"Die Energieerzeuger blockieren Kraft-Wärme-Kopplung"
Nutzte die Bundesrepublik die Abwärme, ginge das nicht mit den Großkraftwerken
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"Es werden keine Kraftwerksneubauten mehr genehmigt, die einen Gesamtenergie-Ausnutzungsgrad von weniger als 60 Prozent haben." So ein Satz des Gesetzgebers könnte die Kraft-Wärme-Kopplung nutzen, der Umwelt helfen und gleichzeitig auch den Verbrauchern Geld sparen, meint Prof. Uwe Leprich vom Saarbrücker Institut für Zukunfts-Energiesysteme. Mit den weniger effizienten Kraftwerken von heute produzieren Großkraftwerke teure Energie, die letztendlich die Verbraucher bezahlen.
Günstiger wäre eine Kraft-Wärme-Kopplung. Leprich schlägt davor, die Abwärme zu nutzen, die derzeit ungenutzt in die Umwelt gelangt, aber das ist nicht vorgesehen: "Wenn wir die Wärme nutzen und Wohnungen damit beheizen wollen, brauchen wir dezentralere Kraftwerke, bei denen die Wärme auch vernünftig in Siedlungen verteilt werden kann - also eine andere, dezentralisierte Struktur."
"Stromversorger haben die Märkte ziemlich gut abgeschottet"
Energie für das eigene Heim
Johannes van Bergen, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch-Hall sieht hier "eine Machtfrage in der deutschen Energiewirtschaft": "Die vier Großen - Eon, Vattenfall, RWE und 'EnBW' beherrschen die Szene mit großen Kondensationskraftwerken - völlig ineffizienten Kraftwerken, die nichts zum Klimaschutz beitragen. Machten wir eine Vorrangpolitik für Kraft-Wärme-Kopplung, dann fielen diese großen Blöcke alle vom Netz." Leprich sagt: "Sie sind damit in der Vergangenheit gut gefahren und haben den Markt ziemlich gut abschotten können. Wir haben vier Unternehmen mit einem Marktanteil von 90 Prozent in der gesamten Stromerzeugung." Deshalb gebe es seit vielen Jahren enorme Widerstände in den Unternehmen, die Kraft-Wärme-Kopplung auszubauen.
"Es war in der Vergangenheit häufig der Fall, dass Industrieunternehmen KWK-Anlagen geplant haben", erinnert sich Leprich. "Aber zu dem Zeitpunkt, zu dem sie die Anlagen bauen wollen, kam meist ein großes Stromunternehmen mit einem viel günstigeren Angebot, so dass die KWK-Anlage nicht mehr wirtschaftlich war."
"Wir können die Hälfte des Stroms in KWK-Anlagen erzeugen", meint Leprich. "Dänemark und Finnland sind schon dort. Wir liegen in Deutschland jetzt bei zehn bis zwölf Prozent der Stromerzeugung. Die Bundesregierung plant bis 2020 eine Verdopplung." Bundesumweltminister Sigmar Gabriel setzt nötigenfalls auf Zwang: "Die Wirtschaft hatte uns versprochen, den Anteil deutlich stärker zu entwickeln. Sie hat nicht einmal die Hälfte des Ziels geschafft, bis 2010 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid einzusparen. Wir werden das über den Gesetzgeber bei der Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes sicherstellen müssen."
"Effizienz und erneuerbare Energien reichen nicht aus"
Die Industrie könnte koppeln - wenn sie wollte
Die Industrie gibt sich gelassen. "Wer behauptet, mit einer Ausweitung des Themas Kraft-Wärme-Kopplung könne er sich der Diskussion über den grundsätzlichen Energiemix entziehen, gibt sich einer Illusion hin", so Utz Claasen, Vorstandsvorsitzender des Energieerzeugers "EnBW". "Der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Erhöhung der Energieeffizienz wird auf der Zeitachse nicht ausreichen, um fossile und nukleare Strukturen überflüssig zu machen."
Heutige Kohlekraftwerke haben einen Wirkungsgrad von 33 bis 38 Prozent. Bei den geplanten 26 neuen Kraftwerken soll der Wirkungsgrad auf 45 Prozent steigen. "Die Erhöhung des Wirkungsgrads ist nicht das einzige, aber bei der Erzeugung das wesentliche Werkzeug, die Energieeffizenz zu erhöhen", sagt Utz Claasen. "Je höher mein Wirkungsgrad, desto weniger fossilie Energieträger muss ich verpulvern."
Prof. Uwe Leprich ist seit 1995 Hochschullehrer an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Zudem leitet er die Abteilung Energiewirtschaft / Zukunftsmärkte im dort angegliederten Institut für Zukunfts-Energie-Systeme (IZES). Er war sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommission "Nachhaltige Energieversorgung" des letzten Deutschen Bundestages und ist spezialisiert auf ökonomische und ordnungspolitische Fragen der Energiemarktliberalisierung und -regulierung.


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Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) - Strom und Heizwärme in einem Prozess


Zusätzliche Interviews in unserem Web-TV
Utz Claassen, Vorstand "EnBW"
Uwe Leprich, Institut für Zukunftsenergiesysteme
Sigmar Gabriel, Bundesumweltminister


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07.06.2001, zuletzt aktualisiert am 01.12.2009 / mp
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