"Mein Beruf ist auch Leidenschaft, ich habe viele Pläne"
Tierfilmer Andreas Kieling will noch viele charismatische Tiere vor die Linse holen
Beim Filmen der Tiere ist Kieling in seinem Element
"Ich habe noch so viele Träume und Sehnsüchte, die ich in den nächsten Jahren realisieren möchte", sagt Tierfilmer Andreas Kieling. "Mein Beruf ist ja nicht irgendein Beruf - es ist auch Leidenschaft, es ist mein Leben. Momentan sterben so viele charismatische Tierarten aus, und die Lebensräume verknappen sich so dramatisch, dass ich etwas Angst habe, dass mir die Zeit davon läuft und ich mindestens noch 30 oder 40 Jahre brauche um all das zu realisieren, was ich noch machen möchte."
Der Thüringer Kieling wurde als Kind von Bernhard Grzimek inspiriert. "Für mich ist Bernhard Grzimek immer noch das ganz große Vorbild", sagt Kieling. "Er hat vor mehr als 40 Jahren schon das gemacht, was wir heute noch immer im modernen Tierfilm tun: Diese Mischung aus Tierfilm und Experiment war damals sein Stil."
"Vielleicht gehe ich heute noch etwas weiter: Ich versuche noch näher an die Tiere heranzukommen, spreche allerdings auch nach wie vor den Zuschauer an und spreche direkt in die Kamera, um meine Botschaft noch persönlicher und intensiver rüber zu bringen." Kieling hat bei seinen Projekten am Set oft eine zweite Kamera, die festhält, wie der Tierfilmer vorgeht.
Nach eigenen Angaben verwendet er mehr Zeit darauf, die Tiere an sich zu gewöhnen, als für das Filmen. Mit einer Abenteurerausrüstung und einer Highspeed-Kamera, die bis zu 150 Bilder pro Sekunde belichten kann, machte er sich unter anderem machte er sich für das ZDF in Sachen "Kieling - Expeditionen zu den Letzten ihrer Art", der im Mai 2008 gezeigt wurde zu einer Reise rund um den Globus auf. Seltene und vom Aussterben bedrohte Tiere hat der Tierfilmer dafür aufgespürt.
Für seinen Naturfilm "Grizzly Giganten" ist der Filmautor Andreas Kieling 2005 mit dem "Goldenen Auerhahn" des Filmfestivals "Naturale" ausgezeichnet worden. Beim Wildscreen Naturfilmfestival 2008 in England erhielt er für "Abenteuer Yukon – Der lange Weg zum Eismeer" den "Panda-Award", den die BBC vergibt und der als internationaler Oscar des Tierfilms gilt.
Kieling nähert sich den Tieren langsam aber zielstrebig an
Anpirschen unter Wasser
In der ZDF-Dokumentation zeigt er unter anderem Leistenkrokodile, Asiatische Löwen und Berggorillas in ihrer natürlichen Umwelt. "Krokodile können sich, was ihre Beute angeht, nicht sofort auf neue Beutetiere einstellen", weiß Kieling. "Sie sind festgelegt auf Wallabes, Fische, Wildschweine und Dingos. Ich bin für sie etwas ganz Neues. Das kommt auch noch hinzu. Sie brauchen also eine gewisse Zeit, um mich als Beute zu identifizieren und zu nutzen. Diese Zeit will ich mir zunutze machen, um die Krokodile zu drehen."
Doch nicht nur rund um den Globus ist Kieling unterwegs. Auch in der Eifel beobachtet er zum Beispiel die scheuen und seltenen Schwarzstörche. Ein Traum des Tierfilmers: "Mammuts würde ich gerne einmal filmen und eine Zeitreise antreten. Mich bis zu 15.000 Jahre zurück versetzen, in eine Periode als der Mensch noch nicht so alles beherrschend und dominant war und als in diesen Höhlen noch prähistorische Jäger gelebt haben und Steppenbison, Wildpferde und Rentiere Jagd gemacht haben, das wäre einer meiner größten Wünsche."
Außer den Tieren hängt Kieling an Oldtimern. Er hält einen alten Morgan Plus8, mit 3,5 Litern Hubraum und acht Zylindern. "Das Auto habe ich vor über 20 Jahren als Schrotthaufen gekauft und habe es vier Jahre lang restauriert", erinnert sich Kieling. "Es gibt keine Schraube, die ich an diesem Fahrzeug nicht bewegt habe. Als ich dann Tierfilmer werden wollte musste ich das Auto verkaufen, weil ich Geld brauchte für die ersten gebrauchten Filmkameras. Vor fünf Jahren habe ich den Wagen zurück gekauft und möchte mich jetzt nicht mehr von ihm trennen müssen.
Tierfilm wandelt sich von heiler Welt zu kritischer Betrachtung
In den 1970er Jahren verlor der Naturfilm endgültig sein Image von der "Heilen Welt". Filmemacher wie Bernhard Grzimek und Horst Stern zeigten den Horror der Eierlegebatterien und der landwirtschaftlichen Fleischfabriken, mit Bildern von bei lebendigem Leib abgeschlachteten Meeresschildkröten schockierte Ralf Möltgen die Öffentlichkeit. Die Einfuhr von Schildkrötenpanzern wurde daraufhin in Deutschland verboten.
"Kieling - Expeditionen zu den Letzten ihrer Art: Berggorillas, Wildschafe, Riesenechsen und Leistenkrokodile" von 2009 beim ZDF
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17.02.2000, zuletzt aktualisiert am 23.04.2009 / mp, jus mit Material von dpa
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