Zahl der Organspender in Deutschland stark gesunken
Im Durchschnitt sterben täglich drei Menschen, die noch auf ein Organ warten
Nur noch 15 Organspender pro einer Million Einwohner  © dpa
Ungeachtet aller Aufrufe zum Organspenden ist die Zahl der Spender in Deutschland 2008 erstmals seit Jahren deutlich zurückgegangen. "Wir werden unter 15 Spendern pro einer Million Einwohner liegen", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Günter Kirste, am 8. Januar 2009. 2007 habe es noch 16 Spender pro einer Million Einwohner gegeben. Jeden Tag sterben im Schnitt drei Menschen, die auf der Warteliste für Organe stehen.
Die FDP verlangte eine Erleichterung von Lebendspenden. Die Bundesregierung rief die Länder zur flächendeckenden Einsetzung von Transplantationsbeauftragten auf. 12.000 Menschen in Deutschland warten auf ein Organ. Nach einem kontinuierlichen Zuwachs seit 2004 hatten 2007 insgesamt 1313 Menschen nach ihrem Tod 4139 Organe gespendet.
In Belgien, den USA, Österreich, Frankreich, Italien und Finnland gibt es mehr als 20 Organspender pro Million Einwohner, beim Spitzenreiter Spanien sind es mehr als 30. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) fordert die Menschen seit Jahren zum Verstärkten Ausfüllen von Spendenausweisen auf, wie ihr Sprecher Klaus Vater betonte.
Kirste verlangte durchgreifende Reformen vom Gesetzgeber, von den Ländern sowie von der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. "Wir müssen in Deutschland endlich die Verantwortlichkeiten klären." Als "organisierten Blödsinn" kritisierte er die Vorgabe des Transplantationsgesetzes der Organspende als Gemeinschaftsaufgabe. "Dahinter kann sich jeder verstecken."
Große Kliniken sollen Mitarbeiter für Organspenden stellen
In Kliniken sollen mehr auf Oragnspenden hinweisen
"Nachholbedarf" sieht das Schmidt-Ressort bei Transplantationsbeauftragten in zur Organentnahme geeigneten Kliniken. "Dafür müssen die Länder sorgen", sagte Vater. "Die Beauftragten brauchen eine klare Funktion, Kompetenzen und eine entsprechende Vergütung." DSO-Vorstand Kirste forderte nach spanischem Vorbild, in allen großen Kliniken müsse es ausschließlich für die Koordination der Organspende und für die Gespräche mit den Angehörigen zuständige Mitarbeiter geben. Heute werde dies ausgelasteten Intensivmedizinern aufgebürdet.
FDP-Fraktionsvize Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte vom Gesetzgeber eine "umsichtige Erleichterung" der heute nur in engen Grenzen zugelassenen Lebendspende. Die Politikerin kritisierte, Überkreuzspenden gebe es heute nur in rechtlichen Grauzonen. Dabei werde zwei Paaren die wechselseitige Transplantation ermöglicht, wenn sie wegen Unverträglichkeit nicht dem jeweiligen Partner, aber dem Partner eines anderen Leber oder Niere spenden können. Organhandel müsse ausgeschlossen bleiben, betonte Leutheusser-Schnarrenberger.
Die SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann sprach sich für eine Steigerung der Zahl potenzieller Spender mittels Gesundheitskarte aus. "Man muss heute eine hohe Motivation haben, um seine Bereitschaft durch einen eigenen Ausweis zu dokumentieren", sagte sie. "Ja oder Nein zur Spende könnte künftig auf der Gesundheitskarte gespeichert werden." Ähnlich hatte sich Schmidt geäußert.
Zu den aktuellen Gründen für den Spenderrückgang 2008 zählte Kirste "unsägliche Debatten" über eine angebliche Bevorzugung von Privatpatienten sowie Unsicherheiten in Kliniken aufgrund der Änderung des Gewebegesetzes.
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07.03.2005, zuletzt aktualisiert am 09.01.2009 / afp / mp, jus
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