Jatropha-Bauer Video
Für arme Menschen kann die anspruchslose Jatropha-Pflanze viel bringen
Nutzen in kleiner Dosis
Jatropha: gut für Kleinbauern, schlecht in Plantagen
"Baut man Jatropha in Plantagen an, braucht man viel Wasser und hat die gleiche Situation wie bei vielen Energiepflanzen", so Rainer Zah.
Der Umweltwissenschaftler der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) weiß: Die Energiebilanz wird dann ähnlich schlecht wie bei Palmöl. Am ertragreichsten produziere Jatropha, wenn sie Wasser und Nährstoffe erhalte und vor Schädlingen geschützt werde. So könne die Produktion von Jatropha-Biodiesel dann doch zu Monokulturen, Wasserverschwendung und unkontrolliertem Pestizideinsatz führen, sogar den Lebensmittelanbau verdrängen, fürchtet Raymond Jongschaap von der Universität des niederländischen Wageningen. Aus Afrika kommen erste Berichte über Enteignungen, weil Energie-Konzerne für große Jatropha-Plantagen an das Land vieler Kleinbauern wollen.

Die anspruchlose Jatropha soll Biodiesel liefern
Jatropha Lupe
Wenn nichts mehr wächst, wächst Jatropha
Auch Anselm Duchrow von der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit sieht die Risiken. Aber es gebe auch gute Erfahrungen. Brasilien habe ein Ökolabel für nachhaltig produzierten Biodiesel eingeführt. Und Mali sei ein gutes Beispiel für eine rein lokale Nutzung der Biobrennstoffe, sagt der Agrarexperte. Um dieses Potenzial auszunutzen und gleichzeitig den Gefahren des Biotreibstoff-Booms zu begegnen, müsse die Staatengemeinschaft Verpflichtungen zur nachhaltigen Landwirtschaft eingehen.

"Sie wächst auf unwirtlichen Flächen, produziert Öl und Arbeitsplätze", schildert Prof. Klaus Becker von der Universität Hohenheim die Vorzüge der tropischen Jatropha-Pflanze. "Sie ist gut, um Kredite im Bereich Kohlendioxid zu erzielen und sie kann in der Zukunft ein gutes Futtermittel produzieren. Und sie kann auch ein gutes Biopestizid produzieren, was möglicherweise in unseren biologischen Betrieben noch sehr positive Wirkungen erzielen wird."

"Der große Vorteil, Jatropha-Öl in Indien oder Entwicklungsländern einzusetzen, ist, dass Dieselkraftstoff mit hohem Schwefelanteil dadurch ersetzt wird und man so eine wesentlich niedrigere Luftverschmutzung erreicht", schildert Dr. Guido Reinhardt vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu).

70 Prozent der Fläche Indiens sind Ödland, in denen nichts außer der Jatropha-Pflanze wächst. Sie gedeiht unter verschiedenen Klimabedingungen und braucht wenig Wasser. Selbst die giftigen Reste von der Ölpressung kann man noch als Pestizid einsetzen. Aber vor allem liefert die Pflanze Biodiesel. Den Indern ist sie unter den Namen Ratanjot, Honge und Karania bekannt.

Anbau und Verarbeitung schaffen auf dem Land dringend benötigte Jobs. Der Regierungschef des ostindischen Bundesstaates Chhattisgarh, Raman Singh, ist überzeugt, dass vor allem landlose Bauern, Bewohner von Waldgebieten und Ureinwohner davon profitieren werden. Bis zum Jahr 2010 rechnet er mit 500.000 neuen Arbeitsplätzen allein in seinem Bundesstaat.

Auch die indische Eisenbahn - der größte Staatsbetrieb auf dem Subkontinent und Großverbraucher von fossilem Kraftstoff - unterstützt das Projekt, nachdem die ersten Tests mit ihren Dieselloks erfolgreich verlaufen sind. 2004 wurden auf Bahnland bereits 400.000 Jatropha-Setzlinge gepflanzt. "Wir investieren damit nicht nur in eine Technologie der Zukunft, sondern helfen auch dabei, die Vegetationsdecke zu erweitern", erläutert ein Sprecher von Northern Railways.

Biotreibstoffe
Insgesamt kaum sinnvoll
"Die Umweltbelastung durch Biotreibstoffe ist deutlich höher als bei fossilen Treibstoffen", sagt der Umweltwissenschaftler Rainzer Zah.
Biotreibstoffe im Fokus
© dpaRaps und Palmöl im Tank
Raps-Diesel und Weizen-Benzin gluckern in deutschen Autotanks, denn Kraftstoffen müssen pflanzliche Anteile beigemischt werden.
Abgehoben
© reutersVerkehrsflugzeug erstmals mit Biotreibstoff geflogen
Zum ersten Mal ist ein Verkehrsflugzeug mit Biotreibstoff geflogen. Die britische Gesellschaft Virgin Atlantic nannte den knapp einstündigen Flug einer Boeing 747-400 von London nach Amsterdam am Sonntag, 24. Februar 2008 einen "Durchbruch bei der Suche nach einem klimafreundlichen Flugzeug-Treibstoff".
Glossar
Biodiesel
Biodiesel wird vor allem aus Rapsöl in der EU und aus Ölpalmen in Südostasien hergestellt und ist normalem Dieselkraftstoff vergleichbar. Er macht den größten Teil (61 Prozent) des Biosprits Deutschlands aus.
23.05.2007, zuletzt aktualisiert am 19.04.2010 / db, mp mit Material von ap