Touristen bedeuten für die Serengeti Fluch und Segen
Sie bedrohen das natürliche Gleichgewicht, doch sie bringen auch viel Wohlstand
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"Wir haben mehrere Unfälle gehabt, als die Gnus den Fluss überquerten", erinnert sich der 64 Jahre alte Zoologe Dr. Markus Borner, der vor 30 Jahren mit Bernhard Grzimek nach Afrika kam und als sein Nachfolger die Naturschutzprojekte der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) leitet. "Die Gnus stürzten sich wild hintereinander durch den Fluss. Auf der anderen Seite waren so viele Touristenfahrzeuge, dass sie nicht hinaus konnten und an ein Stück mit steilen Ufern getrieben wurden. Da sind einige tausend Tiere ertrunken."
Tourismus bedeutet für den ostafrikanischen Serengeti-Nationalpark gleichzeitig Fluch und Segen. Nicht nur die Tiere leben gefährlich, auch die Vegetation ändert sich, wie in einem Krater deutlich wird. "Das war alles mal wirklich dichter Wald und ganz wichtig für die Tiere, dass sie ein Rückzugsgebiet im Krater haben", weiß Borner. "Nun wird aber seit einigen Jahren für all diese Lodges, die wir auf dem Kraterring oben sehen, 900.000 Liter Wasser aus dem Krater herausgepumpt. Doch der Tourismus bringt auch Wohlstand in das Land.
Nicht nur die Touristen auch Dorfbewohner, die rund um den Nationalpark ansässig sind, bilden eine Gefahr für die Tier- und Pflanzenwelt. Die Dörfer wachsen und die Menschen roden Felder, um sie für sich nutzen zu können. Dies führt zu Erosion und ausgetrockneten Flächen. Wilderei gefährdet den Tierbestand des Parks.
Die Tiere in Kenias Schutzgebiet Massai Mara sind bedroht
Einige Tierarten werden weniger im Massai Mara
Die Zahl der Wildtiere in Kenias Naturschutzgebiet Massai Mara, das jährlich tausende Touristen anzieht, ist drastisch zurückgegangen. Die Region gilt zusammen mit der im Nachbarland Tansania angrenzenden Serengeti als eines der beeindruckendsten Naturschutzgebiete in Ostafrika. Doch der Wildtierbestand in dem vermeintlichen Tierparadies ist langjährigen Zählungen zufolge zunehmend bedroht. Die Zahl der Giraffen, Kuhantilopen, Impalas und Warzenschweine hat in nur 15 Jahren "erheblich abgenommen", berichten kenianische Forscher im britischen Fachmagazin "Journal of Zoology". Grund für den Rückgang sei die zunehmende Anzahl menschlicher Siedlungen in dem Gebiet. Die Dorfbewohner nutzen den bisherigen Lebensraum der Tiere als Acker- und Weideland.
Im Vergleich zu 1989 gab es laut Zählung Rückgänge von 95 Prozent bei Giraffen, 80 Prozent bei Warzenschweinen, 76 Prozent bei Kuhantilopen und 67 Prozent bei den Impalas. Die Forscher des International Livestock Research Institute (ILRI) in Nairobi hatten insgesamt sieben Huftierarten des Masai Mara Nationalparks zwischen 1989 und 2003 monatlich überwacht. Finanziert wurde die Studie von der Umweltstiftung WWF (World Wide Fund for Nature).
Nach Aussagen der Forscher decken sich die dokumentierten Einbrüche mit früheren Studien, die dramatische Rückgänge bei den im Reservat einstmals reichlich vorhandenen Gnus, Gazellen und Zebras aufzeigten. "Die von uns dokumentierte Situation zeichnet ein düsteres Bild. Wenn wir dieses Kleinod der Natur vor der Katastrophe retten wollen, sind sofortige, einschneidende Maßnahmen unumgänglich", sagte Joseph Ogutu, der Hauptautor der Studie.
