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Hier sitzt das Glück - für Biochemiker lässt sich das Gefühl chemisch erklären
Glück ist Chemie
Nervenzellen im Hirn schütten Dopamin aus
Bei Vorfreude produzieren Nervenzellen im Mittelhirn Dopamin, das am Ende einer Signalkette für ein Glücksgefühl sorgt.
Es gelangt in den vorderen Hirnbereich und den Nucleus accumbens, wo das Hormon die Aufmerksamkeit erhöht. Damit sitze das Glück "unter der Schädeldecke zwischen Großhirn und Hirnstamm", sagt der Bremer Neurobiologe Prof. Gerhard Roth, "denn dort ist das limbische System." Dort werden alle Sinneseindrücke gespeichert und in gut und schlecht sortiert. Führt eine bestimmte Verhaltensweise zum Erfolg, belohnt das Gehirn durch die Ausschüttung von Endorphinen, körpereigene mit Opiaten vergleichbare Drogen.

Dopamin wird auch als "Glückshormon" bezeichnet, da es an der Entstehung von Glücksgefühlen beteiligt ist. Dopamin ist ein Botenstoff des Nervensystems, der die Nervenzellen erregt oder hemmt. Der Botenstoff spielt aber auch eine Schlüsselrolle bei der Parkinsonschen Krankheit: Ist zu wenig Dopamin in einigen Bereichen des Gehirns vorhanden, wird die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen gestört, so dass Menschen die Kontrolle über ihre Muskeln verlieren.

Temperament kann von Dopamin abhängen
Das Temperament jedes Menschen ist möglicherweise von der Konzentration nur dieses einen Botenstoffs im Gehirn abhängig. Der Nervenbotenstoff Dopamin beeinflusst die Aktivität der Gehirnstruktur Amygdala, wie eine Studie am Berliner Universitätsklinikum Charité ergab. Menschen mit einer höheren Dopamin-Konzentration in der Amygdala reagierten in der Untersuchung ängstlicher als Menschen mit einer geringeren Konzentration. Daraus schlussfolgert das Team um den Psychiater Andreas Heinz, dass die Dopaminmenge im Gehirn wahrscheinlich darüber entscheidet, ob ein Mensch eher ruhig und gelassen ist - oder ängstlich und gestresst reagiert.

Die Wissenschaftler zeigten den Studienteilnehmern Bilder mit positiven und negativen Reizen. Dazu gehörten beispielsweise Fotos von einem Autounfall oder einem Raubüberfall. Parallel dazu maßen die Forscher die Aktivität der Amygdala. Sie ist im Wesentlichen für die Entstehung von Angst verantwortlich.

"Je höher die Dopamin-Konzentration in der Amygdala war, desto stärker reagierte diese auf negative Reize wie Bilder von einem Autounfall", erklärte Thorsten Kienast von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Charité-Campus Mitte. Je stärker jedoch die Amygdala reagierte, desto ängstlicher reagierten die jeweiligen Menschen.

"Die Dopaminmenge ist bei jedem Menschen unterschiedlich", sagte der Psychiater und Psychotherapeut Kienast. Wer also relativ viel dieses Botenstoffes im Gehirn habe, reagiere auf bestimmte Reize vermutlich generell ängstlicher als andere.

Ob sich die Dopaminkonzentration jedes Menschen im Laufe des Lebens verändert, ist laut Kienast noch unklar. Möglicherweise sinkt sie im Alter. "Das wiederum könnte erklären, warum ältere Menschen allgemein als ruhiger und weiser gelten", sagte er. Das müsse aber erst noch genauer erforscht werden.

Ernährungspsychologie
Glück nach dem Essen
"Serotonin aus dem Essen kommt gar nicht ins Gehirn, wo es eine glücklich machende Wirkung haben könnte", sagt der Mediziner Thomas Ellrott.
Glossar
Dopamin - anregendes Hormon
Dopamin ist ein anregendes Hormon, das Signale zwischen Neuronen weiterleitet, statt sie zu hemmen. Es steuert emotionale sowie geistige Reaktionen und sorgt für die Vermittlung von der Vorstellung einer Bewegung, bevor sie umgesetzt wird.
Literatur
Burke KA et al (2008) The role of the orbitofrontal cortex in the pursuit of happiness and more specific rewards. Nature 454: 340 - 344