Mit Hightech gegen Niesattacken und triefende Nasen
Neues Messgerät ermöglicht präzisere Pollenflugvorhersagen vom Wetterdienst
Ein neuartiges Messgerät, dessen Prototyp der Deutsche Wetterdienst (DWD) und beteiligte Wissenschaftler in Freiburg vorstellten, soll die Blütenpollen-Prognosen verbessern und den Alltag von Allergikern erleichtern. Pollen und Pilzsporen werden rund um die Uhr vollautomatisch gesammelt, präpariert und identifiziert. Nachdem die Staubpartikel mikroskopisch erfasst sind, nimmt der Computer eine Art Fingerabdruck und vergleicht ihn mit den gespeicherten Referenzdaten.
Mit den Daten wird anschließend die Wettervorhersage des DWD gefüttert, um eine präzise Pollenflugprognose zu erstellen. Grundlage ist ein an der Universität Freiburg entwickeltes Verfahren zu Erkennung von dreidimensionalen biologischen Strukturen.
Bei der Identifizierung machen sich die Experten nach Auskunft von Hans Burkhardt von der Uni Freiburg zwei Eigenschaften der Pollen zunutze: die kugelförmige Form und die Eigenschaft, bei Bestrahlung mit ultraviolettem Licht grün zu leuchten. In Labortests hat das neue Messgerät bereits 90 Prozent der Pollen richtig erkannt, wie Albrecht Brandenburg vom Fraunhofer-Institut für Physikalische Messechnik hinzufügt. Allerdings zeigt es noch einige Schwächen, beispielsweise wenn Dreck an Pollen kleben oder mehrere Pollen zusammenklumpen.
Wolfgang Kusch, Vizepräsident des DWD, spricht dennoch von einem "Meilenstein". Nächstes Ziel sei nun der Aufbau eines bundesweiten Messnetzes. "Damit kann die Lebensqualität von Millionen Pollenallergikern in Deutschland entscheidend verbessert werden", betont Kusch.
Die Leistungsfähigkeit der Heuschnupfen-Geplagten ist deutlich eingeschränkt. Zwar lassen sich die lästigen Symptome durch Augentropfen, Nasensprays und Tabletten oder kortisonhaltige Medikamente mildern. Viele Pollenallergiker verzichten aber darauf und versuchen statt dessen, ihre Lebensweise dem Pollenflug anzupassen. Nicht jeder kann in pollenarme Gegenden, etwa auf die Berge oder an die See flüchten. "Im Alltag versuchen viele Betroffene, heikle Tageszeiten nicht im Freien zu verbringen", weiß Kusch.
Deshalb seien sie auf schnelle und genaue Informationen angewiesen. Möglicherweise könnten sie künftig auch ganz ohne oder zumindest mit weniger Medikamenten leben, hofft der Wetterexperte.
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16.03.2005 / afp / mp
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