Vogelgrippe auf dem Vormarsch: ein Grund zur Panik?
Geflügelpest ist eine besonders schwere Form der Aviären Influenza
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Die Geflügelpest ist eine besonders schwere Form der Aviären Influenza, die von Viren übertragen wird und vor allem Hühner und Puten befällt. Sie verläuft für 80 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere tödlich. Übertragen wird die Seuche von Tier zu Tier, über den Kot oder Pfleger sowie durch die Luft. Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt meist drei bis 14 Tage. Für einen akuten Fall sind die Anzeichen in Abhängigkeit von der Verlaufsform unterschiedlich.
Gefährliche Tierseuchen versammeln sich auf Riems
Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit oder auch Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) spielt in Sachen Vogelgrippe eine zentrale Rolle in Deutschland. In Hochsicherheitslaboren erforschen Wissenschaftler die gefährlichsten Tierseuchen wie Maul-und-Klauen-Seuche oder Vogelgrippe. Die Experten sind unter anderem dafür zuständig, Proben von verdächtigen Vögeln zu untersuchen und Erreger nachzuweisen. Das FLI arbeitet intensiv daran, neuartige Impfstoffe für Nutzgeflügel zu entwickeln.
Vogelgrippe bei Zuchtgeflügel in Tschechien aufgetreten
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Das auch für Menschen gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 ist erstmals auf einem Geflügelhof in Tschechien aufgetreten. Es sei auf einer Truthahnfarm des tschechischen Ortes Tisova nachgewiesen worden. Dies ist in diesem Jahr der dritte Ausbruch der Vogelgrippe in der EU. Rund 1800 der ursprünglich 6000 Tiere auf der Truthahnfarm seien bereits verendet.
Menschliche Antikörper schalten H5N1 bei Mäusen aus
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Menschliche Antikörper können Mäuse gegen die tödliche Vogelgrippe immun machen. Wie es in einer am Dienstag, den 29. Mai 2007 veröffentlichten Studie des Schweizer Instituts für biomedizinische Forschung heißt, wurden Antikörper von Menschen verwendet, die eine Infektion mit dem gefährlichen H5N1-Virus überlebt haben. Die Antikörper hätten bei den Mäusen "sofort eine kurzzeitige Immunität" erzeugt, sagte Studien-Ko-Autor Antonio Lanzavecchia.
Hybrid von H5N1 und Grippevirus vermehrt sich schlecht
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Die Gefahr einer Pandemie bei der Kreuzung des Vogelgruppevirus H5N1 mit einem menschlichen Grippevirus ist geringer als bisher gedacht. Forscher des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin haben herausgefunden, dass sich mögliche Kombinationen des Vogelgrippevirus mit einem menschlichen Virus nur schlecht vermehren oder in der Verbreitung gehemmt sind.
Virus H5N1 verbreitete sich vom südlichen China aus
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Das auch für den Menschen gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 hat sich vor allem vom Süden Chinas aus über die Welt verbreitet. Aus der Provinz Guangdong stammten mehrere der Varianten des Virus. Das Wissen, wie sich die Varianten in den vergangenen zehn Jahren entwickelten, helfe bei der Entwicklung von Strategien gegen die Vogelgrippe. Die Forscher um Robert Wallace und Walter Fitch von der Uni von Kalifornien hatten 192 Virus-Proben aus Asien und Europa genetisch analysiert.
Keine Entwarnung ein Jahr nach Vogelgrippe-Alarm
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Ein Jahr nach dem Ausbruch der Vogelgrippe gibt es zwar keine Anzeichen für einen neuen Alarm in Deutschland. Doch die Tierseuche ist erwiesenermaßen zurück in Europa. Zugvögel könnten den Virus nach Deutschland tragen: "Wir schätzen das Risiko hoch ein", sagt Thomas Mettenleiter vom Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit. "Wir wissen: Das Virus ist irgendwo in der Wildvogelpopulation um uns herum. Deshalb ist die Einschleppungsgefahr auch entsprechend hoch."
Jede fünfte Katze trägt H5N1 in Javas Vogelgrippearealen
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Jede fünfte Katze in den Vogelgrippegebieten auf der indonesischen Insel Java hat sich einer Studie zufolge bereits mit dem Virus H5N1 angesteckt und die Infektion überlebt. Katzen könnten eine größere Bedeutung für die Entwicklung des Virus haben als angenommen. In der ersten Studie dieser Art hat Chairul Anwar Nidom von der Universität in Surabaya Blutproben von 500 Straßenkatzen in der Nähe von Geflügelmärkten auf Java genommen und bei rund 100 Tieren H5N1-Antikörper gefunden.
