Übergewicht tritt in reichen sowie armen Ländern auf
Drei Viertel der Frauen im Alter von mehr als 30 Jahren sind übergewichtig - weltweit
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Übergewicht ist nicht nur ein Problem der so genannten "reichen" Staaten, sondern greift zunehmend auch auf ärmere Länder über. Der Trend zu salz-, fett- und zuckerreichem Essen erfasst diese Länder ebenso wie derjenige zu mangelnder Bewegung durch moderne Arbeitsmethoden, den öffentlichen Nahverkehr sowie die Verstädterung. Nach Einschätzung der Weltgesundheits-Organisation (WHO) könnte die Zahl der Übergewichtigen bis 2015 auf 1,5 Milliarden Menschen steigen.
Mehr als drei Viertel der Frauen über 30 Jahren übergewichtig, egal ob sie auf Barbados, in Ägypten, Mexiko, Südafrika, der Türkei oder den USA leben. Dies gilt in ähnlicher Größenordnung auch für gleichaltrige Männer in Argentinien, Deutschland, Griechenland, und Großbritannien. Mehr als eine Milliarde Menschen haben bereits jetzt Übergewicht und sind deswegen auch von Herzkrankheiten bedroht.
"Die wirkliche Tragik liegt darin, dass Übergewicht und Fettleibigkeit und die damit verbundenen chronischen Krankheiten weitgehend vermeidbar wären", sagte der zuständige WHO-Experte Robert Beaglehole in einer WHO-Erklärung. "Bis zu 80 Prozent der Herzkrankheiten, Schlaganfälle, Diabetes-Erkrankungen und 40 Prozent der Krebsfälle könnten durch gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung und die Vermeidung des Rauchens verhindert werden."
Deutsche werden immer dicker: Jeder Zweite hat Übergewicht
Jeder zweite Deutsche hat Übergewicht
Die Deutschen werden immer dicker, jeder Zweite hat Übergewicht. Sie wurden seit 1999 nicht größer, doch legten die Männer seitdem um 1,6 Kilogramm und die Frauen um ein knappes Kilo zu, wie das Statische Bundesamt berichtete. Männer sind demnach im Durchschnitt 1,78 Meter groß und 82,4 Kilo schwer, Frauen wiegen 67,5 Kilo bei 1,65 Meter Größe. Gemessen an den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation waren 50 Prozent aller Erwachsenen übergewichtig, 14 Prozent hatten starkes Übergewicht - beides hat seit 1999 um zwei Prozentpunkte zugenommen. Bei den Männern waren 58 Prozent und bei den Frauen 42 Prozent zu dick.
Übergewicht ist bereits bei jungen Leuten weit verbreitet und steigt mit zunehmendem Alter: Bereits bei den 20- bis 24-Jährigen wogen 26 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen zu viel. Spitzenwerte haben die Senioren: Bei den 65- bis 69-jährigen Männern waren 74 Prozent und bei den 70- bis 74-jährigen Frauen 64 Prozent übergewichtig.
Untergewicht ist wesentlich seltener und trifft vor allem junge Frauen. Insgesamt waren Frauen mit vier Prozent wesentlich häufiger zu dünn als Männer (ein Prozent). Junge Frauen mit 18 und 19 Jahren waren sogar zu 14 Prozent untergewichtig, 20- bis 24-Jährige noch zu elf Prozent.
Prognose: Bald 75 Prozent aller US-Amerikaner zu dick
So haben sich die USA die Führungsnation nicht gedacht
Bis zum Jahr 2015 werden einer Studie zufolge 75 Prozent aller US-Bürger übergewichtig oder fettleibig sein. Trotz zahlreicher staatlicher und privater Programme gegen die wachsende Zahl der Dicken im Land halte der besorgniserregende Trend weiter an, berichtete der US-Fernsehsender ABC unter Berufung auf die Studie. Daran war unter anderem die US-Gesundheitsstiftung (TFAH) beteiligt. In 37 der 50 US-Bundesstaaten habe demnach 2007 der Anteil der Normalgewichtigen abgenommen.
Die meisten Übergewichtigen in den USA leben der Studie zufolge in den Südstaaten. Allein in Mississippi gelten 67,4 Prozent der Einwohner als fettleibig oder übergewichtig. Stark zugenommen habe auch die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen. Der Anteil der fettleibigen Kinder unter fünf Jahren habe sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt - mit nach wie vor steigender Tendenz. Mittlerweile sei jedes fünfte Kind in den Vereinigten Staaten fettleibig.
