Eine breite Palette von Dopingmitteln im Radsport
Radsportler greifen zu Erythropoietin, Wachstumshormone oder Blutdoping
Die Tour de France hat ihren Ruf weg
Doping im Radsport habe "massiv zugenommen", meint Dr. Wolfgang Stockhausen, ehemaliger Mannschaftsarzt des Bunds Deutscher Radfahrer 2004. "Die Mittel sind wirkungsvoller geworden." Die Palette umspanne Erythropoietin, Wachstumshormone wie "Human Growth Hormon" und den "Insulin-like Growth Factor". Ein neuer Trend sei das Blutdoping: Transfusionen erhöhen die Anzahl der roten Blutkörperchen und die Sauerstoff-Versorgung, bringen aber fremde Proteine mit sich - und die Gefahr von Allergien.
"Jede Übertragung von Fremdeiweißen bedeutet die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks der im Extremfall zum Tode führen kann", so Stockhausen. Um das Blut geht es auch im Falle des Epo: Das Hormon wird zu Behandlung von Blutkrankheiten in Form einer unterentwickelten körpereigenen Produktion von roten Blutkörperchen eingesetzt.
Rote Blutkörperchen sind feste Blutbestandteile, die den Sauerstoff im Blut binden und ihn an die Zellmembranen der Muskelfasern transportieren. "Das Gefühl, das beschrieben wird, ist wie ein Gasgriff am Fahrrad: Das Gefühl der Anstrengung fehlt." Epo hat zugleich den Nachteil, dass es das Blut verdickt und damit thrombotische Zustände auslösen kann, die zum Herzinfarkt führen können. Erstmals wurde bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney auf Erythropoietin (EPO) gestestet. Bei diesem Hormon handelt es sich um eine Substanz, die im Körper gebildet, aber auch synthetisch hergestellt werden kann.
Mit der Kombination aus dem in Frankreich entwickelten Urintest und den in Australien entwickelten Bluttests kann erstmals verlässlich zwischen körpereigenem und synthetischen Epo unterschieden werden.
Darum wird Epo jetzt oft in der Vorbereitungsphase gegeben, wo Kontrollen wenig wahrscheinlich sind - der Effekt hält dafür bis zur Tour an. "Bei der Tour selbst", so Prof. Wilhelm Schänzer, "kann man sicherlich nur Substanzen einsetzen, die im Augenblick nicht nachweisbar sind wie Wachstumshormone und Insuline." Doch: "Wachstumshormone fördern die Zellteilung, darum heißen sie ja auch Wachstumshormone. Jede Zellteilung birgt in sich das Risiko einer Entartung. Das führt zu einem vermehrten Auftreten von Tumoren und zu einer kürzeren Lebenserwartung."
Doping greift aber nicht nur den Körper an, sondern auch die Psyche: Viele ehemalige Radprofis leiden an schweren Depressionen und geraten so in einen Teufelskreis.
Doping im Sport: Jeder Preis für den Erfolg ist recht

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08.07.2004, zuletzt aktualisiert am 14.07.2008 / mp
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