Mutierter H5N1-Virus vielleicht resistent gegen Tamiflu
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Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) hat bei zwei verstorbenen Vogelgrippe-Patienten Mutationen des H5N1-Virus entdeckt, die den Erreger möglicherweise resistent gegen das gängige Mittel Tamiflu gemacht haben. Infolge dieser Veränderungen sei das Virus zwar nicht so ansteckend geworden, dass eine Pandemie drohe, erklärte die WHO am Donnerstag, 18. Januar 2007. Weitere solche Mutationen könnten allerdings die derzeitigen Behandlungsmethoden in Frage stellen.
Britische Forscher befürchten Resistenz gegen Tamiflu
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Der Mensch kann mit dem Grippe-Medikament Tamiflu nicht mehr behandelt werden, wenn man es zur Vorbeugung gegen die Vogelgrippe nimmt. 90 Prozent des Medikaments werden wieder ausgeschieden, haben britische Wissenschaftler aus Oxford berechnet. So gelangen Reste des Wirkstoffs ins Grundwasser, wo bereits Vogelgrippe-Viren warten, die sich dem Wirkstoff anpassen. Übers Trinken gelangen diese neuen Vogelgrippe-Viren zurück in die Vögel. Diese Varianten wären gegen Tamiflu immun.
Geflügelimpfungen haben die Vogelgrippelinie gestärkt
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Vogelgrippeimpfungen bei chinesischem Geflügel können einer US-Studie zufolge die gefährliche Viruslinie herangezüchtet haben. Die Vogelgrippe-Welle in Südostasien ist zum Großteil von einer Linie des Erregers H5N1/Asia verursacht, berichtet ein US-Forscherteam. Inzwischen hat der Erreger einen Großteil anderer Vogelgrippe-Viruslinien in der Region verdrängt - und ist seit Oktober 2005 für die meisten Erkrankungen von Mensch und Geflügel in der Region verantwortlich.
4800 Probanden testen einen möglichen H5N1-Impfstoff
Am Wittener Forschungszentrum Ruhr testet die Ärztin Alexandra Eckartz einen neuen Pandemieimpfstoff gegen den Vogelgrippe-Erreger H5N1. "Die bisherigen Studien haben gezeigt, dass man mit einer geringen Dosis eine Immunantwort bei 80 Prozent der Probanden erreicht", erläutert sie. Die herstellende Pharmafirma "Glaxo-Smith-Kline" (GSK) nannte die Versuche in Belgien an 400 Probanden einen "Durchbruch". Insgesamt erhalten jetzt in Europa 4800 Probanden den neuen Impfstoff.
Impfstoff-Entwickler hoffen auf den richtigen Prototypen
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Eine maßgeschneiderte Schutzimpfung gegen die gefürchtete Vogelgrippe-Pandemie kann erst entwickelt werden, wenn das Virus tatsächlich vorliegt. "Bisher gibt es nur Musterimpfstoffe, die noch an einen neuen Erreger angepasst werden müssen", sagt die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Institut in Langen, Susanne Stöcker. Alle Hersteller arbeiten derzeit an Prototypen, denn man weiß nicht, welcher Virus schlussendlich eine Pandemie auslösen könnte.
Mögliche Schwachstelle in Vogelgrippe-Virus gefunden
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Im Kampf gegen die Vogelgrippe haben britische Forscher eine Schwachstelle am auch für den Menschen gefährlichen Virus H5N1 entdeckt, die zu effektiveren Medikamenten gegen die Krankheit führen könnte. John Skehel und sein Team vom Londoner "National Institute of Medical Research" stießen auf eine Besonderheit auf der Hülle des Erregers. Dabei geht es um den Eiweißstoff Neuraminidase. Er hilft dem Virus, nach der Vermehrung aus Wirtszellen zu entkommen, um neue Opfer im Körper zu finden.
H5N1-Übertragung von Mensch zu Mensch bewiesen
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Bei einer indonesischen Familie ist laut Weltgesundheits-Organisation (WHO) erstmals die Übertragung der Vogelgrippe von Mensch zu Mensch nachgewiesen worden. Tests im Labor hätten dies ergeben, sagte der WHO-Sprecher Dick Thompson. Bislang habe es zwar bereits Hinweise auf Übertragungen von Mensch zu Mensch gewesen, doch seien die Wissenschaftler durch den Ausschluss anderer Übertragungsmöglichkeiten zu dem Schluss gekommen.
In Niederlanden begann Impfung von Freiland-Geflügel
