Schweizer produzieren Strom und Trinkwasser zugleich
Auf dem Weg von der Quelle zum Reservoir treibt das Trinkwasser Turbinen an
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"Wir haben Untersuchungen von Wasserversorgungen im Mittelland, die mehr als die Hälfte des gesamten Stromverbrauchs selber abdecken können", sagt Ernst Müller, Energieberater bei "EnergieSchweiz". Im Wallis oder in Chur könnten Gemeinden mit großen Höhendifferenzen ein Vielfaches dessen produzieren, was sie selbst verbrauchen. "Das sind sehr große Strommengen, die erzeugt werden können." Die Gemeinde Hergiswil in der Schweiz stellt mit ihrem Trinkwasser Strom her.
Dort wandelt die Turbine 1500 Liter Wasser pro Minute in Strom um. Damit kann die Gemeinde zwar den Eigenbedarf an Strom nicht komplett decken, aber immerhin einen Teil wieder in das Stromnetz einspeisen. "Es braucht heute nur noch eine Höhedifferenz von 20 bis 30 Metern und die nötige Wassermenge, dann kann ein solches Trinkwasserkraftwerk wirtschaftlich werden", sagt Müller.
Die Gemeinde Schweizer Gemeinde Sachseln produziert seit 2006 aus ihrem Trinkwasser. Der Verbrauch von 350 Haushalten kann damit gedeckt werden. "Schon heute produzieren 100 Anlagen etwa 100 Millionen Kilowattstunden", so Müller. "Das lässt sich mit neuen Anlagen wie in Hergiswil verdoppeln oder verdreifachen."
"Das Potenzial von Wasserkraft sollte man ausschöpfen"
Wasserkraft könnte wohl noch mehr Strom bringen
Vier Prozent des deutschen Stroms kommen derzeit aus 7000 Wasserkraftanalagen. Nach Einschätzung der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft könnte dieser Wert auf sechs Prozent steigen. Dies sei einer Studie zufolge möglich, wenn man das Energiepotenzial ausnutzt. Besonders Miniwasserkraftanlagen könnten für kleine Gemeinden eine Möglichkeit der dezentralen Energieversorgung darstellen. Jedes dritte Wasserkraftwerk weltweit wird in Deutschland entwickelt und hergestellt.
Josef Haas vom der "Volk Wasserkraft AG" sieht möglliche installierbare Wasserkraftenergie von 3000 Megawatt. Dies entspräche der Leistung von drei Kernkraftwerken. "Das Potenzial für Wasserkraft im Äquivalent von drei Atomkraftwerken liegen soll, halte ich für ein bisschen übertrieben", sagt Prof. Silke Wieprecht von der Universität Stuttgart. "Nach unseren Studien sind ungefähr noch 800 Megawatt Ausbauleistung vorhanden, die man in die Wasserkraft setzen kann. Darin enthalten sind auch neue Standorte, von denen noch fraglich ist, ob sie umgesetzt und neue Staue gebaut werden."
Wieprecht sieht zwar in Zukunft keinen großen Anteil der kleinen Wasserkraft an der Gesamtenergieerzeugung. Doch sei jeder noch so kleine Anteil zur Energiegewinnung mit regenerativen Energien erstrebenswert. Zumal auch viele Subventionen in den Entwicklung von Photovoltaikanlagen gesteckt würden, die letztlich auch nur einen kleinen Anteil am gesamten Energiemix hätten.
1979 gründet Manfred Volk eine Firma für Wasserkraftanlagen
Ein Drittel aller Wasserkraftwerke wird in Deutschland hergestellt
"Es kommt bei den Wählern besser an, wenn ein Politiker neben ein Photovoltaikanlage oder einer Windkraftanlage steht", sagt Haas. "Wasserkraft gilt als old-fasioned und keiner weiß, was die eigentlichen Potenziale sind." 1979 hat der Physiklehrer Manfred Volk seinen Job aufgegeben und die Wasserkraft Volk AG gegründet. Auslöser war ein Stromanschluss, der bei Verlegung zu seinem Haus 100.000 Mark hätte kosten sollen. Er wollte seinen Energiebedarf slbst decken und entwickelte eine eigene Wasserkraftanlage. Inwischen hat das Unternehmen mehr als 100 Kraftwerke in 35 Ländern gebaut und beschäftigt mehr als 60 Personen. Die meisten Aufträge, 95 Prozent, kommen aus dem Ausland.
Eine Fabrik versorgt sich selbst mit Strom - und andere mit
Die Manfred Volk AG nutzt die Energie aus Wasser
Europas erste energieautarke und emissionsfreie Schwermaschinenfabrik ging unter anderem auch auf die Idee von Manfred Volk zurück. Sie wurde am 1. Mai 2000 in Bleibach an der Elz eingeweiht. Manfred Volk wollte ein Kernkraftwerk durch kleine Wasserturbinen ersetzen. Er gehörte Mitte der 1970er Jahre zu den engagiertesten Gegnern des geplanten Atomkraftwerks Wyhl, das schließlich verhindert wurde. Sein ehrgeiziges Ziel war eine ökologische "Zukunftsfabrik", die ihren Energiebedarf komplett selbst deckt. Zum ökologischen Gesamtkonzept der Fabrik gehören Fischtreppen zwischen dem Wasserein- und -auslauf der Turbinenanlage. Dadurch wurde das Flüsschen erstmalig für Fischwanderungen durchgängig.
Das Herzstück der firmeneigenen Energieversorgung sind zwei Wasserturbinen aus Volks eigener Produktion. Die Jahresleistung von 1,5 Millionen Kilowattstunden wird nur zu zwei Dritteln von der Fabrik verbraucht. Ein Drittel kann ins Netz eingespeist werden. Eine Wärmerückgewinnungsanlage nutzt das vierzehn Grad warme Wasser in nur zehn Meter Tiefe.
Wasserkraft - zweitgrößter Anteil an regenerativen Energien
Die Wasserkraft ist nach der Windenergie die zweitgrößte Quelle der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Aus diesen konnten 2007 bereits 14,3 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland gedeckt werden. Der Beitrag der Wasserkraft blieb mit 21,7 Terawattstunden (TWh) Strom nahezu konstant. Das entsprach gut 28 Prozent an der Stromerzeugung nur aus erneuerbaren Energien. Noch kommt der meiste Strom vor allem aus Kohle- und Atomkraftwerken.


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Zusammensetzung regenerativer Energien


Neue Energien braucht das Land - den Mix
Atomkraft
Biomasse
Brennstoffzellen
Geothermie
Solarenergie
Windkraft

"Die Kraft des Wassers" von "Abenteuer Wissen"

04.07.2000, zuletzt aktuaklisiert am 16.02.2009 / jus mit Material der dpa
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