Rosetta © reuters Video
Lutetia ist ein kraterübersäter Fels, auf dem sich Gesteinsbrocken befinden
Bilder eines Asteroiden
Forscher schätzen Lutetia 4,5 Milliarden Jahre alt
Bilder des Kometenjägers "Rosetta": Die europäische Raumsonde ist am 10. Juli 2010 wie geplant knapp am Asteroiden Lutetia vorbeigerast.
Rund 450 Millionen Kilometer von der Erde entfernt passierte die Sonde den kosmischen Felsbrocken in 3162 Kilometern Abstand, wie die Europäische Raumfahrtagentur (Esa) berichtete. Das Esa-Raumflugkontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt veröffentlichte am 10. und 11. Juli 2010 spektakuläre Bilder des Asteroiden.

Die Aufnahmen zeigen Lutetia als kraterübersäten Fels, auf dem sich einzelne Gesteinsbrocken erkennen lassen. Offensichtlich sei der nur 126 Kilometer kleine Asteroid im Laufe seiner Existenz von zahlreichen Einschlägen getroffen worden. "Ich glaube, dies ist ein sehr altes Objekt", berichtete Holger Sierks vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. "Heute Nacht haben wir ein Überbleibsel aus der Entstehung des Sonnensystems gesehen." Die Forscher schätzen Lutetias Alter auf 4,5 Milliarden Jahre.

"Alles hat perfekt geklappt, besser konnte es nicht laufen", freute sich Paolo Ferri, Leiter für planetare Missionen im Esoc. Die drei Tonnen schwere "Rosetta" war mit einer Geschwindigkeit von 54.000 Kilometern pro Stunde an Lutetia vorbeigerast und hatte nur etwa eine Minute Zeit für die Nahaufnahmen von den Asteroiden. Dennoch lieferte die Raumsonde mehr als 400 Aufnahmen aus nächster Nähe.

"Die Bilder liefern uns so etwas wie einen Fingerabdruck von Lutetia - das kann uns Auskunft geben wie das Sonnensystem entstanden ist", erklärte Esa-Projektleiter Gerhard Schwehm am 11. Juli 2010. "Wir haben gejubelt, alles hat sehr gut geklappt."

Schwung für Rosettas Kometen-Rendezvous
Rosetta Video
Ein letztes Mal blickte Rosetta 2009 auf der Erde vorbei
2008 war "Rosetta" bereits am Asteroiden Steins vorbeigeflogen. Das nächste und endgültige Ziel der Sonde ist der Komet Tschurjumow-Gerasimenko, den sie nach Plan am 10. November 2014 erreichen soll. "Jetzt beginnt die Reise nach draußen, jetzt geht es weg von Erde und Sonne", sagte Schwehm. Nach einer geplanten Kurs- und Geschwindigkeitskorrektur Anfang 2011 soll die Sonde später für zweieinhalb Jahre komplett abgeschaltet werden, um Strom zu sparen. "Ende 2013, Anfang 2014 wecken wir sie Stück für Stück wieder auf und bereiten sie für die Ankunft am Kometen vor", erläuterte Ferri. Nach ihrer 7,1 Milliarden Kilometer langen Reise soll "Rosetta" auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko in einer spektakulären Mission ein Landemodul absetzen. 750 Millionen Euro nimmt die Esa nach Schwehms Angaben für die "Rosetta"-Mission in die Hand, die 2004 begann. Dazu kommen 300 Millionen Euro für die Instrumente.

Das Manöver vom 13. November 2009 war das vierte und letzte, um die 2004 gestartete Sonde zu beschleunigen. "Niemand hat bisher so ein Vorhaben gewagt", erklärte seinerzeit der Wissenschaftsdirektor der Esa, David Southwood. "Rosetta ist eine der anspruchsvollsten Missionen, die je unternommen wurden."

Die Esa will erstmals die Landung auf einem Kometen versuchen, der mit einer Geschwindigkeit von 135.000 Kilometern pro Stunde durchs All rast. Die Sonde soll Tschurjumow-Gerasimenko ein halbes Jahr umkreisen und von allen Seiten fotografieren. Spezialkameras und Spektrometer sollen Aufschluss über Dichte, chemische Zusammensetzung und Temperatur des Kometen geben. Im November 2014 wird Rosetta dann aus einer Höhe von einem Kilometer eine kompakte Landeeinheit abwerfen.

Das Landegerät "Philae" soll auf der Oberfläche des Kometen Bohrungen vornehmen, Bodenproben nehmen und diese analysieren. Alle Kometen sind in den Orthschen Wolken entstanden, einer Zone am äußersten Rand unseres Sonnensystems. Seit Entstehung des Sonnensystems vor etwa 4,6 Milliarden Jahren haben sich die Kometen kaum verändert.

Kometen kennen das noch junge Sonnensystem
Philae landet auf Kometen Lupe
2014 - das Jahr, in dem wir auf Tschurjumow-Gerasimenko auftrafen
"Dem außergewöhnlichen Rendezvous mehr als 675 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt fieberte der leitende Wissenschaftler des Rosetta-Projekts, Gerhard Schwehm, bereits 2004 entgegen: "Wir betreten Neuland, denn noch nie gab es eine längere Begegnung mit einem Kometen - vor allem aber können wir als erste bei dem Erwachen eines Kometen aus der Eisstarre hautnah dabei sein." Die stoffliche Zusammensetzung eines Kometen kann der Wissenschaft daher Aufschluss geben über den Zustand des Sonnensystems, als es noch jung war. Aus früheren Kometenmissionen ist bekannt, dass Kometen Träger komplexer organischer Moleküle sind. Manche Wissenschaftler glauben, dass diese Stoffe über den Einschlag eines Kometen erstmals auf die Erde gelangt sind. Dies könnte eine Art Initialzündung für die Entstehung des Lebens gewesen sein.

Ursprünglich sollte Rosetta bereits 2003 zu dem kleinen Kometen "Wirtanen" starten, der aus dem "Tiefkühlschrank" des Sonnensystems der Wärme entgegen rast. Der Flug wurde dann aber nach dem Fehlschlag beim Premierenstart der neuen europäischen Trägerakete Arians-5-plus sicherheitshalber verschoben.

Benannt ist die Sonde nach dem bekannten Inschriftenstein, den ein Soldat Napoleons bei der ägyptischen Stadt Rosette entdeckte. Dieser Stein half dem Gelehrten Jean-François Champollion, die Hieroglyphen zu verstehen. Rosetta trägt nun dazu bei, die Ursprünge des Sonnensystems zu "entziffern". Kostenpunkt: eine Milliarde Euro.

Infografik
© dapdLupeDie Rosetta-Mission der Esa
Abschied
© Esa (MPS für das Osiris-Team), MPS, UPD, LAM, IAA, RSSD, INTA,UPM, DASP, IDALupeBlick zurück nach vorn
Beim ihrem letzten Vorbeiflug an der Erde schoss Rosetta dieses Bild unseres blauen Planeten aus einer Entfernung von 633.000 Kilometern. Man erkennt die Umrisse der Antarktis unter dem südpolaren Wolkenwirbel. Packeis reflektiert das Licht der Sonne.
Bericht in Bildern
"Rosetta" trifft "Steins"
Die europäische Raumsonde "Rosetta" hat erste Aufnahmen vom Asteroiden Steins gemacht und zur Erde gefunkt. Auf den von der europäischen Raumfahrtbehörde (Esa) präsentierten Bildern aus den Tiefen des Alls sind zahlreiche Krater auf der Oberfläche des Gesteinsbrocken Steins zu erkennen, was auf ein immenses Alter des Asteroiden hindeute.
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