"Wenn das Methanhydrat schmilzt, kann man es nutzen"
Wissenschaftler sehen mit Sorge, dass das "brennende Eis" zu schmelzen beginnt
"Brennendes" Eis ist Energieträger und potenzieller Klimakiller
"Die Methanhydrate drohen zu schmelzen", weiß Klaus Wallmann vom Forschungsinstitut IFM Geomar und erwägt, ob man den energiereichen Stoff dann gleich abbauen könnte. Gerade in den Polregionen erwärmt sich das Wasser besonders schnell, was das "brennende Eis" destabilisiert. Die Kontinentalschelfe könnten so ins Rutschen geraten. Alternativ könne man das Treibhausgas Kohlendioxid auf den Meeresgrund pumpen und zum Feststoff verdichten, der die Hänge kittet.
Gashydrate sind Eis ähnliche, feste Substanzen, die nur bei hohem Druck und niedrigen Temperaturen stabil bleiben. Sie kommen im Meeresboden aller Ozeane oder im Permafrost von Polargebieten vor. Unter normalen Bedingungen auf der Erde zerfallen die Gashydrate relativ schnell. Forscher bezeichnen sie auch als brennendes Eis: Im Eis eingeschlossen steckt Gas, oft das leicht brennbare Methan. Der Eisklumpen ähnelt daher einem Grillanzünder.
Die Gasmoleküle sitzen eingekapselt im Kristallgitter des gefrorenen Wassers wie in winzigen Käfigen. Neben Methan enthalten die Hydrate 1,5 bis 3 Prozent Schwefelwasserstoff sowie Spuren von Ethan, Propan und Kohlendioxid. Das Gas Methan entsteht in der Tiefsee aus der Zersetzung von organischem Material. Übersteigt die Konzentration einen bestimmten Schwellenwert, kommt es im Wasser bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt zur Ausbildung der Hydrate.
Angesichts der sich erwärmenden Ozeane schmelzen viele dieser Energiespeicher und setzen Methan frei. An der Atmosphäre wirkt es wie ein starkes Treibhausgas. Zerfallendes Gashydrat kann auf Hängen am Meeresboden Rutschungen verursachen, die in Küstengebieten zu verheerenden Flutwellen führen. Außerdem wird das brennbare Eis mit Kraterbildung, Erdbeben, Schiffsuntergängen und Flugzeugabstürzen in Verbindung gebracht.
Schätzungen zufolge sollen die Energievorräte in den Methanhydraten die sämtlicher Kohle-, Erdöl- und Erdgasvorkommen der Erde weit übertreffen. Lagerstätten gibt es weltweit. Die erste wissenschaftliche Beschreibung stammt aus dem Jahr 1811, doch erst in den 1960er Jahren wurden die ersten Vorkommen entdeckt.


Methanhydrat - Brennendes Eis


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20.12.1999, zuletzt aktualisiert am 03.11.2008 / mp mit Material von dpa
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