EU-Kommision legt Rahmenrichtline für Bodenschutz vor
Verseuchter Boden verursacht einen Schaden von 38 Milliarden Euro pro Jahr
Laut einer Folgekosten-Analyse kostet verseuchter Boden in Europa 38 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Last tragen die Bürger, nicht die Verursacher. Barbara Helferich von der EU-Umweltkommission schätzt, dass es mindestens 3,5 Millionen kontaminierte Flächen in Europa gibt. Die EU-Kommission legte deshalb eine Rahmenrichtlinie für den Bodenschutz vor. Darin verlangt sie umfangreiche Maßnahmen. Denn nicht nur die Bodenverseuchung selbst ist ein Problem, sondern auch die Bodenversiegelung.
Jeden Tag verschwinden allein in Deutschland schätzungsweise 100 Hektar unter Asphalt und Stein. Weil eigentlich niemand über die tatsächlichen Zahlen Bescheid weiß, fordert die EU-Kommission deshalb erstens eine Bestandsaufnahme des Zustandes der Böden in Europa, zweitens einen Rechtsschutz für die Böden und drittens Sanierungspläne von den Mitgliedsländern für bereits belastete Flächen.
Diese Forderungen sollen deshalb Gesetz werden, weil es um den Bodenschutz in den Mitgliedsländern tatsächlich schlecht steht. In den meisten gibt es keine Regulierungen, die den Boden schützen würden oder es verlangen, dass der Boden wieder gesäubert wird. Den Altlasten-Experten zufolge droht der Richtlinie aber die Gefahr, ein Papiertiger zu werden. Das liegt daran, dass das Gesetz zwar verlangt, Sanierungspläne vorzulegen und umzusetzen, aber darauf verzichtet, Zuwiderhandlungen mit Strafe zu belegen.
Bessert Brüssel nicht nach, werden sich viele Länder vor den hohen Kosten der Bodenreinigung drücken, die ohnehin ja nur der zweitbeste Weg ist. Weil nach der Bodenreinigung vom Boden selbst nicht mehr viel übrig bleibt, wäre ein präventiver Bodenschutz sinnvoller.
Die thermische Bodenreinigungsanlage ist oft die Endstation für belastete Böden. Weil der dort aufbereitete Boden häufig sehr stark kontaminiert ist, lässt Marcus Rautenberg seine Mitarbeiter auf keinen Fall die giftigen Ausdünstungen der Böden einatmen. In seiner Firma wird ein großer technischer Aufwand betrieben, um verseuchte Materialien von Belastungen zu befreien. Bestimmte Schadstoffkategorien müssen einfach thermisch aufbereitet werden, weil es sonst keine andere Möglichkeit mehr gibt, stark belastete Böden von den Schadstoffen zu befreien.
Zu einem Preis von 200 Euro pro Tonne wird der Boden bei diesem Prozess komplett zerstört. Meist sind Teer und Blei daran schuld, dass der Boden nur noch in den Ofen gepackt werden kann. Dabei wird das Erdreich in großen Trommeln auf Temperaturen zwischen 400 und 600 Grad Celsius erhitzt. Diese Behandlung verbraucht zwar sehr viel Energie, aber anders lassen sich die Schadstoffe nicht herauslösen. Wenn der Schadstoff in die Gasphase übergegangen ist, wird der Rauch einer fünfstufigen Rauchgasreinigung unterzogen.
Anschließend ist der Boden zwar biologisch tot, weil durch den thermodynamischen Prozess alle biologischen Aktivitäten aus dem Boden eliminiert wurden. Die Erde ist zwar anschließend frei von ökologisch bedenklichen Schadstoffen, eignet sich dann allerdings nur noch als Grundlage für Straßenasphalt.

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"Bodenschutzstrategie der EU" vom Umwelt-Ministerium Niedersachsens
"EU-Bodenrahmenrichtlinie: Kosten und Nutzen der Ausweisung von Risikogebieten" (PDF) vom Land Niederösterreich
"EU-Kommission will Bodenschutz regeln" (PDF) vom BUND
"Umweltminister empfinden Bodenrahmenrichtlinie als Gängelei" von "Agrar heute"

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05.07.2007 / mm
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