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In den Niederlanden hat am Donnerstag, 16. März 2006 die Impfung von Hühnern gegen die Vogelgrippe begonnen. Geflügelzüchter können auf freiwilliger Basis und auf eigene Kosten die rund fünf Millionen frei laufenden Tiere impfen lassen. Tiere in kommerzieller Stallhaltung dürfen nicht geimpft werden. Den Hobbyzüchtern dagegen ist die Impfung ihrer insgesamt rund drei Millionen Hühner erlaubt. Die geimpften Tiere werden dann mit einem speziellen Ring gekennzeichnet.
H5N1 in Proben verendeter Tiere auf Geflügelfarm belegt
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Die Vogelgrippe ist erstmals in einem deutschen Nutztierbetrieb ausgebrochen. Das gefährliche Virus H5N1 wurde in Proben verendeter Tiere aus einer Geflügelfarm im sächsischen Mutzschen mit mehr als 10.000 Tieren nachgewiesen, wie das Sozialministerium in Dresden am 5. April 2006 bestätigte. In dem Betrieb sind etwa 20 tote Tiere gefunden worden. Nach Angaben des Ministeriums handelt es sich um den größten Geflügelzuchtbetrieb Sachsens. Alle Tiere sollten gekeult werden.
Bayerisches Labor entschlüsselt Gene von H5N1-Virus
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Erstmals sind die Gene des Vogelgrippe-Erregers H5N1 in Deutschland vollständig entschlüsselt worden. Der bayerische Verbraucherminister Werner Schnappauf (CSU) teilte am 4. März 2006 in München mit, dass jetzt H5N1-Viren der verendeten Wildvögel und Aasfresser miteinander verglichen werden können. Schnappauf erklärte, dass man möglichst viele entschlüsselte H5N1-Viren aus allen Regionen und Ländern braucht, um Ausbreitung und Mutation des Erregers nachzuvollziehen.
Vogelzug macht Vorhersagen zur Vogelgrippe unmöglich
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Der parallele Ausbruch der Vogelgrippe von Süditalien bis Südskandinavien ist wahrscheinlich auf den Vogelzug zurückzuführen. Infizierte Zugvögel, die aus östlichen Überwinterungsgebieten zurück nach Europa kommen, übertragen das Virus an heimische Vögel. Ob Vögel, die bald aus Afrika in ihr Sommerquartier zurückfliegen, auch infiziert sind, können Forscher nicht abschätzen. Dies erschwert die Prognose zur Entwicklung der Vogelgrippe in Europa.
H5N1 wird nur selten von Mensch zu Mensch übertragen
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Forscher haben eine mögliche Ursache gefunden, warum das gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 nur sehr selten von Mensch zu Mensch übertragen wird. Während menschliche Influenzaviren bevorzugt Zellen der oberen Atemwege befallen, nisten sich die Erreger der Vogelgrippe vor allem in den tiefen, feinsten Lungenverästelungen ein, wie Forschergruppen in den Fachjournalen "Nature" und "Science" berichten. Das Virus wird weniger leicht durch Husten oder Niesen verbreitet.
Vogelgrippevirus H5N1 ähnelt Grippe-Erreger von 1918
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Nach Angaben von US-Forschern ähneln Vogelgrippeviren den Grippe-Erregern von Menschen stärker als bislang angenommen. Es könnten schon wenige weitere Veränderungen der Protein auf der Oberfläche der Vogelgrippeviren reichen, um sie hochgefährlich für Menschen zu machen. Die Eiweiße des Virus H5N1 ähneln demnach denen der Erreger der Spanischen Grippe von 1918. Mit dem 1997 bei Enten isolierten ursprünglichen Vogelgrippevirus gibt es dagegen weniger Gemeinsamkeiten.
Verdacht auf Vogelgrippe bei Nutztieren in Deutschland
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In Deutschland gibt es erstmals einen Verdachtsfall auf Vogelgrippe in einem größeren Nutztierbetrieb. Bei Schnelltests an sieben verendeten Jungenten aus einem Geflügelbetrieb im nordbayerischen Landkreis Lichtenfels wurde Influenza-A festgestellt, wie das bayerische Umweltministerium am Montag, 13. März 2006 in München mitteilte. Das Friedrich-Loeffler-Institut solle nun herausfinden, ob es sich um das gefährliche Virus H5N1 handelt. Proben seien bereits auf die Insel Riems gebracht worden.
Zugvögel scheinen das Vogelgrippe-Virus zu verbreiten
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Angesichts der zunehmenden Vogelgrippefälle in Europa wächst laut Weltgesundheits-Organisation (WHO) die Gewissheit, dass Zugvögel das Virus verbreiten können. Dafür spreche auch, dass identifizierte Erreger in verschiedenen Ländern zum selben Stamm gehörten, sagte Michael Perdue vom WHO-Grippeprogramm. Damit könnte theoretisch die Gefahr geringer sein, dass das Virus durch Mutation direkt von Mensch und Mensch übertragbar wird. Bei einer Ansteckung unter Menschen wird eine Epidemie befürchtet.


