Demonstranten © reuters Lupe
Der Störfall am 4. Juli 2009 im AKW Krümmel rief Demonstranten auf den Plan
Transformator löste Störfall im AKW Krümmel aus
Reaktor hatte sich nach Kurzschluss abgeschaltet
Nach dem Störfall im Atomkraftwerk Krümmel haben Forscher am 6. Juli 2009 die Suche nach der genauen Ursache fortgesetzt. Der Reaktor hatte nach einem Kurzschluss in einem Transformator abgeschaltet.
Anders als Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) geht die Atomaufsicht in Kiel davon aus, dass ein Wiederanfahren des Meilers nicht zustimmungspflichtig ist. Eine Sprecherin des Betreibers Vattenfall sagte, der Reaktor werde aber nur in enger Abstimmung mit der Atomaufsicht wieder angefahren. Vertreter der Umweltschutzorganisation Greenpeace verriegelten ein Einfahrtstor zu dem Kraftwerk mit Eisenketten. "Geschlossen wegen Unzuverlässigkeit" stand auf einem Schild.

Vattenfall-Sprecherin Meyer-Bukow sagte der Transformator sei seit 2007 intensiv geprüft worden. "Wir hatten sowohl von Sachverständigen als auch vom Hersteller die Information, dass der Trafo betriebsbereit ist." Dieser war mit dem Kraftwerk 1983 in Betrieb gegangen. Die Trafos dienen dazu, den produzierten Strom in das öffentliche Netz einzuspeisen. Kritik, Vattenfall habe sich als AKW-Betreiber disqualifiziert, wies Meyer-Bukow zurück. Man habe das notwendige Personal und Know-how. 2007 war der Brand eines baugleichen Trafos Auslöser für das Herunterfahren, dem langer Stillstand folgte.

Atomkraftwerk Krümmel nahm 1983 den Betrieb auf
Das Atomkraftwerk Krümmel liegt in Geesthacht, 30 Kilometer südlich von Hamburg. Betreiber ist der Energiekonzern Vattenfall, Gesellschafter sind jeweils zu 50 Prozent Vattenfall und "E.ON.". Der an der Elbe gelegene Siedewasserreaktor hat nach Angaben von Vattenfall eine Gesamtleistung von 1402 Megawatt und könnte bis zu 30 Prozent der in Schleswig-Holstein erzeugten Strommenge liefern - vorausgesetzt allerdings der Betrieb läuft störungsfrei.

Die erste kontrollierte Kernspaltung erfolgte in Krümmel im September 1983 nach knapp zehn Jahren Bauzeit. In den 1990er Jahren wurde Krümmel mit einer Häufung von Leukämie-Erkrankungen in seiner Umgebung in Verbindung gebracht. Einige Wissenschaftler gingen damals davon aus, dass radioaktive Emissionen aus dem Kraftwerk für die Leukämie-Erkrankungen verantwortlich sein könnten. Andere hielten einen solchen Zusammenhang für ausgeschlossen.

Am 28. Juni 2007 brannte im Kernkraftwerk ein Transformator. In der Folge war Krümmel fast zwei Jahre lang nicht in Betrieb. Nach mehr als 200 technischen Änderungen erteilte das für die Atomaufsicht zuständige schleswig-holsteinische Sozialministerium Vattenfall am 19. Juni 2009 die Genehmigung zum Wiederanfahren des Reaktors. Nach zwei weiteren Störfällen innerhalb von nur zwei Wochen gab es am 4. Juli 2009 wegen einer Störung in einem Maschinentransformator eine Reaktorschnellabschaltung.

Wegen des zweijährigen Stillstands verfügt Krümmel über eine relativ hohe Reststrommenge, die es nach dem im Jahr 2000 getroffenen Atomkonsens bis zu seiner Abschaltung noch produzieren darf. Betreiber Vattenfall versuchte zuletzt, diese Reststrommenge auf den Reaktor Brunsbüttel zu übertragen, um so dessen Laufzeit zu verlängern. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) lehnte das jedoch aus Sicherheitsgründen ab.

Gast
Zum Thema sprechen wir am 6. Juli 2009 mit dem Physiker Christian Küppers vom Öko-Institut e.V.
Schwerpunkt
Ein Drittel des deutschen Stroms kommt aus Atomkraft
mehr zum Thema
Mehr Sicherheit nach Fast-Gau von "Three Mile Island" "Wir wissen nicht, ob Barack Obama auf Kernkraft setzt" Keine längeren Laufzeiten für Biblis A und Brunsbüttel Steinmeier äußert sich gegen längere AKW-Laufzeiten Der Streit über Atomkraft ist in Deutschland neu entfacht
06.07.2009 / dpa, ap / jus