Staatliche und private Programme hätten das stetig wachsende gesellschaftliche Problem der fettleibigen und übergewichtigen US-Amerikaner noch nicht in den Griff bekommen, sagte Jeff Levi, Geschäftsführer der TFAH. "Unsere Untersuchung fand heraus, dass wir uns auf staatlicher und gesellschaftlicher Ebene mit der Epidemie nicht verantwortungsvoll genug auseinandergesetzt haben."
Folge des Übergewichts ist laut Untersuchung, dass immer mehr Amerikaner an Diabetes Typ 2 erkranken, der unter anderem auf starkes Übergewicht zurückzuführen ist. Der Anteil der Diabetiker sei 2007 in 26 US-Bundesstaaten stark angestiegen.
Gestiegener Lebensstandard: Chinas dickere Kinder
Gute Küche mit Nebenwirkungen
Chinesische Kinder werden wegen des gestiegenen Lebensstandards in dem asiatischen Land immer dicker. Fast ein Fünftel der unter sieben Jahre alten Stadtkinder seien übergewichtig und mehr als sieben Prozent fettleibig, berichtete die für Übergewicht bei Kindern in China zuständige Forschungsgruppe. Die Zahlen seien höher als in den europäischen Ländern, sagte Projektleiter Ding Zongyi. Demnach stieg die Zahl der fettleibigen chinesischen Kinder zwischen 1996 und 2006 um 156 Prozent. Die Anzahl der übergewichtigen Kinder stieg demnach im gleichen Zeitraum um 52 Prozent.
Die Wachstumsrate sei "unkontrollierbar" geworden, sagte Ding. Die Entwicklung sei zurückzuführen auf den steigenden Lebensstandard in China sowie die Annahme eines westlichen Lebensstils, der mit dem Konsum von fettigem und gezuckerten Fast Food einhergehe. Angesichts der großen Bevölkerungsteile, deren Lebensstandard noch steigen werde, sei mit einer Verschlimmerung des Problems zu rechnen, warnte Ding. Für die Studie hat die Forschungsgruppe 80.000 Kinder in elf chinesischen Großstädten untersucht.
Bewohner der Südsee-Inseln werden dicker und kränker
Westlicher Lebensstandard mit allen Konsequenzen
Auf den Inseln im Südpazifik grassiert die Fettleibigkeit, wie eine Studie der WHO belegt - die Inselbewohner zählen sogar zu den dicksten Menschen der Welt. Vor allem am westlichen Lebensstandard liegt es wohl, dass die einst gesunden, schlanken Insulaner immer mehr Kilos auf die Waage bringen: An Stelle der traditionellen Gerichte mit Fisch, grünem Gemüse und Kokosnuss kommen auch bei ihnen zunehmend fettiges Import-Fleisch, Reis sowie zuckersüße Snacks und Getränke auf den Tisch.
"Schweinefleisch und Hühnchen aßen wir früher nur sonntags. In der Woche gab es regelmäßig frischen Fisch und Meeresfrüchte. Außerdem verbrachten wir viel Zeit damit, durch die Felder zu reiten, zu fischen oder zu schwimmen", erinnert sich der Chef der Gesundheitsbehörde im Königreich Tonga, Malokai Ake. Heute sind die Menschen auf Tonga urbanisiert: Statt selbst zu pflanzen und zu fischen, fahren sie mit dem Auto zum Supermarkt.
Von einer "verheerenden Epidemie" spricht Chefstatistiker Carl Hacker von den Marshallinseln. Nach seinen Berechnungen leiden 6000 bis 8000 der 53.000 Einwohner inzwischen an der Zuckerkrankheit. Auf den anderen Inseln sieht es nicht besser aus: Laut WHO liegen acht der zehn übergewichtigsten Nationen in der Südsee.
Die dicksten Menschen leben demnach im kleinen Inselstaat Nauru. Die Phosphatbestände, die früher einmal für einigen Wohlstand gesorgt hatten, sind weitgehend erschöpft, die Insulaner werden ärmer und kränker. 94,5 Prozent der über 15-Jährigen - somit fast alle - haben laut WHO Übergewicht. Eine Rekordzahl von 45 Prozent der Erwachsenen leidet an Diabetes.


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28.02.2001, zuletzt aktualisiert am 19.02.2009 / dpa, ap, afp / mp
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