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Jeder vierte Deutsche hat schon einmal unter störenden Ohrgeräuschen gelitten
Das Pfeifen in den Ohren
Ablenkungs- und Entspannungstraining kann helfen
Für Menschen, die an chronischem Tinnitus leiden, könnte ein Hörgerät hilfreich sein. Umweltgeräusche sind dadurch besser zu hören.
Der Tinnitus wird in den Hintergrund gedrängt. Heilbar ist das ständige Pfeifen in den Ohren jedoch nicht. "Den chronischen Tinnitus können wir mit den derzeitigen Behandlungsmethoden nicht wegzaubern", sagt Prof. Gerhard Goebel. "Aber wir können den Patienten dazu führen, dass er die Angst vor seinen Ohrgeräuschen verliert, sie immer weniger beachtet und immer öfter vergisst. Das ist ein Ziel, das die meisten Patienten erreichen können."

Duch Gestaltungstherapien sollen die Patienten ihren Tinnitus vergessen, wenn sie beispielsweise Bilder malen. Auch Ablenkungs- und Entspannungstraining können helfen, die Geräusche zu vergessen.

Tinnitus lässt sich durch Magnetfelder unterdrücken
"Forscher haben herausgefunden, dass bei Tinnitus-Patienten bestimmte Areale des Gehirns überaktiv sind", sagt der Psychiater Christian Plewnia. Wenn man diese Hirnregionen mit starken Magnetfeldern anrege, könnten die Nervenzellen nicht mehr richtig arbeiten. "Dadurch lässt sich der Tinnitus vorübergehend unterdrücken." In Testreihen gelang es Tübinger Forschern 2005, je nach Dauer der Magnetstimulation den Tinnitus zwischen einigen Sekunden und einer halben Stunde abzuschwächen. "Bei einer täglichen Stimulation lässt sich das Ohrenpfeifen zwar zum Teil länger anhaltend, aber leider noch nicht im gewünschten Maße reduzieren", sagt Plewnia.

Jeder vierte Deutsche hat nach Angaben der Deutschen Tinnitus-Liga schon einmal unter störenden Ohrgeräuschen gelitten. Bei vier Millionen Menschen in Deutschland ist der Tinnitus chronisch. Die Hälfte davon leidet infolge des ständigen Pfeifens unter Schlafstörungen, Depressionen und Konzentrationsschwierigkeiten. Aufgrund der zunehmenden Lärm- und Stressbelastung steigt die Zahl der Neuerkrankungen an.

Nach Disko-Besuch sollte Gehör geschont werden
Nach einer extremen Beschallung etwa bei einem Konzert oder in einer Diskothek sollte sich das Gehör acht bis zehn Stunden erholen dürfen. "Erholen heißt: kein laufender Fernseher, keine Musik, auch kein Radio im Hintergrund, möglichst nicht oder nur kurz telefonieren, keinen Staubsauger-Lärm und keine lauten Unterhaltungen in der Gruppe", empfiehlt der Präsident des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte, Dirk Heinrich. Das Gehör könne nicht ständig belastet werden, sondern brauche immer wieder Ruhephasen.

Zu den Belastungen zähle auch das Nutzen eines MP3-Spielers, sagt Heinrich. Pro Tag sollten maximal 1,5 Stunden Musik über Kopfhörer bei mäßiger Lautstärke, etwa 55 bis 60 Dezibel, gehört werden. Auf keinen Fall sollte ein Wert von 80 bis 85 Dezibel überschritten werden. Andernfalls drohten ein Tinnitus, sowie ein schleichender Hörverlust. Vielen Menschen sei gar nicht mehr bewusst, dass im Hintergrund ständig Lärm sei, betont Heinrich. Sie seien den Trubel gewohnt, fühlten sich besser informiert und weniger allein, wenn Fernseher oder Radio liefen. "Doch versuchen Sie mal, Ruhe zu genießen. Sie werden schnell merken, dass Sie nicht immer eine Geräuschkulisse brauchen, sich leichter konzentrieren und auch besser entspannen können."

Schwerpunkt Gehör
Schnecke und Hammer
Wissenschaftler entwickeln immer neue Verfahren, wie schwerhörigen Menschen und Patienten mit Tinnitus geholfen werden kann.
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19.10.2005, zuletzt aktualisiert am 28.04.2010 / jst mit Material von ap