Meeresschildkröte © dpa Video
Vor allem bei Reptilien ist die Lage bedrohlich, heißt es in der "Roten Liste"
61.900 Tier- und Pflanzenarten bedroht
Rote Liste bedrohter Spezies weiter angewachsen
Die Zahl der bekannten vom Aussterben bedrohten Arten hat sich binnen eines Jahres um gut 300 auf 3879 erhöht.
Die Zahl der Przewalski-Pferde hat sich von 2010 nach 2011 um 300 auf 3879 erhöht. © dpa Lupe
Der Iberische Luchs gehört zu den bedrohten Tierarten. © dpa Lupe
Nur der Magdeburger Zoo zieht Riesenohrspringmäuse nach. In der Mongolei steht diese Tierart auf der Roten Liste. © dpa Lupe

Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat für die Neubewertung ihrer Roten Liste allerdings mit 61.900 Arten auch weit mehr Tiere und Pflanzen erfasst als noch 2010. Damit werde die Aufstellung immer mehr zu einem umfassenden "Barometer des Lebens", hieß es in der Mitteilung der IUCN.

Westliches Spitzmaulnashorn offiziell ausgestorben
Nashornnachwuchs © dpa Lupe
Es gibt wieder mehr Südliche Breitmaulnashörner
"Dieses Update zeigt beides, gute und schlechte Nachrichten, zum Status vieler Arten weltweit", wurde Jane Smart, Direktorin des "IUCN Global Species Programme", zitiert. Jedes vierte Säugetier ist der Liste zufolge gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Schlimm sei die Situation etwa bei den Nashörnern: Das westliche Spitzmaulnashorn sei nun auch offiziell für ausgestorben erklärt, die Unterart nördliches Breitmaulnashorn werde als möglicherweise ausgestorben geführt.

"Die Rote Liste ist so etwas wie die Fieberkurve unserer Artenvielfalt und sie zeigt, dass es dem Patienten immer schlechter geht", erklärte Stefan Ziegler, Artenschutzexperte beim WWF Deutschland, in einer Mitteilung. "Es gelingt nicht einmal, den Artenschwund zu verlangsamen. Ganz im Gegenteil geht es immer mehr Arten an den Kragen."

Mehr als jede sechste Mangrovenart weltweit ist vom Aussterben bedroht. © IUCN, Haroldo Castro Lupe
Auch das Graugesichtige Rüsselhündchen gehört zu den bedrohten Tierarten. © dpa Lupe

Es gebe aber auch Erfolgsgeschichten, hieß es bei der IUCN. So sei der Bestand der südlichen Breitmaulnashörner von 100 zum Ende des 19. Jahrhunderts auf mehr als 20.000 angewachsen. Auch von den Przewalski-Pferde lebten wieder mehr als 300 in freier Wildbahn. Sie seien auf "stark gefährdet" herabgestuft worden. "Diese Erfolge zeigen, dass sich der Aufwand lohnt und in der Wildnis ausgestorbene oder stark bedrohte Tierarten gerettet werden können", so Ziegler.

Alarmierend sei weiter vielfach die Situation bei den Reptilien, teilte die IUCN mit. Auf Madagaskar seien mittlerweile 40 Prozent der landlebenden Reptilien-Arten gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Neben Wirbeltieren sind weltweit auch viele Pflanzen betroffen. Die chinesische Wasserfichte etwa war früher weit verbreitet in China und Vietnam. Sie wurde nun als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Ursache sei vor allem die Umwandlung von Wald in Ackerfläche, hieß es.

Glossar
Biodiversität
"Die Biodiversität gehört zur Lebensqualität der Menschen", sagt der Zoologe Michael Türkay vom Forschungsinstitut Senckenberg.
Links
Die Rote Liste bedrohter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN)
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