Antikörper-Test zeigt schnell den Befall mit Feuerbrand
Bisher mussten Kontrolleure Baumproben in spezialisierten Laboren analysieren
Eine schnelle Diagnose soll den Feuerbrand-Schaden begrenzen
Forscher der eidgenössischen Forschungsanstalt "Agroscope" in Wädenswil haben einen Schnelltest auf das Feuerbrand-Bakterium Erwinia amylovora entwickelt. Antikörper zeigen den Befall durch eine gut sichtbare Farb-Reaktion. Bisher mussten die Kontrolleure der Kantone Baumproben in spezialisierten Laboren analysieren lassen. Eine schnelle Diagnose kann helfen, den Schaden zu begrenzen, weil der Erreger sich mit enormem Tempo über Bäume verbreiten kann.
Die Obstbauern müssen Triebe, die vom Feuerbrand befallen sind, wegschneiden und verbrennen. "Das ist mit hohen Kosten verbunden", sagt Christian Scheer vom Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Bavendorf. Ein Obstbauer müsse drei bis vier Mal durch seine Anlage gehen, um alle befallenen Stellen an den Bäumen zu entdecken.
Landwirte geben im Südwesten drei Millionen Euro für den Kampf gegen die Pflanzenkrankheit aus. Während Apfelbauern versuchen können, ihre Bäume zu schneiden, muss bei einem Befall von Birnen- oder Quittenbäumen gerodet werden. "Am Bodensee gab es nur geringe Rodungen", sagt Scheer. In der Schweiz hingegen habe es großflächige Rodungen gegeben. Hier hat der Feuerbrand im Obstbau die größten Schäden aller Zeiten verursacht. Bisher mussten rund 100 Hektar vernichtet werden. Zehntausende von Bäumen sind befallen.
Die Kontrolleure haben 2007 in 793 Gemeinden Befall festgestellt, wie Eduard Holliger von "Agroscope" sagt. Dies seien doppelt so viele Gemeinden wie im bisher schlimmsten Jahr. In den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Luzern sind die Anlagen flächendeckend befallen. Befall gebe es in allen Kantonen der Deutschschweiz. Erstmals habe man auch im Kanton Waadt Befall bei Kernobst entdeckt. Die Kantone Uri und Obwalden verzeichneten die ersten Fälle überhaupt.
2007 waren von 8500 Hektar Anbaufläche rund um den Bodensee 500 bis 600 vom Feuerbrand betroffen. Während der Blüte der Bäume im April war es warm und trocken. Der Feuerbrand-Erreger Erwinia amylovora fühlt sich bei solch einem Wetter besonders wohl. Betroffen sind vor allem Apfel-, Birnen- und Quittenbäume, Weißdorn und Ebereschen. Insekten übertragen den Erreger. Besondere Ansteckungsgefahr geht von kleinen Tröpfchen mit hochinfektiösem Bakterienschleim aus, die sich an den Zweigen und Blättern bilden können. Die Keime verseuchen beim Zurückschneiden Äxte, Sägen und Scheren, die deshalb nach jedem Schnitt für einige Minuten in Spiritus eintauchen müssen.
Der Feuerbrand trat erstmals Ende des 18. Jahrhunderts an Amerikas Ostküste auf. Ende der 1950er Jahre fasste die Seuche in Europa Fuß, in Baden-Württemberg greift sie seit 1981 um sich.
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12.02.2001, zuletzt aktualisiert am 09.06.2008 / mp mit Material von ap
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