Lachs Video
Ein Fisch kehrt heim: Fischtreppen sollen Zugang zu Laichgebieten frei machen
Freie Bahn für den Lachs
Der Fisch soll seine Laichgebiete wieder erreichen
Freie Fahrt für den Lachs im Rhein: Fischtreppen und offene Schleusen sollen auch den Oberlauf für den Fisch erreichbar machen.
Die Tore des Haringvliets im Delta sollen offen stehen, damit die Lachse nicht den Weg durch den Hafen von Rotterdam nehmen müssen. Eine der größten Fischtreppen wurde 1999 in Iffezheim (Kreis Karlsruhe) in Betrieb genommen. Nach Angaben des Fischereiverbandes sind die ersten ausgewanderten Fische direkt zu ihren Brutstätten am Oberrhein zurückgekehrt.

Die Laichgebiete liegen vor allem in den Nebenflüssen, weiß Biologe Dr. Detlev Ingendahl vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen. "Zwei Drittel der Laichareale des Lachses kann er schon erreichen, aber ein Drittel nicht wie am Oberrhein, in den französischen Rheinzuflüssen oder der Schweiz." Bereiche wie Talsperren würden den Lachsen verschlossen bleiben, meint Ingendahl: "Das wäre technisch zu aufwändig." Drei Viertel des Flusses sollte der Fisch aber zurückbekommen: "Dann könnten zwei- bis dreitausend Lachse zurückkehren."

Um 1900 galt der Lachs wegen seines starken Vorkommens noch als der "Brotfisch der Fischerei". Damals sind nach Angaben der Wissenschaftlerin Anne Schulte-Wülwer-Leidig von der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins bis zu 85.000 Tonnen Lachs pro Jahr im Rhein gefangen worden. "Lachs war das Arme-Leute-Essen."

Warmes Wasser bremst Lachse in ihrer Wanderung
Bereits drei Mal sei der Rhein wärmer als 28 Grad gewesen, warnt der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). Bereits ab 25 Grad drohten Schäden am Ökosystem. Lachse, die im Sommer den Rhein aufwärts schwimmen, stellen beispielsweise bei 25 Grad ihre Wanderung ein. "Bei derart hohen Wassertemperaturen müssen alle Möglichkeiten der Rückkühlung und von Kühltürmen ausgeschöpft sowie die Kraftwerke heruntergefahren werden", betonte der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende des BUND, Holger Schindler.

Die BUND-Studie "Wärmelast Rhein" hatte ergeben, dass die Abwärmeeinleitungen aus Kraftwerken, Industriebetrieben und Kläranlagen im Einzugsgebiet des Rheins mehrere 10 000 Megawatt (MW) betragen. Absolute Spitzenreiter im negativen Sinne seien die beiden Atomreaktoren im französischen Fessenheim. Sie besitzen laut BUND keine Kühltürme und heizen allein mit annähernd 4000 MW das Wasser des Rheinseitenkanals um mehr als zwei Grad auf.

Von der "Kloake Europas" zum Vorzeigefluss
"Wir haben wieder die Wasserqualität wie vor 100 Jahren", sagt Marc Braun, Chemiker bei der Internationalen Kommission zum Schutze des Rheins (IKSR) mit Sitz in Koblenz. Anfang der 1970er Jahre, auf dem Höhepunkt der Rheinverschmutzung, bezeichnete die Presse den Strom als "die Kloake Europas". Die Sauerstoffsättigung war gefährlich abgesackt, viele Fische starben. Kein Wunder bei einer der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt, an der sich Industriebetriebe, darunter die Chemiegiganten BASF und Bayer, aneinander reihen. 50 Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet, in dem auch ganz Rheinland-Pfalz liegt. Nach Baden-Württemberg hat es mit 290 Kilometern den größten Uferanteil aller anliegenden Bundesländer. Die Rheinverschmutzung der frühen siebziger Jahre gab den Anstoß für den Bau zahlreicher Kläranlagen.

1986 gab es einen schweren Rückschlag für "Vater Rhein": Bei Basel gerieten 1 300 Tonnen Agrarchemikalien der Firma Sandoz in Brand. Das Wasser färbte sich blutrot, Fische und Krebse starben. Bis zur Loreley wirkte sich das Unglück aus. Erschrocken einigten sich die Rheinanlieger-Staaten auf ein umfangreiches "Aktionsprogramm Rhein", um die Wasserqualität so weit zu verbessern, dass zum Beispiel der verschwundene Lachs wieder zurückkehren könnte.

Glossar
Rhein
Der 1230 Kilomter lange Rhein ist Deutschlands meistbefahrene Wasserstraße. Den Kölner Raum passieren täglich 200 Motorschiffe.
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