Verbreitung der Vogelgrippe



Wildenten verbreiten die Vogelgrippe in Russland



Übertragungswege des Erregers



Vogelgrippe breitet sich weiter nach Westen aus



Über das Thema Vogelgrippe sprachen wir mit Prof. Sucharit Bhakdi vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Uni Mainz
Unser Gespräch vom 16. Januar 2006

Vogelgrippe breitet sich über Deutschland und Polen aus
Vogelgrippe kann Säugetiere nur schwer infizieren
Aus Sternanis oder Bakterien wird Grippemittel Tamiflu
Das Vogelgrippevirus mutiert, doch keine höhere Gefahr
Experten: "Vogelgrippe-Vorbereitung reicht nicht aus"
Nasenspray-Impfung soll gegen alle Grippenviren impfen
Keiner weiß, wie die Vogelgrippe nach Deutschland kam
Protein P2 soll Grippe-Universalimpfstoff ermöglichen
Vogelgrippevirus hat viele regionale Varianten entwickelt
Impfstoff verhindert die Infektion mit der Vogelgrippe
Eine Aminosäurekette macht H5N1-Virus so gefährlich
Weiterer Mensch in Indonesien an Vogelgrippe gestorben
Vogelgrippe-Virus H5N1 nähert sich dem Menschen an
Nach drittem Todesfall wächst Angst vor der Vogelgrippe
Zweiter Todesfall wegen der Vogelgrippe in der Türkei
Vogelgrippe kann resistent gegen Medikament werden
Impfen von Hühnern kann die Vogelgrippe eindämmen
Unep richtet ein Frühwarnsystem für Vogelgrippe ein
Erstmals Fotos von Vogelgrippevirus H5N1 veröffentlicht
Vogelgrippe kann sich unter "Impfdecke" verbreiten
Vogelgrippe-Virus aus Türkei vom gefährlichen Typ H5N1
Vogelgrippe-Virustyp H5 in Rumänien nachgewiesen
Europa rüstet sich allmählich gegen die Vogelgrippe
Einzug Vogelgrippe-infizierter Tiere unwahrscheinlich
Nachweis der Vogelgrippe-Infektion in nur vier Stunden
Experten befürchten Ausbruch einer Grippe-Pandemie
Vogelgrippe: Einschleppung ist unwahrscheinlich
Neuer Impfstoff gegen Vogelgrippe mit Erfolg getestet
Vogelgrippe-Virus in Sibirien als tödlich identifiziert
US-Forscher entwickeln Impfstoff gegen Vogelgrippe
Extrem aggressives Virus verursacht Vogelgrippe
China schlägt Alarm wegen Vogelgrippe bei Zugvögeln
Vogelgrippe-Fälle in Vietnam sind keine neue Epidemie
Vogelgrippe: Ansteckung auch von Mensch zu Mensch?
Katzen können Vogelgrippe auf Artgenossen übertragen
Vogelgrippe-Virus wird durch Mutationen gefährlicher
Vogelgrippe-Impfung gleicht Zeitbombe
Vogelgrippe-Genom entschlüsselt
Erreger der Vogelgrippe schon 1918
Geflügelpest bedroht Deutschland nur theoretisch
Mutation macht Vogelgrippe bedrohlich
Notfallplan in Deutschland?
Mit Gentech zum Gegenmittel
Noch keine Reisewarnung wegen Vogelgrippe
Ansteckungsgefahr nicht gestiegen

03.02.2004, zuletzt aktualisiert am 22.04.2007 / mp
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