Andrej Kral beugt sich über den Computer Video
Andrej Kral sucht in aufwendigen Analysen nach dem verlorenen Hörsinn
Früh hören lernen
Das Gehirn tauber Kinder kann noch dazulernen
Die elektrischen Reize von Ohr-Implantaten können bei taub geborenen Kindern Gehirnregionen wecken und sie so zum Hören und Sprechen bringen.
"Es gibt Gebiete im Gehirn, die weiterhin mit dem Ohr verknüpft bleiben", schildert Andrej Kral von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sie mögen degenerieren, blieben aber mit dem Ohr verknüft. "Es gibt aber auch Gebiete, die neue Funktionen übernehmen - sie fangen an, visuelle der Berührungsreize zu verarbeiten." Solche Areale will Kral in Zukunft wieder auf das Hören trainieren.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Innenohr-Prothesen innerhalb der ersten Lebensjahre eingesetzt werden. Kinder, denen schon mit zwei Jahren ein Ohr-Implantat eingesetzt werde, könnten ohne Gebärdensprache Hören und Sprechen lernen, sagte der Frankfurter Hörforscher, Prof. Rainer Klinke im Jahr 2000: "Das menschliche Gehirn hat offenbar eine kritische Periode, in der es bestimmte Dinge lernen muss, sonst ist der Zug abgefahren." Beim Hören falle diese Phase vor allem in die ersten fünf Lebensjahre. Je früher eine Prothese implantiert werde, desto besser. Hörstörungen bei Kindern würden in Deutschland im Durchschnitt allerdings erst mit 2,3 Jahren diagnostiziert, obwohl statistisch ein hörgestörtes Baby auf 1100 Geburten komme.

Ein kleiner Draht leitet den Schall bis zum Innenohr
Grafik des Ohres Video
Das Ohr ist ein komplexes Sinnesorgan
Durch Cochlea-Implantate könne das Gehör zu einem großen Teil wieder hergestellt werden. Dabei wird eine kleine Platte in den Schädelknochen eingesetzt und ein Draht ins Innenohr eingeführt. Ein außerhalb des Körpers getragener Sprachprozessor wandelt akustische Signale in elektrische Impulse um, die den Hörnerv reizen: Das Implantat übernimmt die Funktion der Hörschnecke (Cochlea). Die Ohrmuschel nimmt Schallwellen auf, bündelt sie und leitet sie durch den Gehörgang zum Trommelfell. Das überträgt die Schwinugungen auf die Gehörknöchelchen - Hammer, Amboss und Steigbügel - und diese weiter zur Gehörschnecke. Die Flüssigkeit in ihr überträgt die Schwinungen auf die Sinneszellen, die mit härchenartigen Strukturen den Schall aufnehmen.

Info
Elektroden sollen Ohr-Implantate deutlich verbessern
Ein neues Verfahren soll die Empfindlichkeit von Ohr-Implantaten verbessern und damit das Hörvermögen gehörloser Menschen. Mit "Bioaktiven Elektroden" wollen Bochumer Mediziner für eine bessere Ankopplung der Ohr-Nervenzellen an das Implantat sorgen, wie die Universität mitteilte.
Am 24. September
Tag der Gehörlosen
In Deutschland können 80. 000 Menschen nicht hören, in Österreich und der Schweiz je 8000. 13,3 Millionen Bundesbürger über 14 Jahre gelten als beim Hören beeinträchtigt (Österreich und Schweiz 10.000 bis 15.000). Der Tag der Gehörlosen soll über ihre Probleme informieren und für die Gebärdensprache werben. Der Weltverband der Gehörlosen initiierte den Tag 1951, seit den 1970er Jahren gibt es ihn auch in Deutschland.