In der Kanalisation
Wissenschaftler finden immer mehr Medikamentenrückstände im Abwasser
Multiresistente Keime und Arzneien im Wasser
Hinterlassenschaften der Krankenhäuser auffangen
Multiresistente Keime gelangen mit dem Abwasser in die Natur, hat der Mainzer Mediziner Wolfgang Kohnen festgestellt.
"Wir müssen die Übertragung über das Wasser unterbrechen." Der Karlsruher Umweltmikrobiologe Dr. Thomas Schwartz sagt: "Es war klar, dass wir in Abwassersystemen von Krankenhäusern oder Kläranlagen solche Resistenz-Gene nachweisen können, aber dass wir diese Resistenz-Gene vor allen Dingen auch im Trinkwasserbereich nachweisen können, hat uns sehr überrascht."


Viele Medikamente gelangen ins Abwassersystem
Krankenhausflur
Aus dem Krankenhaus in die freie Wildbahn
Auch Medikamentenrückstände gelangen vor allem durch die menschlichen Ausscheidungen ins Abwasser und können von den Kläranlagen in den geringen Konzentrationen nicht ausreichend gefiltert und gereinigt werden. Ein Problem ist aber dem Bundesumweltamt zufolge auch, dass unwissende oder allzu bequeme Verbraucher nicht eingenommene oder abgelaufene Medikamente einfach in der Toilette entsorgen. Forscher haben im Trinkwasser mehrfach zehn Wirkstoffe aus Arzneimittelrückständen nachgewiesen: den Blutfettsenker Bezafibrat, das Antirheumatikum Diclofenac, Röntgenkontrastmittel oder das Antischmerzmittel Ibuprofen.


Forscher können nicht sagen, wie groß die Gefahr ist
Mann entnimmt Wasserproben
Genauere Analysen werden noch mehr aufzeigen
Verbesserte Analysemethoden würden künftig wohl Rückstände weiterer Arzneien zutage fördern. "Die nachgewiesenen Mittel im Trinkwasser sind zwischen 100 und eine Million Mal niedriger als die verschriebene Tagesdosis", erklärt Dieter. Das bedeute aber nicht, dass sie unbedenklich seien: "Eine Quantifizierung des Risikos auf einer wissenschaftlich fundierten Grundlage ist noch nicht möglich. Ich sehe hier unbedingt mehr Forschungsbedarf." Vor allem die Wirkung, die sich ergeben könne, wenn Verbraucher viele Jahre lang mehrere Wirkstoffe gleichzeitig in geringen Konzentrationen über das Trinkwasser zu sich nähmen, sei noch unklar.



Umweltbundesamt:Medikamenten-Inhalte prüfen
Labortests
Das Umweltbundesamt sähe gerne mehr Tests
Mensch, Tier und Pflanze nehmen über das Trinkwasser einen Cocktail der unterschiedlichsten Wirkstoffe von Medikamenten auf. Diese Mischung bedeute allerdings keine akute Gefahr für den Menschen, erklärten Experten vom Umweltbundesamt (UBA) Mitte 2003 in Berlin. "Wir wollen nur ohne jeden Alarmismus aufzeigen, wo künftige Probleme entstehen" betonte UBA-Präsident Andreas Troge. Allerdings seien dringend Leitlinien zur Umweltbewertung neu zugelassener Arzneimittel nötig, forderte er. Die in Medikamenten enthaltenen Wirkstoffe gelangten meist unverändert über den menschlichen oder tierischen Organismus in die Kläranlagen und von dort ins Oberflächengewässer. "Viele Mittel sind chemisch außerordentlich stabil", sagte Troge.



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