Neue Alzheimer-Therapie bezieht Angehörige mit ein
Familienmitglieder und Patienten werden auf die Zukunft mit Demenz vorbereitet
"Wir bereiten Angehörige in einem intensiven Prozess auf die Schwierigkeiten vor, die auf sie zukommen", erläutert Dr. Barbara Romero das Konzept des Alzheimer-Therapiezentrums Bad Aiblingen. "Wir lernen gemeinsam, wie man Konflikte vermeidet, wie mach sich selbst davor rettet, vorzeitig die eigene Kraft zu verlieren und vielleicht auch nicht mehr in der Lage zu sein, die Kranken weiter zu begleiten." In vielen Situationen fühlten die Angehörigen sich verletzt und verletzen somit die Kranken.
Es nutzt nichts, auf der eigenen Meinung zu beharren, weil das die Probleme nur verschärft. Wirkungsvoller ist es auf jeden Fall, das zu unterstützen, was noch vorhanden ist und die Persönlichkeit des Patienten so lange als möglich zu erhalten. Dazu eignen sich schöne Erlebnisse aus der Vergangenheit, denn meistens erinnern sich die Kranken besser an Dinge, die schon länger zurückliegen.
Beschäftigt man sich mit den Stärken, gibt man den Patienten die Möglichkeit, sich kompetent zu fühlen und bestärkt sie in ihrer Persönlichkeit. Außerdem ist es für Demenzkranke eine Erleichterung, über Fotos und vertraute Gegenstände an Bekanntes anzuknüpfen. Dr. Barbara Romero bereitet die Pflegenden in einem intensiven Prozess auf die Schwierigkeiten vor, die auf sie zukommen können. Sie lernen gemeinsam, wie man Konflikte vermeidet und sich davor bewahrt, die eigene Kraft zu verlieren. Besonders Musik dient dazu, Erinnerungen zu wecken. Ein Tänzchen mit dem Partner stärkt nicht nur das Ich-Gefühl, sondern führt auch zu positiven Emotionen.
In Deutschland leben nach Angaben von Experten mehr als eine Million Demenzkranke, viele sind rund um die Uhr auf Pflege angewiesen. Zwei Drittel von ihnen leiden an Alzheimer, der häufigsten Form von Demenz. Bundesweit werden 80 Prozent der Kranken in der Familie versorgt - selbst dann noch, wenn sie ihre Angehörigen nicht mehr erkennen, geschweige denn, ihren Namen nennen können.
Obwohl 40 Prozent der Pflegenden unter körperlichen und seelischen Beschwerden leiden, verzichten die allermeisten oft aus falscher Scham auf Unterstützung. Auch Unkenntnis von Hilfsangeboten - etwa Tages- und Nachtpflege oder eine stundenweise Betreuung in einem "Demenzcafé" - spielt eine Rolle. Ein Bestandteil der Therapie ist es außerdem, die Patienten optimal auf die Demenzpräparate einzustellen. Außerdem wird allen Betroffenen klargemacht, dass eine Heilung der Alzheimererkrankung nicht möglich ist und dass die Kranken früher oder später vollständig von familiärer oder pflegerischer Hilfe abhängig sind.
Vorhandene Therapien gegen Alzheimer
Eine Heilung der Alzheimer-Krankheit ist derzeit nicht möglich. Durch Medikamente sowie körperliches und geistiges Training kann die langsam fortschreitende Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten aber für einige Monate bis Jahre verzögert werden. In günstigen Fällen kann der Betroffene weiterhin aktiv am Leben teilnehmen, was die pflegenden Angehörigen oder andere Helfer entlastet. Es gibt keine Medikamente, die den Tod der Nervenzellen verhindern.
Zur medikamentösen Behandlung von Alzheimer werden zwei Arzneimittelgruppen benutzt, die die bei der Erkrankung gestörten Nervenbotenstoffe Acetylcholin und Glutamat positiv beeinflussen. Die Acetylcholinesterase(ACE)-Hemmer sind zurzeit die vielversprechendsten Medikamente für die beginnende Alzheimer- Krankheit. Bei Alzheimer-Patienten wird im Laufe ihrer Erkrankung immer weniger vom Botenstoff Acetylcholin produziert. ACE-Hemmer sind Medikamente, die durch Hemmung des Enzyms Acetylcholinesterase den Abbau des Acetylcholins bremsen und dazu beitragen, dass im Gehirn größere Mengen dieses Botenstoffs zur Verfügung stehen.
Dadurch wird der Austausch zwischen den überlebenden Nervenzellen verbessert. Diese Medikamente sind jedoch nur in frühen Stadien der Erkrankung sinnvoll. Für die bereits mittelschwere bis schwere Demenz werden vorrangig Memantine (NMDA-Antagonisten) eingesetzt, die beim Botenstoff Glutamat ansetzen. Beim gesunden Menschen sorgt Glutamat für die Signalübertragung zwischen Nervenzellen.
Bei Patienten mit Demenz ist die Glutamatkonzentration zwischen den Nervenzellen anhaltend erhöht, sie werden quasi dauererregt. Dadurch können Signale nicht mehr richtig erkannt und weitergeleitet werden. Schließlich kann die Nervenzelle der ständigen Überreizung nicht mehr standhalten, verliert ihre Funktionsfähigkeit und stirbt. Memantine schützen die Nerven vor einer Überreizung durch den Botenstoff Glutamat. Außer Medikamenten helfen nach Angaben von Fachärzten zusätzliche Krankengymnastik oder Sprachtraining.
Je nach Ausprägung des Krankheitsbildes ist manchmal auch eine Behandlung von Verhaltensauffälligkeiten beispielsweise mit Antidepressiva notwendig. Je früher die Krankheit erkannt wird, umso effektiver und besser können die Patienten behandelt und betreut werden. Das Hauptproblem der Behandlung ist die meist fehlende Krankheitseinsicht der Patienten.

Alzheimer, das schleichende Vergessen des eigenen Ich

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16.05.2007 / mm und dpa
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