavien bis Ende der 10. Klasse möglichst lange gemeinsam lernen.
Schleswig-Holstein hatte im Januar 2007 als erstes Bundesland die Gemeinschaftsschule als neue Regelschule im Schulgesetz verankert. Die ersten sieben Schulen dieser Art befinden sich auf Fehmarn, in Flensburg, Halstenbek (Kreis Pinneberg), Handewitt, im Amt Itzstedt (Kreis Segeberg), in Kellinghusen und Schafflund (Kreis Schleswig- Flensburg).
An Gemeinschaftsschulen können die Schüler den Haupt- und den Realschulabschluss sowie auch den Übergang zur gymnasialen Oberstufe erreichen. Zunächst wurde nur für Fehmarn, wo das Inselgymnasium mit dabei ist, die gymnasiale Oberstufe genehmigt. "Alle sieben Gemeinschaftsschulen sind offene Ganztagsschulen", sagte Erdsiek-Rave. Diese Schulen entstehen auf Antrag des jeweiligen Trägers aus bereits bestehenden Schulen, die ein gemeinsames pädagogisches Konzept entwickelt haben müssen.
Aus der Not geboren sei Fehmarn zum schulpolitischen Vorreiter im Land geworden, sagt der Bürgermeister der Insel, Otto-Uwe Schmiedt. Wegen sinkender Schülerzahlen drohte vor allem dem Inselgymnasium das Aus. "Die Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe ist der einzige Weg, mittelfristig alle Schulabschlüsse auf der Insel zu halten", sagt er.
Der parteilose Bürgermeister hat 2004 die Debatte um eine Schulreform auf der Insel mit rund 13.000 Einwohnern angestoßen. "Der Landesrechnungshof hatte schon 2003 das Inselgymnasium als gefährdet bezeichnet, weil die Schülerzahl unter 500 zu sinken drohte. Als sich dann abzeichnete, dass die Grundschule Puttgarden zum Schuljahr 2005/2006 nicht mehr genug Schüler für einen Jahrgang haben wird, war das für mich als Bürgermeister ein Warnschuss", berichtet Schmiedt. Für Fehmarn rechnen die Fachleute mit einem Rückgang der Schülerzahlen um etwa 15 Prozent.
Die nach dem neuen Schulgesetz möglich gymnasiale Oberstufe soll dabei dafür sorgen, dass kein Fehmarner Kind die Insel verlassen muss, um Abitur zu machen. Für die Gemeinschaftsschules sind nach Angaben des Bürgermeisters 150 Fünftklässler angemeldet, darunter auch 20 vom Festland. "Damit kriegen wir eine funktionsfähige Schule und wenn ein Drittel dieses Jahrgangs bis zum Abitur geführt wird, auch eine leistungsfähige Oberstufe", sagt er.


Sehen Sie diesen Beitrag in unserem Web-TV.



Zum Thema sprachen wir mit Ernst Rösner vom Dortmunder Institut für Schulentwicklung


Deutsche Schulen in der Bildungs-Schieflage?

Projekt "Praxisklasse" fördert schulmüde Jugendliche
UN-Sonderberichterstatter stellt Schulsystem in Frage
Ganztagsschulen verändern das Familienleben positiv
Personalchefs vermissen Allgemeinbildung bei Azubis
Bildungsminister beraten über die frühkindliche Bildung
Immer mehr Eltern schicken die Kinder auf Privatschulen
45-Minuten-Schulstunde reichen nicht für gutes Lernen
Die Visionärin Katharina Al-Shamery macht Visionäre
Bezahlen für die beste Bildung: Privatschulen in Berlin

20.07.2007, zuletzt aktualisiert am 12.06.2008 / dpa / mp
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / nano [E-Mail]