Die Veränderung der Lebensweise der in der Region heimischen Massai, die ursprünglich nomadisierende Viehzüchter waren, aber zunehmend sesshaft werden und Landwirtschaft betreiben, führe zu Konflikten zwischen Menschen und Tierwelt: "Die Tiere wandern ständig zwischen dem Reservat und den umliegenden Ranchlands hin und her. Dabei müssen sie zunehmend mit den rings um die menschlichen Siedlungen anzutreffenden Viehherden und ausgedehnten Anbauflächen um ihren Lebensraum konkurrieren." Zudem stellten die Wissenschaftler fest, dass vor allem in Zeiten der Dürre die Dorfbewohner ihr Vieh trotz Verbots im Nationalpark grasen lassen.
Niekisch: Ohne Grzimek wäre die Serengeti heute ein Acker
Der Zustand der Serengeti sei Verdienst Grzimeks
Ohne die Arbeit von Bernhard Grzimek wäre die afrikanische Serengeti nach Überzeugung von Grizmeks Nachfolger Manfred Niekisch für den Naturschutz verloren gegangen. "Die Serengeti wäre nicht mehr eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete der Erde, sondern wahrscheinlich durch Ackerbau und Viehzucht erodiert", sagte Niekisch, Nachfolger Grzimeks als Frankfurter Zoodirektor und Professor für Internationalen Naturschutz. Auch der Frankfurter Zoo und die Zoologische Gesellschaft wären nicht das, was sie heute sind - "wenn es sie überhaupt noch gäbe".
In seinem unermüdlichen und erfolgreichen Einsatz für den Naturschutz sei Grzimek, ein Vorbild für viele - "auch für mich ganz persönlich". Naturschützer brauchten heute wie früher Fachwissen, Geld, Durchhaltevermögen und vor allem Optimismus, sagte Niekisch. "Unsere Arbeit ist sehr viel politischer geworden." Zwar gehe es immer noch um Jaguare, Gnus und Wale, aber sie seien heute weniger das eigentliche Ziel des Schutzes, sondern Leitarten und Anzeiger für den Zustand der Ökosysteme und den Erfolg von Schutzmaßnahmen. "Naturschutz ist kein Selbstzweck, sondern bedeutet heute die Sicherung der Lebensgrundlagen der Menschheit."
Seit Grzimeks Zeiten habe sich das Artensterben dramatisch beschleunigt, hinzu komme der Klimawandel, sagte Niekisch. "Wir sehen, wie der Mangel an natürlichen Ressourcen Kriege auslöst und schlimme, armutsbedingte Wanderbewegungen von Menschen in Entwicklungsländern." Der internationale Naturschutz müsse die entwicklungspolitischen Dimensionen erkennen und Entwicklungshilfe müsse viel stärker die ökologischen Grundlagen und Grenzen menschlicher Existenz berücksichtigen. "Die globale Umweltkrise, verursacht durch Verlust an biologischer Vielfalt und Klimawandel, erfordert ein globales Denken und Handeln", sagte Niekisch. Dafür fehle nicht das Wissen, sondern der politische Wille.
"Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise zeigt ja, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher." Hier liege die große Chance, endlich zu wirklich nachhaltigen Systemen zu kommen, im Energie- und Mobilitätssektor ebenso wie im Bankenwesen und anderen Branchen. "Damit erreichen wir langfristig sehr viel mehr für Gelbbauchunke, Tiger und Regenwald als mit lokalen Rettungsaktionen." Grzimek habe die Bedrohungen erkannt und sie bekämpft. Noch heute sei er unter den Naturschützern überall auf der Welt bekannt, interessanterweise auch bei den jüngeren. Viele habe er geprägt.


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Der Serengeti-Nationalpark

Bernhard Grzimek war kein netter Onkel vom Fernsehen

17.02.2000, zuletzt aktualisiert am 23.04.2009 / jus mit Material der dpa
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