Feine Netze fangen aus Nebel Trinkwasser für Eritrea
800.000 Menschen leben dort in Gebieten, in denen sich die Nebelernte lohnte
Große Netze sollen im trockenen Hochland Eritreas Wasser aus Nebel fangen. "Der Nebel wird vom Wind durch das Netz gedrückt", erläutert Virginia Carter, Projektleiterin in Nefasit. "Dabei lagern sich auf dem Gewebe kleinste Tröpfchen ab. Die Maschen haben eine dreieckige Form, so dass das Wasser zu immer größeren Tropfen zusammenlaufen kann." Das Gewebe kann dem Nebel unter optimalen Bedingungen 50 Prozent der Feuchtigkeit entlocken.
Fünf Monate im Jahr trägt der Wind den Nebel vom Roten Meer heran. Bisher tragen Frauen und Kinder bis zu 20 Kilogramm Wasser von der einen Kilometer entfernten Wasserstelle heran. Die Nebelnetze sollen vor allem den Grundschulkindern zugute kommen. "Denen ist es verboten, in der Pause zur Straße zu laufen und dort Wasser zu kaufen", so Michea Angesonn, "die Unfallgefahr ist einfach zu hoch."
In Eritrea leben 800.000 Menschen in Gebieten, in denen sich die Nebelernte lohnen würde. "Der Wind kommt hier immer aus Norden", sagt Carter. "Die Kollektoren müssen exakt im 90-Grad-Winkel zum Wind aufgestellt werden, damit sie ein Maximum an Wasser ausfiltern können." Carter stammt aus Chile, wo das Prinzip bereits seit 1992 im Einsatz ist. Untersuchungen des chilenisch-kanadischen Wissenschaftlerteams ergaben, dass die Bedingungen von El Tofo weltweit in mindestens 22 Ländern wiederzufinden sind.
So könnte auch in Gebieten von Mexiko, Honduras, Equador, Gibraltar, Angola, Kenia, Namibia, Südafrika problemlos Trinkwasser aus Nebel gewonnen werden. Das Dorf Chunchungo, 400 Kilometer nordwestlich von der chilenischen Hauptstadt Santiago entfernt, hat eine ideale Lage für das Verfahren. Das Dorf liegt unterhalb des Berges El Tofo, 900 Meter hoch, in einem Wüstengebiet an der Pazifikküste. Vor der Küste verläuft der Humboldtstrom. Diese Voraussetzungen sorgen für besonders feuchten Nebel.
Die Tropfen fallen in Plastikrohre am unteren Ende der Netze und werden von dort den Berg hinunter in die Zisternen des Dorfes geleitet. Eine 50 Quadratmeter große "Nebelfalle" fängt täglich rund 160 Liter Trinkwasser ein. Die 50 "Fallen" auf dem Berg El Tofo versorgen jeden der 350 Einwohner von Chunchungo täglich mit 24 Litern Wasser. Die Qualität des kühlen Nasses sei besser als das oftmals verschmutzte Wasser aus Tanks.

Wasser: Hightech für ein kostbar gewordenes Gut


Die Vereinten Nationen haben Ende 1992 den 22. März zum Weltwassertag erklärt. Seit 1993 findet er jedes Jahr statt. Neben den Vereinten Nationen nutzen auch viele nichtstaatliche Organisationen den Tag, um kritische Themen öffentlich zu machen. Dabei wird stets daran erinnert, dass eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser haben. Oder auch, dass die Geschlechtszugehörigkeit beim Wasserzugang eine Rolle spielt: Denn Frauen ist in vielen Ländern die Pflicht aufgebürdet, weite Wege für das Holen des Trinkwassers auf sich zu nehmen.

"Nebelernte-Projekt zur Trinkwassergewinnung für die Dörfer Arborobu und Seideci in der Region Maakel" von der Wasserstiftung
"Eritrea - Asmara 2005 Fog Collection Evaluation Project" vom "FoqQuest"

22.03.2007 / mp mit Material von dpa
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